Die Protestantische Stadtkirche in Homburg.

Ostergottesdienste – wohl selten waren sie so umstritten wie in diesem Jahr. Nicht wenige forderten von den Kirchen angesichts der Pandemie, auf sie zu verzichten. Gar die Bundesregierung ließ sich mit einem solchen Appell vernehmen. Auch in unserer Region standen die Gemeinden vor der Entscheidung, ob und wie Ostersonntag und Co. begangen werden könnten. Die Antwort bei zwei dieser Gemeinden: Ja, aber mit Vorsicht. Teils trieb das kuriose Blüten.

Manchmal sind es in diesen Tagen ja die ganz praktischen Dinge, die, je nach Standpunkt, den Ernst oder die Absurdität der Lage aufzeigen. Für Millionen von Christen auf dieser Erde ist die Eucharistiefeier – also die Feier des Heiligen Abendmahls – ein, wenn nicht der essentielle Bestandteil des Gottesdienstes. Im Normalfall werden dort Brot und Wein gesegnet und anschließend vom Pfarrer an die Gläubigen verteilt. Ein jahrhundertealter Brauch, der in Coronazeiten so nicht mehr gefeiert werden kann. Schließlich darf der Priester den Menschen nicht zu nahe kommen.

Deshalb wurde der „Leib Christi“ auch an Ostern nur mit Abstand ausgegeben. Konkret hieß das in der Gemeinde Hl. Nikolaus in Bexbach, dass sich jeder einzelne Gottesdienstbesucher „seine“ Hostie nach der Segnung selbst an einem Tisch abholen musste. Und zwar jeder aus einem eigenen Behältnis. „Die Eucharistiefeier hat dann natürlich etwas länger gedauert als in normalen Zeiten“, sagt Gemeindereferent Gregor Müller. Und das, obwohl im Vergleich zu früheren Jahren deutlich weniger Menschen die Gottesdienste besuchten. 60 Menschen hätten laut Müller in der Osternacht die St. Martin-Kirche in der Bexbacher Innenstadt besucht. „Üblicherweise sind es rund 200.“

Bei den Protestanten war die Zahl der Gottesdienstbesucher an Ostern in diesem Jahr ebenfalls stark rückläufig. „Wir hatten dieses Jahr am Ostersonntag 30 Besucher in der Stadtkirche“, erzählt Pfarrer Thilo Armbrust vom Protestantischen Dekanat Homburg. „Das sind natürlich in anderen Jahren deutlich mehr.“ Dass an Ostern überhaupt Menschen in die Kirchen gehen konnten, lag auch an den Hygienekonzepten, die vor Ort angewendet wurden. So musste man sich in Bexbach beispielsweise vorher für die Gottesdienste anmelden. Dazu wurde in der Kirche noch genau protokolliert, wer wo Platz genommen hatte.

Außerdem sei Singen verboten gewesen. „Lediglich drei Personen haben mit großem Sicherheitsabstand und einer Maske im Gesicht gesungen“, so Gemeindereferent Müller. In Homburg wurde gar nur auf instrumentelle Musik gesetzt. Darüber hinaus kamen sowohl in der Pfarrei Hl. Nikolaus als auch in im Protestantischen Dekanat die üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Masken und Desinfektionsmittel zur Anwendung. Abstand war aufgrund der geringen Besucherzahl sowieso gewährleistet. Dennoch habe man sich aber die Entscheidung für Präsenzgottesdienste laut Pfarrer Armbrust nicht leicht gemacht. „Wir haben untereinander im Dekanat immer wieder hin- und herdiskutiert, ob die Gottesdienste in Präsenz stattfinden können.“ Am Ende habe schließlich bei der Entscheidung auch eine Rolle gespielt, dass der Inzidenzwert im Saarpfalz-Kreis doch noch verhältnismäßig gering gewesen sei.

Doch nicht nur der Ablauf der Gottesdienste selbst wurde durch die Maßnahmen deutlich erschwert. Auch auf geistiger Ebene sei Ostern für die Gläubigen in dieser Zeit sehr schwierig. „Eigentlich ist Ostern ja das Fest des Aufbruchs. Momentan ist es ja wie ein nicht endend wollender Tunnel.“ Aber es gibt laut Gemeindereferent Müller trotz allem auch Positives aus der Krise zu ziehen. „Ich habe schon das Gefühl, dass die Gottesdienstbesucher trotz Abstand innerlich näher zusammengerückt sind.“

 

 

 

 

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