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Der Neujahrsempfang der Grünen im Kardinal-Wendel-Haus war kein Angriff auf die Homburger Stadtpolitik – aber er ließ auch keinen Zweifel daran, dass aus Sicht der Partei zentrale Fragen seit Jahren zu langsam oder gar nicht gelöst werden. In ruhigem Ton, ohne polemische Zuspitzung, formulierten die Redner am vergangenen Freitagabend Erwartungen an Tempo, Prioritäten und Konsequenz kommunaler Entscheidungen. Im Mittelpunkt stand weniger parteipolitische Abgrenzung als die Frage, warum die Stadtpolitik bei vielen Themen noch immer hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleibt.

In ihrer Begrüßung machte Stadtverbandssprecherin Katrin Lauer deutlich, dass kommunale Politik aus Sicht der Grünen dort ansetzen müsse, wo Entscheidungen den Alltag der Menschen unmittelbar betreffen. Demokratie zeige sich nicht in formalen Beschlüssen, sondern darin, ob Beteiligung ernst genommen werde und Wirkung entfalte. Die Einstellung des Planfeststellungsverfahrens zur B 423 wertete sie als Beispiel dafür, dass Einwände aus der Bürgerschaft politische Prozesse tatsächlich verändern können – auch dann, wenn es um jahrzehntelang verfolgte Planungen geht.

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Lisa Becker, Co-Vorsitzende des Kreisverbands Saarpfalz, knüpfte daran an und verwies auf veränderte Maßstäbe politischer Entscheidungen. Ökologische und gesellschaftliche Realitäten müssten heute stärker berücksichtigt werden als noch vor Jahren. Für Homburg bedeute dies, Natur- und Lebensräume künftig nicht mehr nachrangig zu behandeln, sondern frühzeitig und verbindlich in politische Abwägungen einzubeziehen.

Den inhaltlichen Schwerpunkt des Abends setzte Stadtratsfraktionsvorsitzender Marc Piazolo. Seine Rede blieb sachlich, machte aber keinen Hehl daraus, dass er zentrale Entwicklungen der Stadtpolitik kritisch sieht. Stadtentwicklung, so Piazolo, verlaufe in Homburg oft schleppend und reagiere zu spät auf absehbare Probleme. „Es tut sich auch mal etwas – manchmal eben zu spät“, sagte er mit Blick auf Projekte, die nach langen Anläufen umgesetzt wurden oder weiter stocken.

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Piazolo rückte dabei bewusst den Alltag der Menschen in den Mittelpunkt. Hitze in der Innenstadt, versiegelte Flächen, fehlende Aufenthaltsqualität und stockende Verkehrsprojekte seien längst keine abstrakten Zukunftsfragen mehr. Kommunalpolitik müsse hier früher reagieren und dürfe sich nicht darauf beschränken, große Vorhaben über Jahre hinweg zu planen, während kleinere, wirksame Maßnahmen liegen blieben.

Besonders deutlich wurde Piazolo, als er gesellschaftliche Verantwortung jenseits klassischer Infrastrukturthemen ansprach. Der „rote Stuhl“ als Zeichen gegen Gewalt an Frauen stehe exemplarisch für Themen, die politisch häufig an den Rand gedrängt würden. Solche Zeichen seien notwendig, weil sie sichtbar machten, „was sonst verdrängt wird“. Kommunalpolitik habe auch die Aufgabe, Schutzräume zu schaffen und Probleme offen zu benennen, statt sie zu verwalten.

Weitere Wortmeldungen griffen diese Linien auf und ergänzten sie um Perspektiven aus Partei- und Jugendarbeit. Bundespolitische Debatten spielten dabei bewusst nur eine Nebenrolle. Der Fokus blieb klar auf Homburg gerichtet – auf Stadtteile, konkrete Probleme und die Frage, wie Politik vor Ort handlungsfähiger werden kann.

Mit Blick auf das Jahr 2026 formulierten die Grünen damit einen klaren Anspruch: weniger politische Routine, mehr Bereitschaft zur Neubewertung bestehender Planungen. Stadtentwicklung solle sich nicht länger an Konzepten aus vergangenen Jahrzehnten orientieren, sondern an heutigen Anforderungen an Lebensqualität, Klimaanpassung und soziale Verantwortung. Der Neujahrsempfang machte deutlich, dass die Grünen diese Themen im kommenden Jahr stärker und konsequenter in die kommunalpolitische Debatte einbringen wollen.

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Alle Bilder: Friedel Simon

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