HOMBURG1: Hallo Herr Nardi. Toll, dass sie Zeit für uns gefunden haben. Der Anlass ist mehr als erfreulich. Das Unternehmen Dr.Theiss Naturwaren feiert dieser Tage das 40. Firmenjubiläum, dazu von HOMBURG1 alles Gute. Kommt es ihnen eigentlich selbst wie 40 Jahre vor?

Giuseppe Nardi: 40 Jahre sind aufgrund der rasanten Entwicklung der Firma Theiss Naturwaren wie im Flug vergangen. Als 18-Jähriger habe ich 1984 in der Firma Dr. Theiss Naturwaren eine Lehre zum Industriekaufmann begonnen und seitdem bin ich hier im Unternehmen auf allen möglichen Gebieten tätig, aber doch mit dem Schwerpunkt Marketing und Vertrieb. Und es ist wie ein Wimpernschlag gewesen – 40 Jahre sind wirklich verflogen.

HOMBURG1: Sie haben die Entwicklung des Unternehmens von Anfang an hautnah miterlebt. Wie begann alles und welchen Stellenwert hatte die Naturheilkunde von Beginn an?

Prof.Dr. Peter Theiss – Bild: Dr.Theiss Naturwaren GmbH

Giuseppe Nardi: Herr Prof.Dr. Theiss hat ja einen Trend erkannt – aber nicht nur weil er den Trend geschäftlich nutzen wollte, sondern er ist ein überzeugter Fan der Naturheilkunde. Auch überzeugt von den positiven Seiten der Naturheilkunde. Als gelernter und promovierter Apotheker – Prof.Dr. Theiss hat am Max-Planck-Institut in München promoviert und war der erste Apotheker, der in einer fachfremden Disziplin, der Psychiatrie, promoviert hat – ist er natürlich auch so gut ausgebildet, dass er auch kompetent war in der Empfehlung. Das gilt übrigens für das Gros aller Apotheken – diese sind eben ein kompetenter Ort. Und Prof.Dr. Theiss hat früh erkannt, dass in der Apotheke sehr viel Potenzial und sehr viel Interesse seitens der Verbraucher an den natürlichen Heilmitteln ist und hat diesen Weg dann konsequent verfolgt. Er hat auch zwei Bücher zu dem Thema geschrieben. Das hat alles so stark gefruchtet, dass die Apotheke als Verkaufs- und Produktionsort zu klein wurde. Es wurde daraufhin ein Unternehmen gegründet und eine kleine Produktionsstätte in der Michelinstrasse gebaut. Daraufhin kam dann erst der Stein so richtig ins Rollen. Ganz am Anfang waren wir etwas über 30 Mitarbeiter – das umfasste dann die Verwaltung, Herstellung, Vertrieb – mit In- und Auslandsgeschäft. Im Vergleich: heute haben wir über 500 Mitarbeiter in Homburg und ca 2000 in der ganzen Welt.

HOMBURG1: Wo steckten am Anfang die Schwierigkeiten, worauf legten sie ihre Schwerpunkte, wie beginnt man eine Produktionslinie aufzubauen?

Giuseppe Nardi: Eine Schwierigkeit bzw. eine Hürde, die das Unternehmen von Beginn an zu nehmen hatte: wir sind ein Unternehmen der ersten Generation. Das heißt, wir mussten uns in unserer Generation alles selbst erarbeiten und selbst investieren. Wir haben als Dr.Theiss Naturwaren keinen Produktionsbetrieb beispielsweise vom Vater oder Großvater geerbt. Denn selbst wenn das z.B. ein alter Komplex gewesen wäre, hätte uns das ja schon geholfen – nein, wir mussten uns alles selbst erarbeiten. Heißt, wir haben konsequent Fachleute gesucht und gefunden. Techniker, Apotheker, Chemielaboranten, Fachkräfte im Bereich der Apotheken, und die haben systematisch die Produktion, Entwicklung und Technisierung des Unternehmens vorangebracht.

HOMBURG1: Gab es einen speziellen Moment wo sie gedacht haben: hier entsteht wirklich etwas Großes?

Giuseppe Nardi: Es gab am Anfang Aufs und Abs. Die Bäume wachsen auch bei einem Unternehmen, das sich gut entwickelt hat aufgrund einer guten Grundidee, nicht in den Himmel. Es gab also am Anfang natürlich einen Punkt, da mussten neue Produkte, Ideen und Konzepte zu den alten, etablierten dazukommen. Als wir dann anfingen kurz vor dem Fall der Mauer in die damalige DDR zu reisen, haben wir gemerkt, dass östlich der Bundesrepublik Deutschland das Interesse an natürlichen Mitteln noch sehr viel größer war als bei uns. Die Traditionen in den osteuropäischen Ländern waren eben nicht so verbraucherfreundlich. Dort hat man das Notwendigste produziert, also Antibiotika, Schmerzmittel. Aber an Naturheilmitteln gab es nur sehr sehr wenig was dem Verbraucher gefallen hat. Genau das war für uns ein solcher Moment. Im Osten zu stehen, zu wissen, dass dies das wiedervereinigte Deutschland demnächst sein wird und dass die Zukunft dann hinter dem eisernen Vorhang liegt. Da haben wir gemerkt, dass östlich der BRD ein enormer Markt ist mit Menschen und Verbrauchern, die sich für unsere Produkte künftig sehr stark interessieren. Man musste eben nur rechtzeitig vor Ort sein – das war der wichtige Moment.

HOMBURG1: Die Eroberung des osteuropäischen Marktes „aus dem Kofferraum heraus“, wie kann man sich das vorstellen?

Giuseppe Nardi und Prof.Dr. Peter Theiss in der Tschechischen Republik zu Besuch bei Apotheken. – Bild: Dr. Theiss Naturwaren GmbH

Giuseppe Nardi: Wir hatten wirklich unsere Produkte damals im Kofferraum um sie den Kunden dort zu zeigen, aber sie müssen sich das so vorstellen: wir waren in diesen Märkten zur Stunde Null. Das bedeutet, es gab keine privatwirtschaftlichen Strukturen, keine Privatunternehmen, weil ja alles verboten war. Alles war monopolisiert und verstaatlicht. Und als wir uns dann auf den Weg gemacht haben, haben wir natürlich nach den ersten Unternehmern im Land gesucht. Die haben sich dann auch per Postkarte, oft handschriftlich, bei uns gemeldet und haben laienhaft, aber unglaublich ehrgeizig und sympathisch ihr Interesse an unseren Produkten bekundet. Wir sind dann nach und nach rüber gefahren und haben diese potenziellen Partner besucht. Wir haben auch mit Apothekern gesprochen und Strukturen gesucht, die es uns in der Zukunft dann möglich gemacht haben, diese Märkte zu beliefern. Das war echte Pionierarbeit. Nehmen wir als Beispiel die tschechische Republik: am Rande von Prag, da war nicht alles Gold und man durfte sich hier nicht abschrecken lassen. Die Infrastruktur war dürftig, die Unterkunft mäßig – da hieß es Augen zu und durch. Aber das Interesse und der Enthusiasmus gegenüber unserer Produkte war so groß, dass man das immer gerne gemacht hat. Das war wirkliche Begeisterung. Die Menschen dort waren so froh, dass es endlich Angebote in dieser Richtung gab. Viele junge Menschen in dem Land, mit denen wir die ersten Geschäfte gemacht haben, die haben ehrlich gebrannt vor Begeisterung. Die wollten unbedingt eine Karriere starten, viele haben ihren Beruf, das alte Leben komplett hinter sich gelassen, um sich selbstständig zu machen damit sie eine neue Karriere starten konnten. Das ist und war ein wirklich bewundernswerter Mut. Zum einen sind wir als Dr. Theiss Naturwaren rüber gefahren und haben Pionierarbeit gemacht aber zum anderen sind wir eben auf Menschen gestoßen, die auch Pioniere waren und eben diesen Pioniergeist hatten. Das Zusammentreffen dieser beiden Kräfte hat uns dann nach vorne gebracht.

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