Ein kleines Stück Papier im Portemonnaie kann im Ernstfall über Leben entscheiden – und Angehörige in der wohl schwersten Stunde ihres Lebens entlasten. Genau darauf macht das Klinikum Saarbrücken anlässlich des Tags der Organspende am 6. Juni aufmerksam. Im Mittelpunkt steht ein Appell, der so schlicht wie wirkungsvoll klingt: Reden, entscheiden, dokumentieren.
PD Dr. Konrad Schwarzkopf, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie Leiter des Zentrums für Intensiv- und Notfallmedizin auf dem Winterberg, kennt die Tragweite dieser Entscheidung aus seinem beruflichen Alltag. Für ihn ist die Organspende ein zutiefst solidarischer Akt – unabhängig davon, ob sie am Ende bejaht oder abgelehnt wird. Entscheidend sei einzig, dass die eigene Haltung feststeht und nach außen getragen wird. „Ein ausgefüllter Organspendeausweis gehört in jedes Portemonnaie – er ist ein kleines Dokument mit großer Wirkung“, betont der Chefarzt.
Dass dieser Appell keine abstrakte Theorie bleibt, zeigt ein Blick in die Statistik des eigenen Hauses: Allein in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres konnten am Klinikum Saarbrücken bereits drei Organspenden realisiert werden. Hinter jeder dieser Zahlen stehen Menschen, deren Familien sich in einer Ausnahmesituation auf die Wünsche ihrer Verstorbenen verlassen konnten – oder eben nicht.
Für Schwarzkopf ist deshalb das offene Gespräch innerhalb der Familie der wichtigste Schritt überhaupt. „Wer seine Entscheidung offen und klar kommuniziert, sorgt dafür, dass im Ernstfall keine Unsicherheit entsteht“, sagt er. Selbst ein vorhandener Ausweis oder ein Eintrag im Register ersetze dieses Gespräch nicht. Denn am Ende seien es die engsten Vertrauten, die in die Abläufe einbezogen werden – und die mit der Last der Entscheidung leben müssen, wenn der eigene Wille nicht bekannt ist.
Wer sich festlegen möchte, hat dafür mehrere Wege. Der klassische Organspendeausweis ist rechtlich verbindlich, kann jederzeit geändert werden und sollte griffbereit aufbewahrt werden. Ergänzend bietet das offizielle Organspenderegister die Möglichkeit, die eigene Haltung kostenlos und freiwillig digital zu hinterlegen. Wer bereits eine Patientenverfügung verfasst hat, sollte dort einen Passus zur Organspende ergänzen – das schafft Konsistenz und erleichtert den behandelnden Teams die Orientierung.
Mit besonderem Nachdruck räumt der Mediziner mit einem hartnäckigen Vorurteil auf: dem Glauben, Alter oder Vorerkrankungen schlössen eine Spende von vornherein aus. „Der älteste bekannte Spender war über 100 Jahre alt“, sagt Schwarzkopf. Auch am Winterberg seien bereits Spenderinnen und Spender jenseits der 90 erfolgreich berücksichtigt worden. Selbst Diagnosen wie Krebs, HIV oder Hepatitis bedeuten kein automatisches Aus. Ob eine Spende möglich ist, werde stets tagesaktuell und im konkreten Einzelfall von Fachleuten auf der Intensivstation geprüft.
Am Ende läuft alles auf eine simple Aufforderung hinaus, die das Klinikum gerade rund um den 6. Juni in den Vordergrund rücken möchte: Wer spenden will, soll sich registrieren oder einen Ausweis ausfüllen. Wer nicht spenden möchte, soll auch das deutlich machen. Beides nimmt den Angehörigen eine Last, die in einer ohnehin überfordernden Situation kaum zu tragen ist – und macht aus einer privaten Entscheidung einen Beitrag, der weit über das eigene Leben hinausreicht.

















