Wer im Saarland ein Rezept einlösen oder schnell ein Medikament besorgen muss, hat es im bundesweiten Vergleich erstaunlich leicht. Praktisch die gesamte Bevölkerung des kleinsten Flächenlandes erreicht eine Apotheke binnen weniger Kilometer. Eine aktuelle Auswertung des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung beziffert die Quote auf 99 Prozent – bezogen auf eine Wegstrecke von höchstens sechs Kilometern. Bei vier von fünf Saarländerinnen und Saarländern liegt die nächste Apotheke sogar in einem Radius von maximal zwei Kilometern.
Für die Krankenkasse ist das ein politisch brisanter Befund. Denn aus den Zahlen leitet sie eine klare Position ab: Die Pläne der Bundesregierung, das Apothekenhonorar pauschal anzuheben, hält die BARMER für den falschen Weg. Dass das saarländische Gesundheitsministerium zu Jahresbeginn signalisiert hatte, dieses Vorhaben mitzutragen, stößt bei der Kasse auf deutliche Kritik.
„Pauschale politische Fördermaßnahmen für Apotheken sind nicht zu rechtfertigen“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Sinnvoller wäre aus ihrer Sicht ein gezielter Hebel auf Landesebene: Förderungen, die bei Apothekenübernahmen in strukturschwachen Regionen ansetzen – und zwar erst nach einer fundierten Analyse, die den tatsächlichen Versorgungsbedarf belegt.
Die Datenbasis für diese Argumentation ist umfangreich. Das Institut hat Standorte aus den Abrechnungsdaten der Kasse abgeleitet und mit den Einwohnerzahlen des Zensus sowie dem deutschen Fußwegenetz von OpenStreetMap verknüpft. Im saarländischen Durchschnitt finden Einwohnerinnen und Einwohner 13,6 Apotheken im Umkreis von sechs Kilometern. Bei den über 65-Jährigen liegt der Wert mit 13,2 Apotheken kaum niedriger. Nur 0,6 Prozent der Bevölkerung haben in diesem Radius gar keine Apotheke.

Die Unterschiede zwischen den Kreisen sind dabei beträchtlich. Spitzenreiter ist der Regionalverband Saarbrücken mit 20,1 Apotheken pro Einwohner im Sechs-Kilometer-Radius – ein Wert, der die hohe Versorgungsdichte im urbanen Kern unterstreicht. Am dünnsten ist das Netz im Landkreis St. Wendel, wo statistisch nur 4,5 Apotheken in derselben Reichweite liegen. Für Seniorinnen und Senioren zeichnet sich dasselbe Bild ab: 19,1 Apotheken im Regionalverband, 4,6 im Nordsaarland. Ohne erreichbare Apotheke sind im Kreis Neunkirchen rechnerisch null Prozent der Menschen, in Merzig-Wadern und Saarlouis jeweils 1,4 Prozent.
Auch ein hypothetisches Szenario hat das Institut durchgerechnet. Würde eine Apotheke schließen, blieben bei 90 Prozent der Standorte im Saarland Alternativen in maximal sechs Kilometern Entfernung erreichbar. Für Kleis ein zentrales Argument gegen flächendeckende Zuschüsse: „Mögliche Unterstützungsmaßnahmen der Politik für Apotheken sollten zielgenau an der lokalen Versorgungssituation ausgerichtet sein. Eine Förderung von Apotheken nach dem Gießkannenprinzip ist falsch.“ Gerade angesichts knapper öffentlicher Kassen, so die Landeschefin, müsse jeder Euro dort ankommen, wo die Versorgung tatsächlich auf der Kippe stehe.

















