Nachdem Staatsanwaltschaft und Polizei während einer Durchsuchungsmaßnahme am gestrigen Mittwoch am Universitätsklinikum Beweismaterial zu drei Verdachtsfällen auf sexuellen Missbrauch beschlagnahmt haben, fordert Staatssekretär Henrik Eitel ein neues Leitbild zum Umgang mit Verdachtsfällen am UKS. Egal, ob es sich um Verdacht auf Missbrauch, sexuelle Belästigung oder Behandlungsfehler handelt, müsse Transparenz und Aufklärung gewährleistet sein.

Am Universitätsklinikum leisten mehrere tausend Mitarbeitende Herausragendes im medizinischen, im pflegerischen und in anderen Bereichen zum Wohle ihrer Mitmenschen. Patientinnen und Patienten haben ebenso wie alle Mitarbeitenden einen Anspruch darauf, dass jetzt durch die Verantwortlichen am Universitätsklinikum (UKS) zeitnah die richtigen Schlüsse aus der aktuellen Situation gezogen werden. Alle Strukturen und Prozesse müssen auf dieses Leitbild ausgerichtet sein und entsprechend überprüft werden. 

„Ich werde den Aufsichtsrat zeitnah zu einer Sondersitzung einladen, in der der Vorstand über den Sachstand berichten und erste Gedanken zur Implementierung des neuen Leitbildes vortragen soll. Es muss alle Bereiche umfassen und Patientinnen und Patienten in gleicher Weise schützen wie Mitarbeitende.“ In einer nächsten Sitzung – so Henrik Eitel – werde dann vom Vorstand die Vorlage eines ausgearbeiteten Konzeptes erwartet. Dieses soll die Evaluierung bestehender Schutzkonzepte ebenso einschließen wie die Etablierung einer neuen unabhängigen (Ombuds-)Stelle an die sich Betroffene unbürokratisch wenden können. Für heute hat die Staatskanzlei den Vorstand des UKS und den Leiter der HNO-Klinik eingeladen, um die aktuelle Sachlage zu erörtern.

Der SPD-Obmanns im Untersuchungsausschuss „Verdachtsfälle Missbrauch“ Jürgen Renner äußerte unterdessen heftige Kritik nach den neuen bekannt gewordenen Verdachtsfällen von Missbrauch an der HNO-Klinik des UKS: „Die Fassungslosigkeit nimmt kein Ende. Allen Beteuerungen der Verantwortlichen, es handele sich hier nicht um Vertuschung, kann ich keinen Glauben schenken. Die neuen Verdachtsfälle auf mögliche Missbrauchsfälle in der HNO-Klinik des UKS bestätigen mich in der Auffassung, dass der Auftrag des Untersuchungsausschusses „Verdachtsfälle Missbrauch“ schnellstmöglich erweitert werden muss. Damit wird sich der Untersuchungsausschuss in der nächsten Woche befassen. Ziel ist es, dass das Plenum noch in der Dezembersitzung den Untersuchungsgegenstand erweitert.“

Dennis Lander, Landtagsabgeordneter der LINKE, fordert dagegen personelle Konsequenzen: „Offensichtlich war die Abberufung von Jürgen Lennartz als Chef der saarländischen Staatskanzlei für Ministerpräsident Tobias Hans auch ein Rettungsversuch im Skandal um den Umgang mit Missbrauch am Uniklinikum Homburg“, erklärt Dennis Lander, rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Saarländischen Landtag und stellvertretender Vorsitzender des Untersuchungsausschusses. 

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