Der Bahnhof Lautzkirchen gilt fortan als Vorbild für ländliche Mobilität. Im Bundeswettbewerb „Anschlüsse gestalten. Mobil in ländlichen Räumen“ hat sich das gemeinsame Projekt des Saarpfalz-Kreises und der Stadt Blieskastel gegen zahlreiche Mitbewerber durchgesetzt. Prämiert wurde die „Aufwertung des Bahnhofs Lautzkirchen als Knotenpunkt des ländlichen Raums“ – und damit ein Konzept, das den Umstieg zwischen Fahrrad, Bus und Bahn neu denkt.
Im Kern geht es darum, Lücken zu schließen, die den Alltag vieler Pendler bislang erschwerten. Die Ortsteile im Bickenalbtal hatten keine direkte Anbindung an die Schiene, und wer mit dem Rad zum Bahnhof fuhr, suchte sichere Abstellplätze oft vergeblich. Genau hier setzt das abgestimmte Maßnahmenpaket an, das Kreis und Stadt mit Unterstützung der Deutschen Bahn umgesetzt haben.
Herzstück ist der On-Demand-Verkehr „Bliesgau Flitsaar“. Über eine App gelangen auch Bewohner entlegener Ortsteile verlässlich zum nächsten Zug. Wer eine Ankunftszeit vorgibt, wird pünktlich am Bahnhof abgesetzt; hinterlegte Taktfahrten zu Stoßzeiten sichern die Anschlüsse an die Strecke Saarbrücken–Pirmasens. Ergänzend wurde der Radverkehr gestärkt: Ein Abschnitt der Florianstraße dient nun als sichere Zuwegung zur Fahrradstraße, dazu kamen moderne Fahrradboxen und überdachte Abstellanlagen, in denen auch hochwertige E-Bikes diebstahlsicher Platz finden.

Durch den barrierefreien Ausbau, optimierte Bustakte bei der RegioBus-Linie R14 und dem Dolmusch-Stadtverkehr sowie die Verknüpfung mit dem Biosphärenbus 501, dem Fernwanderweg „Bliessteig“ und der örtlichen Nahversorgung ist der Bahnhof zu einem echten Drehkreuz geworden – einem „Tor zur Biosphäre“, wie es im Projekt heißt.
„Die Auszeichnung bestätigt unseren Weg, den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum nicht isoliert, sondern als lückenlose Reisekette zu denken“, sagt Landrat Frank John. Mit der Kombination aus flexiblem „Flitsaar“, sicherer Radinfrastruktur und abgestimmten Bustakten sei Lautzkirchen „zu einer modernen Drehscheibe“ geworden, die den Alltag der Bürgerinnen und Bürger erleichtere und den Umstieg auf den Umweltverbund attraktiver mache.
Das Projekt gehört zu den 20 Gewinnern des bundesweiten Wettbewerbs und erhält ein Preisgeld von 5000 Euro. Sabine Poschmann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, betonte, Menschen auf dem Land dürften ohne eigenes Auto nicht abgehängt werden – gute Mobilität bedeute Teilhabe. Dr. Peter Jakubowski vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung brachte es auf den Punkt: Ein guter Bahnanschluss helfe wenig, wenn man die letzten Kilometer nicht weiterkomme. Genau hier setzten die prämierten Projekte an.
Vorgestellt werden alle Gewinner auf Mobilikon, dem Online-Nachschlagewerk für kommunale Mobilität. Dort bündelt das Bundesinstitut Praxisbeispiele, die Kommunen bei der Suche nach passenden Lösungen unterstützen sollen. Der Wettbewerb lief im Rahmen des Bundesprogramms „Region gestalten“, mit dem der Bund neue Ansätze für die Entwicklung ländlicher Räume erprobt und die gewonnenen Erkenntnisse für andere Regionen nutzbar macht.



















