Foto: Madline Gund

Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy sind längst ein Massenphänomen – und könnten unerwartete Folgen für die Zahngesundheit haben. Genau dieser Frage widmet sich ein Forschungsprojekt des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg, das nun mit der höchsten diesjährigen Förderung der internationalen Eklund Foundation bedacht wurde. Mit 120.000 Euro fließt der Löwenanteil eines Fördertopfes von insgesamt 242.000 Euro, den die Stiftung am 1. Oktober an weltweit drei universitäre Projekte vergeben hat, an die Homburger Zahnmediziner.

Angesiedelt ist das Vorhaben an der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Hannig. Beantragt wurde es von Oberärztin PD Dr. Madline Gund, die sich mit den Auswirkungen sogenannter GLP-1-Rezeptor-Agonisten auf Mund und Zähne befasst. Diese Wirkstoffe stecken in Medikamenten wie Ozempic, Wegovy, Mounjaro oder Zepbound, die zur Gewichtsreduktion und gegen Typ-2-Diabetes eingesetzt werden.

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Die Dringlichkeit des Themas ergibt sich aus schieren Zahlen. Allein in den USA könnte die Zahl der Behandelten bis 2030 auf 30 Millionen steigen, und auch in Deutschland rechnen Fachleute mit einer stark wachsenden Nachfrage. Parallel dazu häufen sich in der Fachpresse Berichte über ein Phänomen, das inzwischen unter dem Schlagwort „Ozempic-Zahn“ kursiert: Mundtrockenheit, Erosionen am Zahnschmelz und eine rasch fortschreitende Karies.

Foto: Matthias Hannig

Dass es sich dabei nicht nur um ein mediales Thema handelt, bestätigt Gund aus eigener Erfahrung. „Auch in unserer Klinik haben wir diese Zahnprobleme bereits bei Patientinnen und Patienten unter Therapie mit GLP-1-Rezeptor-Agonisten beobachtet“, berichtet die Oberärztin. Als mögliche Ursachen nennt sie indirekte Folgen der Behandlung – Dehydrierung, unterdrückter Appetit und daraus entstehende Nährstoffmängel etwa an Kalzium oder Vitamin D sowie die Einwirkung von Magensäure. Ziel sei es, diese Zusammenhänge systematisch zu dokumentieren und ihre Ursachen zu erforschen.

Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, sollen Patienten über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet werden. Als Supervisor fungiert Prof. Dr. Matthias Hannig, Nebenantragstellerin ist Dr. Daniella Pilon Muknickas. Eng eingebunden ist zudem die UKS-Klinik für Gastroenterologie mit Direktor Prof. Dr. Jörn Schattenberg und Funktionsoberärztin Dr. Silva Yusefpur.

Die Jury der Stiftung lobte vor allem die gesundheitspolitische Relevanz. Bislang gebe es keine systematischen Untersuchungen zu den Auswirkungen dieser Medikamente auf Zähne und Mundschleimhaut, obwohl eine große Patientengruppe betroffen sein könnte. Das fundierte Studiendesign könne künftigen Behandlungsleitlinien als Grundlage dienen. Auch Joel Eklund, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, betonte, jedes geförderte Projekt widme sich einer klinischen Frage mit dem Potenzial, die Patientenversorgung zu verbessern.

Hinter der Eklund Foundation steht die schwedische Unternehmerfamilie Eklund, Eigentümerin des Mundhygiene-Herstellers TePe. Seit 2016 vergibt die Stiftung jährlich Fördermittel von bis zu 275.000 Euro zur Unterstützung zahnmedizinischer Forschung weltweit.

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