Für den 20-jährigen Marcel aus Oberauerbach bedeutet ein neuer Außen-Hublift weit mehr als nur den Weg in sein Zimmer. Er steht für zurückgewonnene Selbstständigkeit. Finanziert wurde die Anlage im Wert von 24.643 Euro vollständig vom gemeinnützigen Blieskasteler Schutzengelverein, nachdem die Familie an ihre finanziellen Grenzen gestoßen war.
Begonnen hatte Marcels Leidensweg vor zwei Jahren. Damals 18 Jahre alt, verlor der junge Mann nachts das Gefühl in seinen Beinen, kämpfte mit Atemproblemen und Sehstörungen. In der Uniklinik Homburg musste er beatmet werden und rang um sein Leben. Nach drei Wochen im künstlichen Koma erwachte er mit gelähmten Beinen. Die Ursache: Eine übergangene Lungenentzündung hatte gefährliche Erreger in seinen Körper gelangen lassen, die sich in Lunge, Rückenmark und Gehirn festsetzten. Seither sitzt Marcel im Rollstuhl und arbeitet sich Schritt für Schritt zurück ins Leben.
Um seinem Sohn den Alltag zu erleichtern, krempelte Marcels Vater das Wohnhaus in Eigenregie um. Ein behindertengerechtes Bad entstand, Türen wurden verbreitert, das Haus barrierefrei gemacht. Nur eines ließ sich nicht lösen: der Weg ins Jugendzimmer im Obergeschoss. Das Treppenhaus war schlicht zu eng für einen Podestlift. Was fehlte, war ein Außen-Hublift, der für Marcels Beweglichkeit und sein Selbstwertgefühl von zentraler Bedeutung war.

Doch die Rücklagen der Familie waren längst in die bisherigen Umbauten geflossen, und der Zuschuss der Krankenkasse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen war bereits ausgeschöpft. In dieser Lage wandte sich die Familie an die Blieskasteler Schutzengel. Der Verein entschied rasch und unbürokratisch, die kompletten Kosten zu übernehmen. Gebaut und installiert wurde die Anlage von der ATC Lift GmbH aus St. Ingbert.
Heute fährt Marcel mit dem Rollstuhl mühelos in den ersten Stock und bestimmt selbst, wann er die Etage wechselt. Der erste Vorsitzende Klaus Port überzeugte sich bei einem Besuch am 20. Oktober 2026 persönlich von dieser neuen Freiheit. „Wir freuen uns mit Marcel und seiner sympathischen Familie, dass wir in einer schwierigen Lebenssituation nachhaltig helfen und einen Herzenswunsch erfüllen konnten“, sagte Port. Die Anlage bedeute nicht nur mehr Mobilität, sondern auch eine spürbare Steigerung von Lebensqualität und Selbstwertgefühl.
Fälle wie der von Marcel gehören zum Kern der Vereinsarbeit. Die Schutzengel springen dort ein, wo Krankenkassen, Sozialämter oder das Landesamt für Soziales ihre Unterstützung verweigern. Das reiche von Treppen- und Podestliften über behindertengerechte Fahrzeuge bis hin zu Übernachtungs- und Fahrtkosten für Eltern, deren Kinder in weit entfernten Kliniken behandelt werden. Auch spezielle Therapiegeräte oder die Ausbildung von Assistenzhunden stünden oft auf der Liste.
Die Bilanz kann sich sehen lassen: Seit der Gründung unterstützte der Verein nach eigenen Angaben mehr als 850 Familien im Saarland und in Teilen von Rheinland-Pfalz mit Projekten im Gesamtvolumen von über drei Millionen Euro. Allein in den vergangenen drei Jahren kamen 233 Familien und mehr als eine Million Euro hinzu. Bis Mitte Oktober 2026 wurden 65 Familien mit insgesamt 328.807 Euro gefördert.
Getragen wird all das von Spenden privater Initiativen, von Firmen, Vereinen und engagierten Einzelpersonen. Port und sein Vorstandsteam mit Hubert Schewes, Peter Geble und Michael Port betonen, dass ihr Hilfeversprechen keine leere Worthülse sei. „Jeder Cent ist eine wertvolle Unterstützung für diejenigen, die unserer Hilfe so dringend bedürfen“, so Port. Spenden nimmt der Verein über das Konto bei der Bank 1 Saar eG entgegen, IBAN DE06 5919 0000 1304 0760 00.


















