„Da wurde mir erst einmal bewusst, mit welchen Schwierigkeiten die Flüchtlinge in ihrem Alltag zu kämpfen haben“, fasst Marianne Bullacher ihre Reaktion zusammen, als die ehrenamtliche Deutschlehrerin Dagmar Sauer sie fragte, ob sie sie bei einer Stunde „Saarlännisch für Anfänger“ unterstützen könne. 

Spontan ließ sich Bullacher für die Idee begeistern, die ursprünglich von Basheer, einem jungen Bauingenieur aus Syrien, stammte. Er besucht derzeit eine berufsvorbereitende Maßnahme speziell für Ingenieure, zu der auch ein mehrmonatiges Praktikum gehört. „Im direkten Kontakt im Büro spricht mein Kollege Hochdeutsch mit mir. Aber untereinander sprechen die Kollegen Saarländisch. Und wenn ich auf die Baustelle komme, wird es ganz besonders lustig. Saarländisch mit italienischem oder polnischem Akzent! Da habe ich dann gar keine Chance mehr“, weiß er zu berichten. 

Daher ging die Deutschlehrerin, die seit zweieinhalb Jahren für den Verein „Homburger Wollen Helfen“ aktiv ist, gern auf seinen Vorschlag ein. Der Zeitpunkt war ideal, denn zum einen bot sich der Nikolausabend für ein nicht ganz so ernstes Thema an, zum anderen hatten zwei der regelmäßigen Teilnehmer genau an diesem Tag eine schwierige Deutschprüfung hinter sich gebracht, für die viel geübt worden war. Eine kleine Abwechslung schien daher willkommen. 

Ein kleines Problem bestand nur darin, dass Frau Sauer ja selbst erst seit gut sieben Jahren im Saarland lebt. „Als Badnerin, die mit Dialekt aufgewachsen ist, verstehe ich Saarländisch zwar sehr gut, doch wirklich sprechen kann ich es nicht. Aber ich dachte mir, dass sich Frau Bullacher bei dieser Gelegenheit auch hautnah ein Bild davon machen kann, wie es mit Integration in Homburg momentan läuft. Denn dieses Thema wird ja auch immer wieder im Stadtrat diskutiert.“

Und so erzählten die Teilnehmer, die sich an diesem Abend wie gewohnt im Mannlich-Gymnasium eingefunden hatten, zunächst einmal, welche Erfahrungen sie bislang mit dem Platt gesammelt haben. Mouaz hat vor allem im Fitnessstudio damit zu tun. Aber tiefergehende Kontakte hätten sich dort bisher noch nicht ergeben, bedauert er. Doch vielleicht wird er jetzt, wo er eine Ausbildung beginnt wird, noch gern an die Saarländisch-Lektion dieses Abends zurückdenken. Die Freude darüber, dass er just an diesem Tag seinen Vertrag unterschrieben hat, stand ihm noch ins Gesicht geschrieben. 

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