Rund 155.000 Euro stellt das saarländische Wirtschaftsministerium bereit, um bei der Handwerkskammer des Saarlandes eine Beratungs- und Servicestelle für zirkuläres Bauen aufzubauen. Den entsprechenden Zuwendungsbescheid übergab Staatssekretärin Elena Yorgova-Ramanauskas am Mittwoch im U64:connect in Saarbrücken – und machte damit deutlich, dass das Land die Kreislaufwirtschaft im Bausektor als strategisches Zukunftsfeld betrachtet.
Konkret fließt das Geld in das Projekt „Innovationsnetzwerk für zirkuläres Bauen und Wirtschaften mit Beratungs- und Servicestelle“. Es richtet sich vor allem an kleine und mittlere Handwerksbetriebe, die bislang wenig Berührungspunkte mit zirkulären Bau- und Rückbaupraktiken hatten. Geplant ist eine zentrale Anlaufstelle, die praxisnahe Beratung, Schulungen und Vernetzungsformate unter einem Dach vereint – niedrigschwellig und branchenübergreifend.
Die Staatssekretärin unterstrich bei der Übergabe, welche wirtschaftliche Dynamik sie sich von dem Vorhaben erhofft: „Zirkuläres und nachhaltiges Bauen und Wirtschaften ist ein Megatrend, der auch im Saarland Innovationen vorantreiben und neue Geschäftsfelder eröffnen kann. Wichtig ist es dabei, die Fachkräfte von morgen hierfür schon heute fit zu machen.“ Das Projekt setze gezielt auf Informations- sowie Aus- und Weiterbildungsangebote und lege damit eine wichtige Grundlage, um Fachkräfte künftig für den zirkulären Bau- und Rückbau zu qualifizieren.
Auch auf Seiten der Handwerkskammer wird das Förderprojekt als Weichenstellung verstanden. Hans-Ulrich Thalhofer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer, ordnete die Bedeutung ein: „Zirkuläres Bauen und Wirtschaften stärkt das saarländische Handwerk, weil es regionale Wertschöpfung fördert, neue Geschäftsmodelle eröffnet und Betriebe fit für die Anforderungen von Ressourcenschonung, Klimaschutz und Bauen im Bestand macht.“ Er bezeichnete das Vorhaben als wesentlichen Beitrag für mehr Resilienz am Wirtschaftsstandort Saarland.
Hinter dem Schlagwort zirkuläres Bauen verbirgt sich ein Prinzip, das weit über klassisches Recycling hinausgeht. Baustoffe sollen von Anfang an so geplant und eingesetzt werden, dass sie am Ende ihrer Nutzungsdauer möglichst vollständig wiederverwendet oder in den Materialkreislauf zurückgeführt werden können. Für Handwerksbetriebe bedeutet das veränderte Arbeitsabläufe, neues Fachwissen und nicht zuletzt die Chance auf zusätzliche Aufträge – etwa beim selektiven Rückbau oder bei der Aufbereitung gebrauchter Materialien.
Mit der neuen Servicestelle will das Saarland genau an dieser Schnittstelle ansetzen. Statt einzelne Betriebe mit Förderbescheiden zu bedenken, entsteht eine Infrastruktur, die dauerhaft Wissen bündelt und weitergibt. Ob sich daraus tatsächlich ein flächendeckender Wandel im regionalen Baugewerbe entwickelt, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie viele Betriebe das Angebot annehmen und in ihren Arbeitsalltag integrieren.





















