Im Saarland startet ein Modellprojekt, das die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit künstlichen Knie- und Hüftgelenken auf ein neues Niveau heben soll. Seit dem 1. Juni 2026 läuft am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg der erste Qualitätsvertrag Endoprothetik der Region – ein gemeinsames Vorhaben von IKK Südwest, AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, dem BKK Landesverband Bayern und der Klinik selbst.
Wer ein neues Knie- oder Hüftgelenk benötigt und bei einer der beteiligten Kassen versichert ist, erhält künftig eine Behandlung, die über das übliche Maß hinausgeht. Die Ergebnisse werden anschließend mit denen einer Vergleichsgruppe abgeglichen, deren Mitglieder in den vorangegangenen sechs Monaten regulär operiert wurden. So lässt sich wissenschaftlich überprüfen, ob der erweiterte Ansatz tatsächlich bessere Resultate bringt.
Für Prof. Dr. Jörg Loth, Vorstandsvorsitzender der federführenden IKK Südwest, steht der Nutzen für die Versicherten an erster Stelle. „Mit dem Qualitätsvertrag schaffen wir die Möglichkeit, neue Versorgungswege zu erproben, ihre Wirksamkeit wissenschaftlich zu belegen und erfolgreiche Ansätze langfristig in die Regelversorgung zu überführen, sodass möglichst viele Patientinnen und Patienten langfristig profitieren können“, sagt er. Das Projekt sei wichtige Pionierarbeit für eine moderne, qualitätsorientierte Gesundheitsversorgung im Saarland.
Dr. Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, betont den konkreten Mehrwert für die Betroffenen. Eine höhere Ergebnisqualität gehe mit weniger Komplikationen, einer schnelleren Mobilisation und früherer Schmerzfreiheit einher. Über den drittbeteiligten BKK Landesverband Bayern sind bundesweit 24 Betriebskrankenkassen dem Vertrag beigetreten.

Das Konzept der Qualitätsverträge geht auf den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zurück, der dafür acht stationäre Leistungsbereiche definiert hat. Die Endoprothetik – also der Ersatz beschädigter Gelenke durch künstliche – ist einer davon. Kassen und Kliniken können entsprechende Verträge abschließen, um eine Versorgung oberhalb des Standards anzubieten und mit der regulären Behandlung zu vergleichen.
Wie der erweiterte Ansatz am UKS aussieht, hat der Orthopäde und Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan Landgraeber mit seinem Team entwickelt. Ein zentraler Baustein ist die sogenannte Prähabilitation, also die gezielte Vorbereitung auf den Eingriff. Wer gut vorbereitet ist, genest nachweislich schneller. Neu hinzu kommt eine spezielle App, die Landgraeber als „vollwertigen Digitalen Coach“ beschreibt.
Die KI-gestützte Anwendung leitet ein individuell zugeschnittenes Übungsprogramm an, kontrolliert, ob die Bewegungen korrekt ausgeführt werden, und gibt bei Fehlern Korrekturhinweise. Nach der Operation läuft die Betreuung in gleicher Form weiter und ermöglicht eine angepasste Rehabilitation. Ergänzt wird das digitale Training durch eine intensive physiotherapeutische Begleitung, die in Zusammenarbeit mit der klinikeigenen Physiotherapie, der Schule für Physiotherapie und dem neuen Studiengang entstanden ist.
Auch ernährungsspezifische Faktoren wie Vitamin- und Eiweißspiegel werden optimiert, um Komplikationen zu vermeiden. „Wir bieten allen unseren Patientinnen und Patienten bereits einen sehr hohen Versorgungsstandard, mit dem Qualitätsvertrag möchten wir diesen nochmals erhöhen“, so Landgraeber.
Die Beteiligten sehen in dem Vertrag erst den Anfang. Weitere Kooperationen mit anderen Schwerpunkten wurden bereits geschlossen, zusätzliche sollen folgen. Interessierte Versicherte der beteiligten Kassen erhalten nähere Auskünfte direkt über die Klinik, per E-Mail an das Orthopädie-Sekretariat oder telefonisch unter 0 68 41 / 16 – 2 45 20.



















