Anne Lamar, Leslie Horak-Mathieu und Andreas Sauder (v.l.n.r.) von der Landesfachstelle Demenz stellten ihre Arbeit auf dem Christian-Weber-Platz vor. Bild: Bill Titze

Rund 23.000 Demenzerkrankte leben derzeit im Saarland – Tendenz steigend. Die Krankheit ist also eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Um diese Erkenntnis stärker im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, fand auf dem Homburger Christian-Weber-Platz nun eine große Informationsveranstaltung mit vielen verschiedenen Akteuren statt. Dabei wurde vor allem Eines deutlich: Es gibt viel zu tun.

„Das Thema Demenz ist immer noch mit Scham behaftet, die Leute trauen sich oft gar nicht zu fragen“, sagt Horst Schneider. Wenn es einer wissen muss, ist es wohl Schneider, denn er ist Vorsitzender des gerontopsychiatrischen Netzwerks Demenz, das sich im Saarpfalz-Kreis um die Belange Demenzerkrankter kümmert und aus rund 50 verschiedenen Kooperationspartnern besteht. „Deswegen geht es heute darum, Akzeptanz zu schaffen und bei den Menschen eine Hürde zu nehmen.“

Tatsächlich nehmen einige Leute an einem Stadtrundgang teil, einem sogenannten Memory Walk, der die Passanten auf das Thema Demenz aufmerksam machen soll. Außerdem bleiben nicht wenige Menschen stehen und informieren sich an den insgesamt 11 Infoständen auf dem Christian-Weber-Platz über die Angebote, die es in unserer Region zum Thema gibt.

Darunter beispielsweise der Pflegestützpunkt Saarpfalz-Kreis, vertreten von Susanne Fehrenz. „Wir beraten rund um die Pflegeversicherung, zum Beispiel über die Leistungen, die in Anspruch genommen werden können“, erklärt sie. Dabei stellten Demenzerkrankte bei ihrer Arbeit einen großen Anteil dar. Während sie in Homburg deren Versorgung als durchaus gut empfindet, gibt es auf dem Land ihrer Meinung nach Handlungsbedarf. „Da hapert es noch ein bisschen, was die Betreuung angeht.“

Auch der Bundestagsabgeordnete Markus Uhl und Bürgermeister Michael Forster waren gekommen, um sich beim Vorsitzenden des Gerontopsychiatrischen Netzwerks Demenz Horst Schneider und Andreas Sauder von der Landesfachstelle Demenz über das Thema zu informieren (v.l.n.r.). Bild: Bill Titze

Das erscheint umso schwerwiegender, wenn man bedenkt, dass die Demenz eine noch größere gesellschaftliche Rolle spielen wird, wie Andreas Sauder von der Landesfachstelle Demenz unterstreicht. „Die besondere Herausforderung sind die steigenden Zahlen. Daher brauchen wir Strukturen, die es ermöglichen, dass Betroffene zu Hause gepflegt werden können.“ Dies sei derzeit bei rund 80% im Saarland der Fall. „Wenn die alle in Pflegeheime wollten, wäre das unbezahlbar.“

Umso wichtiger erscheinen Veranstaltungen wie diese, die die Menschen auf das Thema aufmerksam machen. Ohnehin sieht Bürgermeister Michael Forster Homburg beim Thema Demenz recht gut aufgestellt. „Wir sind froh, dass wir hier viele soziale Projekte haben, die diesbezüglich sehr rege sind. Herr Schneider vom gerontopsychiatrischen Netzwerk ist da einer, der im saarlandweiten Vergleich mit am meisten macht.“ Dennoch sieht auch Forster gesamtgesellschaftlich noch einiges zu tun, so zum Beispiel bei der Anzahl der Pflegeplätze, aber auch was die Unterstützungsleistungen anbelangt. „Hier gibt es noch Luft nach oben.“

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