Der Strukturwandel im Saarland bleibt ein Balanceakt zwischen Hoffnung und Herausforderung. Das zeigt der neue Strukturwandel-Report Saarland 2025, den die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag der Staatskanzlei erstellt hat. Die repräsentative Befragung von 1.000 Saarländerinnen und Saarländern zeichnet ein differenziertes Bild: Während der Zukunftsoptimismus deutlich zunimmt, überwiegt bei vielen noch die Sorge, dass der Wandel nicht schnell oder planvoll genug voranschreitet.
Nach den Ergebnissen der Studie glauben 67 Prozent der Befragten, dass das Saarland den Strukturwandel erfolgreich bewältigen wird – ein deutlicher Zuwachs gegenüber 2024 (58 Prozent). Auch das Vertrauen in die Demokratie ist gestiegen: 54 Prozent äußern sich zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland, sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger wertet die Entwicklung als ermutigendes Signal: „Die Saarländerinnen und Saarländer haben ein realistisches Bild vom Strukturwandel – sie blicken aber zugleich mit Zuversicht nach vorn. Dieses Vertrauen ist für uns Bestätigung und Verpflichtung zugleich.“
Doch die Ergebnisse zeigen auch Schattenseiten. Drei Viertel der Befragten beschreiben die aktuelle Situation im Strukturwandel als „weniger gut“ oder „schlecht“, 30 Prozent sogar als „schlecht“. Und zwei Drittel halten den Wandel bislang für „nicht erfolgreich“ oder „chaotisch“. Damit bleibt das Misstrauen gegenüber der praktischen Umsetzung groß. Studienleiter Prof. Dr. Felix Hörisch erklärt dazu: „Die Saarländerinnen und Saarländer erkennen die Notwendigkeit des Wandels, aber sie erwarten auch mehr Struktur, Transparenz und Tempo. Es überwiegt eine konstruktive Skepsis.“
Positiv bewerten die Bürgerinnen und Bürger hingegen die Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung. 61 Prozentglauben, dass das Saarland auch in Zukunft Industrieland bleibt, und 58 Prozent sehen das Land beim Ausbau von Zukunftsbranchen wie Digitalisierung, Handwerk, Cybersicherheit und erneuerbaren Energien auf dem richtigen Weg. Die Wasserstofftechnologie genießt mit 74 Prozent Zustimmung weiterhin hohe Akzeptanz. Gleichzeitig befürworten 86 Prozent eine stärkere Förderung des Mittelstands – ein klares Signal für wirtschaftliche Vielfalt und regionale Verwurzelung.
Auffällig ist zudem der gestiegene Anteil der Menschen, die sich im Wandelprozess „gehört und beteiligt“ fühlen – von 29 auf 39 Prozent. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede: Bürgerinnen und Bürger mit höherem Einkommen und Bildungsgrad fühlen sich deutlich stärker eingebunden als Menschen aus ländlichen Regionen oder mit geringeren Einkommen. Diese soziale Spaltung zieht sich auch durch andere Fragen – etwa die Wahrnehmung von Chancen im Wandel.
Zur Studie: Strukturwandelreport 25 (Klick mich)
In der Gesamtschau entsteht ein gemischtes, aber keineswegs pessimistisches Bild: Der Strukturwandel im Saarland ist längst akzeptiert, aber noch nicht als Erfolg empfunden. Zwischen Realismus und Aufbruchstimmung wächst langsam das Vertrauen in die eigene Stärke. Die Ergebnisse bestätigen damit, dass Fortschritt nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine kommunikative Aufgabe bleibt – zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.




















