Friederike Butscher von der Uni München, Alexandra Ziegeldorf von der Uni Leipzig sowie die Verantwortliche des Kreises, Eva Schwerdtfeger, stellten in der Jugendherberge Homburg erste Ergebnisse der Studie vor. Bild: Bill Titze.

Immer mehr Kinder sind während der Corona-Pandemie dicker geworden, oft liegt es am ungesunden Cocktail zwischen zu wenig Bewegung und schlechter Ernährung. Ein Forschungsprojekt hat nun unter anderen an saarpfälzischen Grundschulen untersucht, wie man präventiv handeln kann. Bei einem Netzwerkgespräch zwischen den beteiligten Akteuren wurden nun erste Ergebnisse vorgestellt.

Wie kann man Adipositas bei Kinder langfristig vorbeugen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „Familie+ Zusammen gesund leben in Familie und Schule“, das Grundschüler und ihre Familien in diesem Schuljahr über mehrere Wochen begleitete. Beteiligt waren Schulen aus dem Landkreis Oberhavel in Brandenburg, der Stadt Leipzig – und dem Saarpfalz-Kreis. Insgesamt 17 Klassen aus der Erbacher Langenäcker-Schule sowie der Grundschulen in Bruchhof und Bexbach nahmen an der Studie teil.

Nun gibt es mit Sicherheit einige Studien, die Präventionsstrategien zu Adipositas zum Thema haben. Der Clou bei der Untersuchung im Saarpfalz-Kreis war jedoch, dass nicht nur die Schulen begleitet wurden, sondern auch die Familien selbst. Immerhin 37 durchgängige Rückmeldungen aus den Familien gab es, wie Wissenschaftlerin Alexandra Ziegeldorf von der beteiligten Universität Leipzig bei einem Netzwerktreffen der beteiligten Projektpartner erklärte. „Wir wollten eben genau wissen, was in den Familien passiert und dafür sind diese 37 Rückmeldungen mit Sicherheit ein guter Ansatzpunkt.“

Konkret wurden bei dem Projekt in den jeweiligen Klassen ein Maßnahmenordner ausgeteilt, in dem Ideen zu den vier Themenbereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf und Sitzen formuliert waren. Das ging von Bewegungsspielen über ein gesundes Quartett bis zu dem Vorschlag einen Ruheraum einzurichten. In den Klassen konnte nun eifrig ausprobiert werden. Wurden Maßnahmen umgesetzt, gab’s weitere passende Tipps für die Eltern, wie das Ganze zu Hause noch weiter vertieft werden könnte. „Die Schule und das Zuhause sind die beiden Orte, wo viele Verhaltensweisen von früh an geprägt werden“, schilderte Forscherin Friederike Butscher von der Ludwigs-Maximilians-Universität in München, wieso gerade diese beiden Bereiche ausgewählt wurden.

Erstaunlich fand Butscher, dass nach dem Thema Ernährung vor allem die Rubrik Schlafen besonders oft gewählt wurde. „Das hat mich schon überrascht, aber es hat sich herausgestellt, dass das Thema Adipositas den ganzen Lebensstil betrifft, also auch den Schlaf.“ Natürlich nahmen bei weitem nicht alle Familien der rund 350 beteiligten Kinder an der Studie teil. Und von denen, die regelmäßig Rückmeldung gaben, führten viele an, schlicht zu wenig Zeit für die Aufgaben zu haben, wie Alexandra Ziegeldorf verriet. „Erschwerend kam natürlich noch Home-Schooling und Corona dazu.“

Doch insgesamt sei das Engagement gerade der Lehrer sehr groß gewesen, sagt Butscher. Und auch die Kinder bekamen ein dickes Lob von der für das Projekt zuständigen Vertreterin des Kreises, Eva Schwerdtfeger. „Wir hatten die Gelegenheit, einige Klassen zu besuchen und wir waren wirklich beeindruckt davon, wie viel die Kinder nun wissen.“ Jetzt hoffe man, dass die Schüler die Informationen und Handlungsanweisung auch in Zukunft in ihrem Alltag berücksichtigen. „Ansonsten wird das Ganze natürlich nicht weit tragen.“

Für Landrat Theophil Gallo ist das Projekt ein gelungener Ansatz, wie er bei seiner Begrüßung in der Homburger Jugendherberge verdeutlichte. „Die Kinder sind den Verlockungen der Werbung oftmals hilflos ausgeliefert und deshalb müssen wir unserer Verantwortung gerecht werden und sie anleiten.“ Wie gut das geklappt hat, wird man in den kommenden Wochen und Monaten sehen, wenn die Ergebnisse final ausgewertet werden.

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