Rund 137.000 Euro fließen in die Regionalvermarktung des Biosphärenreservats Bliesgau – Geld, das dringend gebraucht wird. Denn die Krisenjahre seit der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und eine anhaltende Kaufzurückhaltung haben bei regionalen Erzeugern deutliche Spuren hinterlassen. Umweltstaatssekretär Sebastian Thul überreichte Ende April dem Biosphärenzweckverband Bliesgau den entsprechenden Förderbescheid. „Auch für das Umweltministerium sind die nachhaltigen und wirtschaftlichen Aspekte regional erzeugter Produkte von großer Bedeutung. Die Regionalvermarktung leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raums nicht nur in der Biosphäre Bliesgau, sondern im ganzen Saarland“, betonte Thul bei der symbolischen Scheckübergabe im Saarbrücker Schloss.
Die Fördersumme von exakt 137.267,42 Euro speist sich aus dem EU-Programm LEADER. 80 Prozent stammen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes, die restlichen 20 Prozent trägt das saarländische Umweltministerium. Konkret finanziert das Geld zwei Bausteine: ein professionelles Marketingkonzept, das gemeinsam mit der Saarbrücker Agentur Statement erarbeitet wurde, sowie eine befristete Personalstelle, die sich ausschließlich um die Koordination der Regionalvermarktung kümmert.
Dass der Förderbescheid ausgerechnet im Saarbrücker Schloss den Besitzer wechselte, war kein Zufall. In der dortigen Tourist-Info steht eines der sogenannten Bliesgau-Regale, die als Schaufenster für Produkte aus der Region dienen. Neue Werbemittel wie Regalstopper sollen künftig dafür sorgen, dass Kundinnen und Kunden diese Erzeugnisse noch besser wahrnehmen. Dr. Carolin Lehberger, Direktorin des Regionalverbandes Saarbrücken, verwies darauf, dass Gäste in der Tourist-Info neben Informationsmaterial zu touristischen Zielen längst auch regionale Produkte als Mitbringsel kaufen könnten. Verbandsvorsteher Landrat Frank John ergänzte: „Es ist erfreulich zu sehen, dass Besucherinnen und Besucher unsere Region nicht nur kennenlernen wollen, sondern auch die regionalen Produkte schätzen und mit nach Hause nehmen.“
Herzstück des Projekts ist die neue Koordinierungsstelle. Seit November 2025 arbeitet Markus Strauß als Projektmitarbeiter in der Geschäftsstelle des Biosphärenzweckverbandes. Seine Aufgabe: den Austausch zwischen den Betrieben des Vereins Bliesgau Genuss, der Logistik des CJD Homburg/Saar und den verschiedenen Verkaufsstellen zu organisieren und voranzutreiben. Geschäftsführer Dr. Gerhard Mörsch zog bereits eine positive Zwischenbilanz. Strauß habe drei neue Verkaufsstellen für regionale Produkte gewonnen und die Sichtbarkeit der Erzeugnisse mit den frisch entwickelten Werbemitteln merklich gesteigert. Weitere Aktionen in Gastronomie und Einzelhandel seien in Planung.
Der Hintergrund des Projekts reicht über den Bliesgau hinaus. Die wirtschaftlichen Verwerfungen der vergangenen Jahre – Pandemie, Energiekrise, Inflation – haben vielerorts dazu geführt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf sparen. Regionale Produkte, die häufig etwas teurer sind als industrielle Massenware, traf diese Zurückhaltung besonders hart. Die Umsätze brachen ein, Erzeuger gerieten unter Druck. Genau hier setzt die Förderung an: Durch gezielte Kommunikation und eine professionelle Vermarktungsstrategie soll das Bewusstsein für die Qualität und den Mehrwert heimischer Lebensmittel wieder geschärft werden.
Kurze Lieferwege, geringere Emissionen und eine gestärkte Wertschöpfung vor Ort – das sind die Argumente, mit denen die Verantwortlichen für den Kauf regionaler Produkte werben. Die Bliesgau-Regale gelten seit ihrer Einführung als Vorzeigemodell für gelungene Regionalvermarktung im Saarland. Mit dem frischen Fördergeld und einer eigenen Personalstelle soll dieses Modell nun auf eine breitere Basis gestellt werden. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – die ersten Ergebnisse stimmen die Beteiligten jedenfalls zuversichtlich.




















