Die Saison ist für den FC 08 Homburg seit dem vergangenen Samstag vorbei, die Bilanz durchwachsen. Die Grün-Weißen haben die Regionalliga Südwest auf Tabellenplatz vier abgeschlossen – ordentlich, aber weit unter den eigenen Ansprüchen. Zumal 12 Punkte Rückstand auf Meister Großaspach zeigen, wie weit weg der FCH von der Tabellenspitze war. Zu selten haben die Grün-Weißen das gezeigt, was in dieser Mannschaft steckt. Es fehlte die Konstanz, zu oft blieb das Potenzial nur auf dem Papier. Jetzt beginnt die Arbeit für die neue Saison – und die hat bereits Fahrt aufgenommen.
Der wohl symbolträchtigste Abgang ist der von Mart Ristl. Nach knapp sechs Jahren und 174 Pflichtspielen verlässt der 29-jährige defensive Mittelfeldspieler den Verein. Sportlich bringt Ristl alles mit, was ein Kapitän brauchen sollte: Er ist ein Kämpfer, einer der vorangeht, der sich für die Mannschaft aufopfert – hart im Spiel, konsequent gegen den Gegner. Sportlich ist ein formstarker Ristl ein herber Verlust für den FCH.
Und doch war Ristl in Teilen der Fanszene nicht unumstritten – weniger wegen seiner fußballerischen Leistung, mehr wegen Dingen abseits des Platzes. Zur erhofften Identifikationsfigur, die eine Fanbasis dauerhaft mitnimmt, wurde er allerdings nie ganz. Gründe sind hier sicherlich auf beiden Seiten zu suchen. Das in Teilen bekannt anspruchsvolle Homburger Umfeld und Mart Ristl – das war nie eine Liebesehe. Cheftrainer Roland Seitz verabschiedet ihn trotzdem mit klaren Worten: „Es ist schade, dass unser Kapitän von Bord geht. Mart hat dem Verein über viele Jahre seinen Stempel aufgedrückt.“
Erwartbar, aber nicht weniger bedauerlich: Kaan Inanoglu kehrt nach dem Ende seiner Leihe zu Eintracht Frankfurt zurück. Was der 20-jährige US-Amerikaner in seiner kurzen Zeit beim FCH geleistet hat, war schlicht außergewöhnlich: 16 Tore und fünf Vorlagen in 17 Pflichtspielen – Zahlen, die für sich sprechen. Sein Weg dürfte kurzfristig mindestens eine oder zwei Etagen höher führen. Setzt er seine Entwicklung in diesem Tempo fort, könnten perspektivisch auch noch größere Aufgaben folgen.
Inanoglu ist dabei mehr als nur eine Abschiedsmeldung. Er ist das neuste Beispiel dafür, dass der FCH als Plattform für junge Talente funktionieren kann. Phil Harres, David Hummel, nun Kaan Inanoglu – und auch ein derzeit verletzter Nico Jörg, der bereits das Interesse höherklassiger Vereine geweckt hat – zeigen: Homburg kann jungen Spielern den Weg in den höherklassigen Fußball ebnen. Dieses Modell könnte und sollte kein Zufall bleiben, sondern zu einem bewussten strategischen Weg werden. Davon können am Ende alle profitieren – die Spieler, potenzielle Leihgeber und am Ende vor allem der FCH.
Weitere Abgänge zeichnen sich ab
Neben den bereits offiziell kommunizierten Abschieden von Tim Littmann und Manuel Kober, dürften noch weitere Spieler den Verein verlassen. David Schwingel, Elias Cervenka, Robert Geller und Nils Röseler werden den FCH wohl verlassen. Auch Steffen Nkansah und Oliver Kovacic dürften trotz bestehender Verträge sportlich keine Rolle mehr spielen und sich nach neuen Herausforderungen umsehen.
Offen bleibt die Situation von Markus Mendler. Nach dem schweren Schicksalsschlag, den der 33-Jährige in dieser Saison erleiden musste, werden beide Seiten hier keinen zeitlichen Druck aufbauen. Weder Verein noch Spieler werden eine Entscheidung erzwingen müssen, bevor die nötige Ruhe dafür vorhanden ist. Sportlich wäre Mendler mit seiner Qualität, seiner Einstellung und seiner Erfahrung weiterhin ein wichtiger Faktor. Menschlich aber liegt diese Personalie außerhalb jeder normalen Kaderlogik.
Trainerteam wird verschlankt, Sportdirektor im Gespräch
Auch hinter den Kulissen wird sich einiges bewegen. Das Trainerteam wird von zwei auf einen Co-Trainer reduziert werden, möglicherweise gibt es auch beim Torwarttrainer Veränderungen. Das größte Gerücht aber betrifft eine strukturelle Frage: Dem Vernehmen nach plant der FCH, nach der kurzen Phase mit Dieter Gerstung zur neuen Saison einen neuen Sportdirektor bzw. sportlichen Leiter zu installieren. Als heißer Kandidat gilt Rüdiger Ziehl, dessen Vertrag beim 1. FC Saarbrücken zum Saisonende ausläuft. Ziehl ist kein Unbekannter am Waldstadion – er ist regelmäßig Gast bei Homburger Spielen und dürfte die Mannschaft bereits gut kennen. Ob und wann es hier zu einer Entscheidung kommt, bleibt abzuwarten.
Fazit: Die Sommerpause ist relativ
Von Ruhe kann beim FC 08 Homburg derzeit keine Rede sein – zumindest nicht abseits des Trainingsplatzes. Die kommenden Wochen werden zeigen, mit welchem Kader und welcher sportlichen Struktur die Grün-Weißen in die neue Saison gehen. Die Fragen sind zahlreich, die Baustellen bekannt. Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Antworten zu finden – und das möglichst früh genug.






















