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Der Frühjahrsaufschwung am saarländischen Arbeitsmarkt bleibt in diesem Jahr aus – und das hat es in dieser Form zuletzt während der Corona-Pandemie gegeben. Statt der saisonüblichen Erholung verzeichnete das Saarland im April sogar einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé sprach am 30. April von einem „klaren Warnsignal“, als die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit ihre aktuellen Zahlen vorlegte.

Der Vergleich mit dem Jahr 2020 wiegt schwer. Damals war es die Pandemie, die den Arbeitsmarkt aus dem Takt brachte. Diesmal sieht Thomé eine Doppelbelastung als Ursache: Einerseits verunsichere der Iran-Krieg die Weltwirtschaft massiv, andererseits blieben zentrale strukturelle Probleme am Standort Saarland ungelöst. Beides zusammen treffe den Arbeitsmarkt „mit voller Wucht“, so der IHK-Chef.

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Die Folgen zeigen sich bereits konkret in den Betrieben. Unternehmen reagierten mit deutlicher Zurückhaltung bei Neueinstellungen, erklärte Thomé. Im Verarbeitenden Gewerbe gehe der Stellenabbau sogar unvermindert weiter. Gerade für ein Industrieland wie das Saarland, dessen Wirtschaft traditionell stark von der produzierenden Branche abhängt, ist das eine besorgniserregende Entwicklung.

Zusätzlich verschärften die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen die ohnehin angespannte Lage. Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten und eine als überbordend empfundene Bürokratie bremsten Investitionen und Beschäftigung gleichermaßen. „So kann kein Aufschwung entstehen“, fasste Thomé die Situation zusammen. Die Kombination aus globaler Unsicherheit und hausgemachten Standortnachteilen lähme die wirtschaftliche Dynamik.

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Der IHK-Hauptgeschäftsführer richtete deshalb einen deutlichen Appell an die Bundesregierung. Es brauche jetzt einen klaren Kurswechsel – eine Reformagenda, die Kosten senke, Verfahren beschleunige und Investitionen wieder attraktiv mache. Nur wenn Unternehmen wieder Vertrauen fassten und Spielräume für Wachstum zurückgewännen, könnten neue Arbeitsplätze entstehen. „Voraussetzung für Beschäftigung ist Wachstum“, brachte es Thomé auf den Punkt.

Die April-Zahlen dürften die Debatte über die wirtschaftliche Zukunft des Saarlandes weiter befeuern. Denn anders als in konjunkturellen Normaljahren, in denen der Frühling verlässlich für Entspannung am Arbeitsmarkt sorgt, fehlt diesmal jede Dynamik nach oben. Ob die geforderte Reformagenda tatsächlich Fahrt aufnimmt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen müssen – die Betriebe an der Saar warten darauf.

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