Auch Landrat Theophil beklagte den Fachkräftemangel bei der Kreisverwaltung. - Foto: Bill Titze

Wo drückt der Schuh bei Unternehmen und ihren Mitarbeitern? Um diese Frage ging es beim traditionellen Empfang für Betriebs- und Personalräte, den die Stadt in diesem Jahr in Sanddorf ausrichtete. Bürgermeister Michael Forster bekam dabei vor allem ein Problem immer wieder zu hören.

Nein, Corona war an diesem Nachmittag nicht das Thema, über das die rund ein Dutzend Betriebs- und Personalräte sprechen wollten. Natürlich wurde die Corona-Situation thematisiert, doch es war ein anderer Punkt, der die Gesprächsrunde dominierte: der Fachkräftemangel. „Die Unternehmen bekommen einfach nicht genügend gut qualifizierte Leute“. Dieser Satz war so oder so ähnlich von fast allen Teilnehmern zu hören. Ob Kreissparkasse, Universität des Saarlandes oder Kreisverwaltung – die Aussagen waren mehr oder weniger deckungsgleich.

„Zwar hat sich der Unterschied bei der Bezahlung zwischen Industrie und Handwerk deutlich entspannt. Dennoch haben wir ein Riesenproblem Personal zu finden“, befand Manfred Rippel von „A 6 Nutzfahrzeuge“. „Viele haben keinen Lust auf Schichtbetrieb oder Samstagsdienst und suchen sich dann andere Arbeitgeber.“ Heißt im Umkehrschluss aber auch: für gut qualifizierte Arbeitnehmer hat sich die Situation in den letzten Jahren verbessert. „Moderne Betriebsräte müssen aber in beide Richtungen schauen, schließlich nutzt es mir als Beschäftigtem nichts, wenn mein Arbeitgeber kaputt geht“, so Rippel.

Einen anderen Schwerpunkt bei der Problematik legte Jörg Bautz, der Personalratschef der Universität des Saarlandes. Er nahm die Arbeitgeber stärker in die Verpflichtung auch um ihr Personal zu werben. „Zwar ist es schwierig gute Mitarbeiter zu finden, aber gleichzeitig bin ich mir nicht sicher, ob die Arbeitgeber auch wirklich alles tun, um die guten Leute bei sich zu halten.“ Man müsse gerade im öffentlichen Dienst mehr Anreize schaffen, um Beschäftigte zu Höchstleistungen zu motivieren.

Auf dem Gelände des Uniklinikums in Homburg – Bild: Stephan Bonaventura

Dazu kann natürlich auch die Bezahlung zählen. Die ist vor allem bei der UKS Service GmbH eine große Hürde, wie Betriebsrätin Heidemarie Johann schilderte. „Unsere Mitarbeiter befinden sich oft im Niedriglohnsektor und dann ist einfach schwierig gute Leute zu finden. Als Folge müssen dann die Mitarbeiter, die schon da sind, noch mehr arbeiten.“

Auch Landrat Theophil Gallo (SPD) bekannte, mehr Sorgen vor dem Abgang von Arbeitnehmern zu haben als vor Arbeitsplatzverlust. „Uns fehlt immer öfter das Personal, das wir brauchen.“ Als Beispiel nannte er ein mögliches Impfzentrum im Kreis, das bekanntermaßen nicht zustande kam. „Wir hätten ein solches Zentrum gar nicht personalisieren können, weil das erforderliche Fachpersonal fehlte.“ In diesem Zusammenhang warnte Gallo auch vor zu großen Erwartungen, was das Thema Arbeitszeitflexibilisierung angeht. „Die Wohltaten, die die Politik hier mitunter verspricht, müssen auch realisierbar sein und da habe ich so meine Bedenken.“

Während viel über Personalmangel geklagt wurde, setzte Bürgermeister Forster eher einen Fokus auf mögliche Verluste von Arbeitsplätzen, gerade in der Zuliefererbranche. „Dort bleibt wohl kein Stein mehr auf dem anderen, wenn die Transformation fertig ist. Deshalb ist es wichtig, den Übergangsprozess zu gestalten.“ Daher wies Forster auch auf die Wasserstoffstrategie hin, die in Homburg und dem Saarland besonders intensiv verfolgt wird. „Wir setzen als Stadt alles daran, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit kein Arbeitsplatz verloren geht.“ Ein Baustein hier: die Digitalisierung. „Wir müssen dafür sorgen, dass es in jeder Straße schnelles Internet gibt.“ Landrat Gallo war diesbezüglich eher pessimistisch. „Bei der Digitalisierung sind wir im Saarland hintendran, dabei läuft uns die Zeit weg.“

Die Karlsberg Brauerei in Homburg – Bild: Stephan Bonaventura

Neben diesen Themen ging es aber natürlich letztlich dann doch irgendwie noch um die Pandemie und ihre Auswirkungen. Kein Wunder, dass vor allem der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Karlsberg Brauerei, Michael Berger, auf dieses Thema einging, schließlich ist das Unternehmen mit seiner starken Verwurzelung in der Gastronomie- und Eventbranche von Corona stark betroffen.

„Die Gastronomie ist komplett weggebrochen, dafür ging der Flaschenabsatz in die Höhe“, so Berger. Was sich erst einmal nach einem Ausgleich anhört, bringt für die Brauerei jedoch ein großes Problem mit sich. „Wir könnten zwar produzieren, aber es fehlt uns schlicht und ergreifend das Leergut für die Abfüllung.“ Dazu komme noch das Problem der Wertschätzung. „Die Leute kaufen sich zwar ein teures Auto, aber im Supermarkt dann eben eher das Billigbier.“ Immerhin: Dadurch, dass die Restaurants wieder öffnen, entspanne sich die Lage langsam wieder. Ob das auch für den Fachkräftemangel gilt, scheint in naher Zukunft wohl eher unwahrscheinlich. So dürfte auch im kommenden Jahr dieses Thema beim Empfang der Betriebs- und Personalräte wieder eine große Rolle spielen.

 

 

 

 

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1 KOMMENTAR

  1. Kenne genügend junge Leute, die arbeiten im Niedriglohnsektor, bequem von 08:00 Uhr bis 16:30 Uhr oder von 09:30 Uhr bis 18:00 Uhr am Wochenende in der Gastronomie, erhalten an einem Abend 700 € Trinkgeld. Für Weiterbildung ist keine Kapazität aus zeitlichen Gründen. Die Arbeitgeber fordern zu recht qualifiziertes Personal. Wenn ich meinen Patenkindern manchmal bei den Hausaufgaben helfe muss ich lachen. Selbst der MBA ist lächerlich einfach geworden, wo soll qualifiziertes Personal herkommen?

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