Symbolbild

Endometriose ist im Saarland längst kein Randthema mehr. Innerhalb von zwei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Frauen, bei denen die chronische Unterleibserkrankung festgestellt wird, im Bundesland um 72 Prozent erhöht. Das geht aus dem aktuellen Arztreport der BARMER hervor, der am Donnerstag in Saarbrücken vorgestellt wurde.

In konkreten Zahlen bedeutet das: Während 2005 noch 734 von 100.000 Saarländerinnen mit der Diagnose lebten, waren es 2024 bereits 1.260. Hochgerechnet ergibt sich daraus eine Betroffenenzahl von rund 6.500 Frauen, gegenüber etwa 4.000 zwei Jahrzehnte zuvor. Damit liegt das Saarland leicht über dem bundesweiten Schnitt von 1.212 Erkrankten je 100.000 Frauen. Den Spitzenwert verzeichnet Berlin mit 1.618 Fällen, das Schlusslicht bildet Thüringen mit 939.

Der Anstieg sei jedoch nicht allein medizinisch zu erklären, sondern auch ein Spiegel veränderter Wahrnehmung. „Endometriose ist eine chronische, meist schmerzhafte Erkrankung, bei der außerhalb der Gebärmutterhöhle Gewebe wächst, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt. Endometriose ist viel stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen, wodurch die Diagnose öfter gestellt wird und für betroffene Frauen Jahre der Ungewissheit entfallen“, erklärt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Entscheidend sei eine Therapie, die sich an den individuellen Lebensumständen orientiere.

Besonders häufig trifft die Erkrankung Frauen mittleren Alters. Zwischen 30 und 34 Jahren war zuletzt jede 31. Saarländerin betroffen, was einem Anteil von 3,2 Prozent entspricht. Auffällig ist zudem ein jüngster Sprung bei den Erstdiagnosen: In den Jahren 2022 bis 2024 wurde Endometriose im Saarland 20 Prozent häufiger neu festgestellt, als es die Altersstruktur der weiblichen Bevölkerung hätte erwarten lassen.

Einen Grund dafür sieht Kleis in der überarbeiteten medizinischen Leitlinie. „Laut der im vergangenen Jahr aktualisierten medizinischen Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Endometriose liegt in der Diagnostik nun ein größerer Schwerpunkt auf bildgebenden Verfahren anstatt auf der Gewebeentnahme per Bauchspiegelung, die zuvor hauptsächlich erfolgte. Zudem werden bei der Planung der Behandlung psychosoziale Aspekte und eine multimodale Schmerztherapie stärker als bisher berücksichtigt“, so die Landesgeschäftsführerin. Der fachübergreifende Ansatz sei für Betroffene besonders relevant, da diese deutlich öfter Begleiterkrankungen aufwiesen als andere Frauen ihres Alters.

Die Folgen der Erkrankung sind vielschichtig und reichen weit über die typischen Regelschmerzen hinaus. Blutungen außerhalb der Gebärmutter, entzündliche Reaktionen, chronische Unterbauchschmerzen sowie eine verminderte Fruchtbarkeit gehören zum Beschwerdebild. Auch eine Beteiligung von Organen wie dem Darm ist möglich. „Die Therapie von Endometriose muss nicht nur die Symptome im Blick behalten, sondern auch mögliche Organschäden etwa am Darm oder den Kinderwunsch betroffener Frauen“, fordert Kleis. Das übergeordnete Ziel bleibe die Verbesserung der Lebensqualität.

Behandelt wird die Erkrankung je nach Schweregrad, Alter und Familienplanung unterschiedlich: medikamentöse Schmerztherapien, hormonelle Behandlungen zur Unterdrückung des Zyklus oder minimal-invasive Eingriffe, bei denen Endometriose-Herde entfernt und Verwachsungen gelöst werden, stehen zur Verfügung. Die Datenbasis des Reports stammt aus anonymisierten Abrechnungsunterlagen der BARMER-Versicherten der Jahre 2005 bis 2024. Allein im Saarland zählte die Kasse zuletzt 116.000 Versicherte, deren Daten standardisiert auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet wurden.

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