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Jeder vierte Mensch in Deutschland war bereits Ziel digitaler Gewalt – ob in Form von Beleidigungen, Bedrohungen, Mobbing oder der unerlaubten Verbreitung intimer Aufnahmen. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Erhebung hervor, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.004 Personen ab 16 Jahren durchgeführt hat. Die Ergebnisse kommen zu einem politisch brisanten Zeitpunkt: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will an diesem Freitag einen Gesetzentwurf vorstellen, der den Schutz vor Übergriffen im digitalen Raum deutlich stärken soll.

Konkret gaben zwei Prozent der Befragten an, häufig digitale Gewalt zu erleben, fünf Prozent berichteten von gelegentlichen Vorfällen und 18 Prozent von seltenen oder einmaligen Erfahrungen. 69 Prozent erklärten, bislang verschont geblieben zu sein. Unter dem Begriff digitale Gewalt fasste die Studie ein breites Spektrum zusammen: von massiv beleidigenden oder bedrohenden Nachrichten über üble Nachrede und systematisches Mobbing bis hin zur Verbreitung intimer Bilder, Deepfakes und der Androhung körperlicher Gewalt im Netz.

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Besonders alarmierend fällt der Blick auf die jüngere Generation aus. Unter den 16- bis 29-Jährigen hat fast jeder Zweite – genau 43 Prozent – bereits digitale Übergriffe erlebt. Bei den 30- bis 49-Jährigen liegt der Anteil bei 26 Prozent, in der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen bei 29 Prozent. Deutlich seltener betroffen sind Menschen ab 65 Jahren, von denen acht Prozent entsprechende Erfahrungen schilderten. Die Zahlen machen deutlich, dass digitale Gewalt kein Randphänomen ist, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen – und dass sie vor allem diejenigen trifft, die am intensivsten online unterwegs sind.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder ordnete die Befunde unmissverständlich ein: „Digitale Gewalt ist kein Kavaliersdelikt. Wer andere im Netz gezielt bedroht, demütigt oder intime Inhalte ohne Zustimmung verbreitet, greift Würde, Privatsphäre und Sicherheit der Betroffenen an.“ Das geplante Gesetz bezeichnete er als wichtigen Fortschritt. Entscheidend sei nun, „dass digitale Gewalt schnell gestoppt und konsequent verfolgt wird – und dass es für die Betroffenen leichter wird, sich dagegen zu wehren“.

Die Umfrage zeigt zudem, wie klar die Haltung der Bevölkerung in dieser Frage ist. 80 Prozent der Befragten verlangen eine konsequente Strafverfolgung, wenn intime Bilder oder Videos ohne Einwilligung erstellt oder in Umlauf gebracht werden. 77 Prozent sind überzeugt, dass das tatsächliche Ausmaß des Problems noch größer ist, als es die öffentliche Debatte vermuten lässt. Und 81 Prozent sprechen sich dafür aus, Online-Plattformen gesetzlich zu verpflichten, Hinweise auf digitale Gewalt besonders zügig zu prüfen und betroffene Inhalte zu entfernen.

Rohleder mahnte ein entschlossenes Zusammenwirken aller Beteiligten an: „Politik, Plattformen und Strafverfolgung müssen jetzt gemeinsam dafür sorgen, dass Betroffene besser geschützt und Täter viel konsequenter als bisher zur Verantwortung gezogen werden.“ Der Gesetzentwurf von Ministerin Hubig dürfte damit auf breite gesellschaftliche Zustimmung stoßen – die Zahlen jedenfalls lassen keinen Zweifel daran, dass der Handlungsdruck enorm ist.

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Die telefonische Befragung wurde in den Kalenderwochen 15 und 16 des Jahres 2026 durchgeführt und gilt als repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland ab 16 Jahren. Gefragt wurde unter anderem, ob die Teilnehmenden selbst schon von digitaler Gewalt betroffen waren und ob das Erstellen oder Verbreiten manipulierter oder echter intimer Aufnahmen ohne Zustimmung klar unter Strafe gestellt werden sollte.

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