Ein Foto im Familienchat, eine Sprachnachricht von der besten Freundin, die Wochenendplanung in der Freundesrunde und nebenbei noch die Absprachen im Mannschaftschat: Für die meisten Menschen in Deutschland gehört dieser ständige Strom an Nachrichten längst zum Alltag. Doch so praktisch die Dauerkommunikation ist, so schnell wird sie auch zur Belastung. Fast jede und jeder Fünfte fühlt sich häufig von der schieren Menge an Messenger-Nachrichten überfordert.
Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat. Befragt wurden 1.006 Personen ab 16 Jahren, darunter 875 aktive Nutzerinnen und Nutzer von Apps wie WhatsApp, Signal, Telegram oder Threema. Die Zahlen zeigen, wie fest Messenger im privaten Leben verankert sind: 87 Prozent der Befragten greifen zumindest gelegentlich darauf zurück, um Kontakte zu pflegen oder Verabredungen zu organisieren.
Doch mit der Allgegenwart wächst auch der Druck. Fast drei Viertel der Nutzenden kennen das Gefühl, dass ihnen die Flut an Nachrichten über den Kopf wächst. Bei 20 Prozent ist das sogar regelmäßig der Fall, bei weiteren 52 Prozent zumindest manchmal oder selten. Interessant ist dabei das Altersgefälle: Während sich 28 Prozent der über 65-Jährigen häufig überfordert fühlen, sind es bei den 16- bis 29-Jährigen nur 16 Prozent.
Die Konsequenz liegt nahe. Bei 69 Prozent der Befragten kommt es zumindest ab und zu vor, dass sie Nachrichten einfach liegen lassen, weil ihnen alles zu viel wird. Gleichzeitig plagt viele dabei das schlechte Gewissen: 73 Prozent fühlen sich zumindest gelegentlich unwohl, wenn sie nicht sofort reagieren. Drei Viertel entschuldigen sich sogar, wenn eine Antwort länger auf sich warten lässt.
Genau in diesem Widerspruch liegt ein spannender Befund der Studie. Denn gegenüber anderen zeigen sich die meisten Menschen deutlich gelassener als gegenüber sich selbst. Ganze 87 Prozent haben grundsätzlich Verständnis, wenn das Gegenüber nicht umgehend antwortet. Der selbst empfundene Antwortdruck ist also oft hausgemacht.
„Messenger machen Kommunikation schnell und unkompliziert. Für viele sind sie der wichtigste Kanal, um im Alltag Kontakte zu halten, Verabredungen zu organisieren und Absprachen zu treffen“, erklärt Dr. Sebastian Klöß, Experte für Consumer Technology beim Bitkom. „Gleichzeitig kann daraus leicht das Gefühl entstehen, ständig erreichbar sein und unmittelbar reagieren zu müssen – selbst wenn gerade die Zeit oder der Kopf dafür fehlt. Dabei zeigt sich aber: Viele setzen sich selbst stärker unter Antwortdruck, als sie es von anderen erwarten.“
Unbegrenzt ist die Nachsicht allerdings nicht. Wenn Freundinnen oder Freunde über sehr lange Zeit nicht reagieren, kann das Folgen für die Beziehung haben. Für insgesamt 69 Prozent ist eine extrem verzögerte Antwort zumindest denkbar ein Grund, einen Kontakt allmählich auslaufen zu lassen oder ganz abzubrechen. Häufig ziehen diese Konsequenz allerdings nur neun Prozent, beim Großteil von 60 Prozent passiert das nur selten oder manchmal.
Die Befragung wurde von Bitkom Research telefonisch im Zeitraum der Kalenderwochen 28 bis 32 des Jahres 2026 durchgeführt und ist in ihrer Gesamtheit repräsentativ.



















