Symbolbild

Eine Milliarde Euro für die Kliniken im Land und ein neuer Fahrplan für die stationäre Versorgung bis 2035: Die saarländische Landesregierung hat am Montag weitreichende Weichen für die Zukunft der Krankenhäuser gestellt. Gesundheitsminister Magnus Jung präsentierte in der Landespressekonferenz den neuen Krankenhausplan für die Jahre 2027 bis 2035 und kündigte zugleich eine Investitionsoffensive an, die er selbst als beispiellos bezeichnet.

Für Jung geht es um eine grundlegende Neuaufstellung der Versorgung im Saarland. Sein Leitgedanke lässt kaum Interpretationsspielraum. „Unser Ziel für das Saarland ist klar: eine nachhaltige Stabilisierung und eine spürbare Verbesserung der Versorgung für alle Menschen“, sagte der Minister. Dies gelte unabhängig vom Alter, vom Gesundheitszustand und vor allem unabhängig davon, ob jemand in der Stadt oder auf dem Land lebe.

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Grundlage für die Planung ist die bundesweite Krankenhausreform, die ein neues System der sogenannten Leistungsgruppen einführt. Das Saarland hatte sich auf Bundesebene für Anpassungen eingesetzt, um die Eigenheiten der eigenen Versorgungsstruktur berücksichtigen zu können. Entscheidungen würden künftig nach einem klaren Kompass getroffen, erklärte Jung: nach Bedarf, medizinischer Qualität, Erreichbarkeit und personeller Tragfähigkeit.

Entscheidend ist, was im Plan nicht steht: Standortschließungen sind nicht vorgesehen. Stattdessen setzt das Land auf Leistungskonzentration. Die Grund- und Notfallversorgung bleibt flächendeckend erhalten, während komplexe Eingriffe etwa in der Onkologie, der Gefäßmedizin oder der Endoprothetik dort gebündelt werden, wo die größte Erfahrung sitzt. Doppelstrukturen, die zu wirtschaftlicher Konkurrenz unter den Trägern führen, sollen abgebaut werden. „Wer zukunftsfähige Strukturen will, muss den Mut zur Veränderung haben“, kommentierte der Minister.

Konkret bedeutet das eine neue Arbeitsteilung in den Regionen. Im Ballungsraum Saarbrücken und im Saarpfalz-Kreis wird nahezu das gesamte Spektrum der somatischen Versorgung abgedeckt. Zwischen dem Klinikum Saarbrücken und dem CaritasKlinikum werden die Aufgaben neu verteilt: Planbare endoprothetische Eingriffe konzentrieren sich stärker beim CaritasKlinikum, gefäßchirurgische Leistungen beim Klinikum Saarbrücken. Das Kreiskrankenhaus St. Ingbert stärkt Orthopädie, Unfallchirurgie und Altersmedizin, während das Universitätsklinikum das Fundament für die hochkomplexe Maximalversorgung bildet.

Auch die übrigen Landkreise erhalten klare Profile. Im Landkreis Neunkirchen liegt der Fokus auf wohnortnaher Akutversorgung, ergänzt durch eine Spezialisierung in Frauenheilkunde, Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin. St. Wendel setzt auf Kardiologie, Neurologie, Endoprothetik und Geriatrie. In Merzig-Wadern bündeln sich Neurologie, Frührehabilitation und Palliativmedizin, verbessert durch die künftige Nordsaarlandklinik. Der Landkreis Saarlouis bietet ein breites Spektrum mit hoher Dichte in der Gefäßmedizin.

Dass solche Strukturen nur mit ausreichend Personal funktionieren, betonte Jung ausdrücklich. Fachkräftesicherung und Ausbildung seien ein zentraler Teil des Plans. Auch die Erfahrungen der Corona-Pandemie hätten gezeigt, dass die Krankenhauslandschaft nicht auf Kante genäht sein dürfe. Entstanden sei der Plan im engen Austausch mit Trägern, Kostenträgern und Fachverbänden über gut drei Jahre hinweg. „Dieser Plan ist nicht im stillen Kämmerlein entstanden“, so der Minister.

Die finanzielle Grundlage bildet die angekündigte „Krankenhausmilliarde“. Über zehn Jahre fließen mehr als eine Milliarde Euro an Landes- und Bundesmitteln als Zuschüsse an die Träger. Die jährliche Förderung steigt damit von bislang 32,5 Millionen Euro auf mindestens das Dreifache. Hinzu kommt die bereits gesicherte Finanzierung des neuen Zentralgebäudes am Universitätsklinikum in Höhe einer weiteren Milliarde Euro. Der Plan, so Jung, sei zudem kein in Stein gemeißeltes Dokument, sondern werde laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.

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