Ein Tier, das im Saarland lange als nahezu verschwunden galt, steht derzeit im Mittelpunkt einer Ausstellung im St. Ingberter Rathaus: Der Fischotter ist zurück an der Blies, und mit ihm kehrt ein Stück Wildnis in die Region zurück. Noch bis zum 22. Mai können Besucherinnen und Besucher im Kuppelsaal des Rathauses die Wanderausstellung „Willkommen im Saarland – Die Rückkehr des Fischotters“ erleben, die der BUND konzipiert hat und die von der Biosphären-VHS St. Ingbert präsentiert wird.
Auf 16 Bannern entfaltet sich das Leben des scheuen Raubtiers – von seinem Lebensraum an Flussauen über sein nachtaktives Verhalten bis hin zu den Gefahren, die sein Überleben bedrohen. Dass der Fischotter überhaupt wieder an der Blies gesichtet wird, ist auch das Verdienst von Hardy Welker vom BUND, in der Szene als „Otterspotter“ bekannt. Mit Wildkameras dokumentiert er seit Jahren das Verhalten der Tiere und hat gemeinsam mit Heike Sicurella vom BUND die Ausstellung inhaltlich erarbeitet. Adam Schmitt, ebenfalls BUND-Mitglied, gab den Anstoß für das Projekt und stellte die Verbindung zur VHS sowie zum MINT-Campus her.
„Wir präsentieren diese Ausstellung im Rahmen des Nachhaltigkeitsprogramms der VHS“, erklärte Frank Ehrmantraut, stellvertretender Leiter der VHS St. Ingbert. Bereits die Eröffnungsvorträge lockten zahlreiche Gäste in den Kuppelsaal und warteten mit überraschenden Fakten und Filmaufnahmen des geschmeidigen Jägers auf. Die Ausstellung richtet sich bewusst an alle Altersgruppen: Während Erwachsene sich in die Biologie und Ökologie des Fischotters vertiefen können, sorgen kindgerecht aufbereitete Materialien dafür, dass auch jüngere Besucher Zugang finden. Sieben Schulklassen aus St. Ingbert haben sich bereits für spezielle Führungen angemeldet, die jeweils 45 bis 60 Minuten dauern.
Der Fischotter siedelt sich nur dort an, wo er sauberes Wasser vorfindet – und wird damit zu einem lebenden Indikator für den Zustand der Gewässer. „Als Biosphärenstadt ist es unsere Aufgabe zu zeigen, wie wichtig das Gleichgewicht der Umwelt ist“, betonte der Beigeordnete Albrecht Hauck bei der Eröffnung. Dass das Tier nach Jahrzehnten der Abwesenheit wieder im Saarland auftaucht, sei ein ermutigendes Zeichen, mache aber auch deutlich, wie fragil dieses Gleichgewicht bleibe.
Einen besonderen Akzent setzte bei der Vernissage die 16-jährige Lara Scherer, Schülerin der zehnten Klasse eines Gymnasiums und Teilnehmerin des MINT-Campus. Unter der wissenschaftlichen Begleitung des Biologen Dr. Johannes Becker-Follmann forscht sie an einem Verfahren, mit dem sich Tierarten in Gewässern über sogenannte eDNA-Tests – also den Nachweis von Umwelt-DNA im Wasser – aufspüren lassen. Bislang hat sie die Methode erfolgreich auf Nutria angewandt. Ende Mai wird sie ihre Ergebnisse beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ vorstellen.
Ihr nächstes Ziel: den eDNA-Test auch für den Nachweis von Fischottern nutzbar machen und so das Monitoring des BUND an der Blies wissenschaftlich zu unterstützen. Das Projekt wird am MINT-Campus unter dem Dach der Reihe „Citizen Science“ weitergeführt, bei der interessierte Bürgerinnen und Bürger selbst entsprechende Proben nehmen und auswerten können – ein konkreter Beitrag zur Forschung, der weit über den Kuppelsaal hinausreicht. Die Ausstellung ist während der regulären Öffnungszeiten des Rathauses zwei Wochen lang frei zugänglich.


















