Rund eines von vier Neugeborenen mit angeborenem Herzfehler leidet an einer schweren Fehlbildung – verengte Gefäße, fehlende Klappen oder fehlerhafte Verbindungen zwischen den Herzhälften, die eine Operation unmittelbar nach der Geburt erfordern. Am Kinderherzzentrum des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg arbeitet ein Forschungsteam nun daran, die Behandlung dieser kleinsten Patienten grundlegend zu verbessern. Die Deutsche Herzstiftung fördert das Projekt mit 19.650 Euro.
Der Kern des Vorhabens klingt so einfach wie ambitioniert: Gewebe, das bei Korrektureingriffen am Herzen eingesetzt wird, soll lebendig bleiben und mit dem Kind mitwachsen. Bislang greifen Chirurgen bei Neugeborenen auf den Herzbeutel zurück, das sogenannte Perikard. Von dieser schützenden Doppelschicht um das Herz wird ein kleines Stück entnommen und zur Rekonstruktion von Klappen oder Gefäßen verwendet. Damit das Gewebe an seinem neuen Platz in der Blutbahn stabil funktioniert, wird es chemisch behandelt – ein Verfahren, das allerdings seinen Preis hat. Mittel- und langfristig reagiert der Körper häufig mit Entzündungen, das Gewebe verkalkt und verhärtet sich. Die Folge: Manche junge Patienten müssen im Laufe ihrer Kindheit und Jugend mehrfach nachoperiert werden.
„Wir haben uns überlegt, wie man diese Situation verbessern könnte“, sagt Prof. Dr. Hashim Abdul-Khaliq, Direktor der Klinik für Kinderkardiologie am UKS. Gemeinsam mit Dr. Migdat Mustafi, dem Leiter der Kliniken für Kinderherzchirurgie, Herzchirurgie und Thoraxchirurgie, verfolgt er einen neuen Ansatz. „Unser Ansatz ist es, das wertvolle Perikard-Gewebe eher biologisch zu modifizieren und damit die Gewebezellen am Leben zu erhalten, damit es vom Körper besser angenommen wird und mit den Kindern mitwachsen kann und sich im weiteren Wachstum der Kinder besser an die neuen Verhältnisse anpassen kann“, erläutert Abdul-Khaliq.

Bevor diese biologische Modifikation am Patienten zum Einsatz kommen kann, steht jedoch Grundlagenarbeit an. Das Team untersucht zunächst, wie kindliches Blut auf das Perikard-Gewebe reagiert – sowohl in chemisch behandelter als auch in unbehandelter Form. Die Versuche finden im Forschungslabor des Kinderherzzentrums statt, das Privatdozent Dr. Masood Abu-Halima leitet. „Das Gewebe wird molekulargenetisch ausführlich vor und nach der Interaktion mit Blut untersucht. Dabei verändern wir bestimmte molekulare Mechanismen, um das Gewebe zu stabilisieren“, beschreibt Abu-Halima das Vorgehen. Die Humanmedizinstudentin Leonie Wagner betreut und dokumentiert die Forschungsarbeit im Rahmen ihrer Dissertation.
Das Homburger Projekt gehört zu einer ausgewählten Gruppe von neun Vorhaben, die aus insgesamt 38 Anträgen hervorgingen. Die Deutsche Herzstiftung hatte die Sonderforschungsförderung im Bereich angeborene Herzfehler 2025 ausgeschrieben, um Fortschritte in der Versorgung gezielt voranzutreiben. Bekanntgegeben wurde die Förderentscheidung Ende Februar 2026 bei der Eröffnung der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler sowie der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in Köln.
Angeborene Herzfehler zählen zu den häufigsten Organfehlbildungen überhaupt. Am Kinderherzzentrum des UKS werden jährlich rund 100 Kinder und Neugeborene operiert, weitere 200 junge Patienten erhalten Herzkatheterbehandlungen ohne chirurgischen Eingriff. Die Nachsorge erstreckt sich über Kindheit und Jugend bis ins junge Erwachsenenalter, betreut durch ein spezialisiertes Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern. Sollte der neue Forschungsansatz Erfolg haben, könnte er die Zahl belastender Folgeoperationen für die betroffenen Kinder deutlich senken – und ihnen im besten Fall Gewebe schenken, das mit ihnen wächst. Auch 2026 will die Deutsche Herzstiftung erneut eine Forschungsförderung in diesem Bereich ausschreiben.

















