Grafik: Pfarrei Hl. Johannes XXIII.

Das Thomas-Morus-Haus ist seit Jahrzehnten einer der Mittelpunkte des Erbacher Dorfgeschehens, unzählige Hochzeiten und Geburten wurden hier gefeiert. Doch damit ist bald Schluss, das marode Gebäude soll bald abgerissen werden. Stattdessen wird einige Meter entfernt ein neues Gemeindezentrum entstehen, wie die Pfarrei Hl. Johannes XXIII. bei einer Informationsveranstaltung mitteilte.

Kommunion, Taufen, aber auch Betriebsversammlungen – über 200 Veranstaltungen finden im Thomas-Morus-Haus Jahr für Jahr statt. So gerne das Gemeindezentrum der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. genutzt wird, so marode ist das jahrzehntealte Gebäude mittlerweile. Immer wieder sind Reparaturen notwendig, dazu kommt eine schlechte Energiebilanz sowie die Tatsache, dass das gesamte Gebäude asbestverseucht ist.

Darüber hinaus kam vom Bistum Speyer bei Zusammenlegung der Pfarreien St. Andreas, Maria von Frieden, Reiskirchen, Jägersburg und Beeden die Vorgabe, die Pfarrheimfläche der neuen Pfarrei um 60% zu reduzieren. An einem Neuanfang führt also wohl kaum ein Weg vorbei.

Das Thomas-Morus-Haus soll abgerissen werden, stattdessen könnten hier bis zu 18 Wohnungen entstehen. Bild: Bill Titze.

Darin waren sich im Grunde auch alle der rund 50 Besucher einig, die bei der Informationsveranstaltung der Pfarrei zur Zukunft des Thomas-Morus-Hauses eben dort dabei waren. Doch was stattdessen passieren soll, sorgte durchaus für Diskussionen. So wie in den vergangenen Jahren auch in den entsprechenden Gremien, die sich seit 2015 mit dem Thema auseinandersetzten. Das legte zumindest der Rückblick von Pfarrer Pirmin Weber nahe, der kurz die Entstehungsgeschichte des nun geplanten Vorhabens skizzierte.

„Der erste Gedanke war, das Thomas-Morus-Haus zu renovieren. Das hätte jedoch bedeutet, dass man den Anbau sowie den Festsaal hätte abreißen müssen.“ Außerdem wäre in diesem Fall, laut Weber, eine ebenerdige Anlage der Toiletten notwendig gewesen, die sich derzeit im Keller befinden. „Das hätte alles so viele Kosten verursacht, dass das Bistum gesagt hat, das ist unsinnig.“ Auch die Möglichkeit, ein neues Gemeindezentrum auf der kircheneigenen Fläche zwischen Kirche und Kindergarten zu bauen, wurde letztlich verworfen. „Das ist Baugelände und es ist auch unsere Pflicht, das Vermögen der Gemeinde zu schützen.“ Außerdem wird die Fläche derzeit vom Obst-und Gartenbauverein Erbach gepachtet, der dort mit 35 Bäumen und vier Bienenstöcke ein echtes Kleinod geschaffen hat.

An dieser Stelle neben der St. Andreas-Kirche soll das neue Gemeindezentrum gebaut werden. Bild: Bill Titze.

Stattdessen ist nun ein 2,3 Millionen teurer Neubau direkt neben der St. Andreas-Kirche geplant. Derzeit befindet sich dort eine parkähnliche Anlage, mehrere über hundert Jahre alte Bäume umgeben dort eine Rasenfläche. Diese müssten für das neue Gebäude gefällt werden. Und genau daran entzündete sich die Empörung einiger Besucher der Informationsveranstaltung. Tenor: Die Abholzung sei vor dem Hintergrund des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. „Jeder dieser Bäume bindet 12,5 Tonnen CO2“, betonte die Grünen-Stadträtin und Ortsvertrauensfrau von Beeden, Katrin Lauer. „Gerade die Kirche hat doch eine Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren.“ In diesem Zusammenhang erklärte der zuständige Architekt Jürgen Baumeister den Besuchern, dass die fünf Bäume nicht ersatzlos wegfielen. Stattdessen sei als Kompensation die Pflanzung von Bäumen an anderer Örtlichkeit geplant.

Während diese Maßnahme verhältnismäßig wenig Aufwand bedeuten dürfte, ist der Neubau des Gemeindezentrums aus Sicht der Verantwortlichen ein echter Meilenstein für die Pfarrei. „Das ist ein zukunftsträchtiges Projekt, denn das Gebäude kann multifunktional genutzt werden“, erklärte Baumeister.

So soll es nicht nur ein vielseitig nutzbares Foyer und Jugendräume geben. Auch ein 160 Quadratmeter großer Festsaal ist geplant. Im Vergleich zum etwas größeren Festsaal im Thomas-Morus-Haus kann dieser jedoch geteilt zu werden. „Dadurch können unter Umständen auch zwei Veranstaltungen parallel stattfinden“, sagt Baumeister. Daneben soll das insgesamt rund 400 Quadratmeter große Gebäude auch barrierefreie Toiletten bereitstellen, die es derzeit im Umfeld der Kirche nicht gibt. Mit Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlage ist darüber hinaus eine energieneutrale Nutzung des Gebäudes vorgesehen.

Grafik: Pfarrei Hl. Johannes XXIII.

Besucher können das Gemeindezentrum sowohl zu Fuß über den derzeitigen Zugangsweg zum Pfarrhaus erreichen, als auch recht bequem mit dem Auto. Denn hinter dem Pfarrhaus sind insgesamt neun neue Parkplätze vorgesehen, die über die Schleburgstraße erreicht werden können. Die Autofahrer, die dort parken möchten, werden jedoch keinen Blick mehr auf das altehrwürdige Tomas-Morus-Haus werfen können, das aller Voraussicht nach abgerissen wird. Stattdessen sollen an dieser Stelle bis zu drei Häuser mit insgesamt 18 Wohneinheiten entstehen. Dies sieht ein Bebauungsplan vor, den die Kirche in Abstimmung mit der Stadt erarbeitet hat. „Uns war es wichtig, dass hier eine sinnvolle Nachnutzung entsteht“, unterstrich Architekt Baumeister. Dazu möchte die Pfarrei das Grundstück mitsamt Thomas-Morus-Haus an eine Wohnungsbaugesellschaft verkaufen.

Bis die ersten Wohnungen stehen, könnten vielleicht schon die ersten Feste im neuen Gemeindezentrum gefeiert worden sein. Geplant ist der Baubeginn nämlich für Anfang 2023, die Arbeiten sollen rund 18 Monate dauern.

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