Sie gelten als Ewigkeitschemikalien, weil sie sich in der Umwelt praktisch nicht abbauen – und tauchen dennoch immer wieder dort auf, wo sie längst nichts mehr zu suchen haben. Die Stiftung Warentest schlägt erneut Alarm: Trotz europaweit gültiger Verbote stoßen die Prüferinnen und Prüfer regelmäßig auf per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS, in Produkten des Alltags. Im jüngsten Test fielen sechs von elf Sonnenschirmen durch das Raster der Qualitätsprüfer.
Die Linie der Verbraucherorganisation ist dabei eindeutig: Wer kritische Mengen verbotener PFAS in seine Ware lässt, bekommt das Urteil Mangelhaft – ohne Wenn und Aber. Auch wenn ein Produkt in anderen Kategorien glänzt, zieht ein Schadstofffund den Gesamteindruck mit nach unten. Diese Konsequenz traf in den vergangenen Monaten bereits Handgepäckkoffer, Autokindersitze, Kinderwagen, Babytragen und Kinderfahrradanhänger. Gerade bei letzteren war die Diskrepanz besonders deutlich: Modelle, die in Fahrverhalten, Sicherheit und Handhabung teils sehr gute Ergebnisse erzielten, scheiterten an der Chemie im Material.
PFAS sind keine kleine Stoffgruppe. Mehr als 10.000 unterschiedliche Verbindungen werden ihr zugerechnet, ihre Produktion reicht bis in die 1950er-Jahre zurück. Die Industrie schätzt sie, weil sie Wasser und Schmutz zuverlässig abperlen lassen. Sie stecken in Imprägniersprays, in Outdoorjacken, in den Bezügen von Sonnenschirmen und sogar in Verpackungen für Lebensmittel. Der Haken liegt in ihrer Langlebigkeit: Einmal freigesetzt, lassen sie sich kaum noch aus der Umwelt entfernen. Inzwischen finden sich Spuren in Böden und Gewässern rund um den Globus, im arktischen Eis ebenso wie im Trinkwasser.
Über Nahrung und Wasser landen die Substanzen schließlich auch im menschlichen Körper. „Viele PFAS haben nachgewiesenermaßen gesundheitlich kritische Eigenschaften“, sagt Dr. Holger Brackemann, Leiter des Bereichs Untersuchungen bei der Stiftung Warentest. „Sie können unter anderem das Immunsystem schwächen, Hormonstörungen verursachen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.“

Die Politik hat reagiert, wenn auch in kleinen Schritten. Seit 2021 sind einzelne Verbindungen aus der PFAS-Familie in der EU verboten, weitere Beschränkungen folgten. Derzeit prüfen die zuständigen Behörden ein umfassendes, EU-weites Verbot der gesamten Stoffgruppe. Trotzdem landen die Chemikalien weiter in Produkten – mitunter weit über den zulässigen Grenzwerten, gelegentlich auch in bereits untersagter Form. „Wir bewerten solche Produkte konsequent mit Mangelhaft, sobald wir verbotene PFAS in kritischen Mengen nachweisen“, betont Brackemann. „Das gilt unabhängig davon, wie gut ein Produkt in anderen Kategorien abschneidet.“
Selbst wenn von einem Teil der Verbindungen kein unmittelbares Gesundheitsrisiko für die Endverbraucher ausgeht, verschwinden sie nicht einfach. Über Abrieb, Abwasser und Müll gelangen sie zurück in die Umwelt – und über Umwege wieder auf den Teller. Genau deshalb begrüßt die Stiftung Warentest den politischen Vorstoß für ein generelles Verbot aller Fluorcarbone. „Alles andere ist ein Hase-und-Igel-Spiel: Ein Stoff wird verwendet, dann untersucht, verboten und durch einen ähnlichen schädlichen Stoff ersetzt, bis dieser auch verboten wird“, sagt Brackemann.
Dass es auch anders geht, zeigen die Märkte längst. Bei Pfannen prüft die Stiftung mittlerweile ausschließlich PFAS-freie Modelle mit Keramikbeschichtung. Imprägniermittel ohne Fluorchemie sind im Handel erhältlich. Und auch die aktuellen Untersuchungen zu Babytragen und Sonnenschirmen belegen: Hersteller können verzichten, wenn sie wollen. Die kompletten Testergebnisse erscheinen in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Stiftung Warentest sowie online unter test.de.


















