Esra Limbacher, SPD - Bild: Stephan Bonaventura

Die SPD ist im Aufwind: Einige Wochen vor der Bundestagswahl ist sie in Umfragen sogar stärkste Partei. Gute Karten also für den hiesigen SPD-Direktkandidaten Esra Limbacher, der vor vier Jahren nur ganz knapp am Sieg vorbeischrammte. Im zweiten Anlauf möchte Limbacher den Wahlkreis nun gewinnen. Dabei setzt er ganz auf das Thema Industrie. Wie er die dortigen Arbeitsplätze angesichts des Strukturwandels sichern will und welche Rolle diese beim Kampf gegen den Klimawandel spielen soll, darüber hat Limbacher mit HOMBURG1 gesprochen.

Eines ist für Esra Limbacher spürbar wichtig: Heimat. Zwar ist es nur ein Zufall, doch selbst sein Nachname passt wie die Faust aufs Auge zu seiner Herkunft. Denn Limbacher heißt so wie der Ort, wo er aufgewachsen ist: Limbach in der Gemeinde Kirkel. Kein großer Gedankengang also, um sich gerade diesen Ort für das HOMBURG1-Interview auszusuchen. „Hier auf dem Platz neben der Evangelischen Kirche habe ich schon so manches Fest gefeiert“, erzählt Limbacher.

Es ist ein schöner Ort für ein Gespräch. Eine saftige grüne Wiese, eine schöne Kirche und natürlich deren Glockengeläut. Hier ist die Welt noch in Ordnung, möchte man fast sagen. Wenn da nicht dieses eine Megathema wäre, dass nicht nur viele Arbeitnehmer umtreibt, sondern auch den 32-jährigen Landtagsabgeordneten Limbacher: die Verkehrswende. „Wie keine andere Stadt im Saarland ist Homburg vom Verbrennungsmotor abhängig“, sagt der gelernte Jurist. „Wir brauchen gerade an solchen Standorten eine Zukunftspolitik.“

Für Limbacher bedeutet eine solche Zukunftspolitik aber kurzfristig nicht etwa eine Abschaffung des Verbrennungsmotors, sondern eine Mischung zwischen verschiedenen Antriebsarten. „Klar ist: Wir brauchen die Weiterentwicklung neuer Technologien. Aber von heute auf morgen zu sagen, wir verbieten eine Antriebstechnologie, ergibt überhaupt keinen Sinn.“ So setzt Limbacher vor allem auf staatliche Förderungen, um der Industrie beim Umstieg unter die Arme zu greifen. Limbacher selbst hat in Zusammenarbeit mit der IG-Metall ein eigenes Modell entwickelt, wie man der hiesigen Zuliefererindustrie und den dort beschäftigten Arbeitern helfen könnte. Ein Technologietransformationszentrum soll in Homburg entstehen. „Dort können wir uns um die Ausbildung kümmern, dort können wir uns um die Entwicklung neuer Technologien kümmern.“ So könnten alle Kräfte gebündelt werden.

Klar ist aber auch: Dafür benötigt es im Zweifel Geld. Und auch Aufmerksamkeit für Regionen wie die Saarpfalz. Deutlich merkt man Limbacher während des Gesprächs an, dass ihm gerade die auf Bundesebene fehlt. Nicht umsonst fällt immer wieder der Satz, man müsse um die Industrie in unserer Region kämpfen. Der SPD-Politiker scheut sich auch nicht, drastische Begriffe zu nutzen, um mögliche Zukunftsszenarien bei mangelnder Unterstützung durch den Bund zu beschreiben. Wörter wie „Kahlschlag“ oder „Massenarbeitslosigkeit“ fallen da.

Doch wie bereits angedeutet, führt der Einsatz für die Industrie bei Limbacher nicht dazu, dass er das Problem Klimawandel kleinredet. Vielmehr betont er, dessen Bekämpfung sei eine „Menschheitsaufgabe“. Nun könnte man das als bloße Floskel abtun. Doch wirkt Limbachers Warnung vor dem Klimawandel durchaus glaubwürdig, wenn er über seine Anfänge in der Politik spricht. „Damals bin über den Umwelt- und Friedenstag mit der Politik in Verbindung gekommen. Der Klimawandel war schon damals präsent und ich habe mir gesagt: Da muss was geschehen!“ Dabei bezieht sich Limbacher auch auf die Natur an sich, die „viel besser geschützt“ werden müsse, so zum Beispiel Wälder und Wasservorräte.

In gewisser Weise hängen diese Punkte auch mit einem anderem Thema zusammen, das Limbacher beschäftigt. „Wir müssen die Lebensqualität vor Ort erhalten“, fordert Limbacher. Dazu gehöre es, Vereine besser zu fördern und in die Infrastruktur zu investieren. Außerdem müsse der Verkehrslärm reduziert werden. „Hier bin ich dafür, dass die Kommunen vor Ort selbst entscheiden können, wo Tempo 30 kommt.“ Zumindest in der Limbacher Hauptstraße, neben der Evangelischen Kirche, ist das (noch) nicht der Fall. So hört man auch während des Gesprächs immer wieder mal ein Autos vorbeirauschen. Es wirkt wie eine Erinnerung an die Herausforderungen in der Automobil- und Zulieferindustrie, die Limbacher so umtreiben.

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