Florian Spaniol, DIE LINKE - Bild: Stephan Bonaventura

Fast schon traditionell ist die Linkspartei im Saarland für westdeutsche Verhältnisse sehr stark. Bei der vergangenen Bundestagswahl holte der hiesige Linken-Kandidat beachtliche 11%. Ob Florian Spaniol dieses Ergebnis bestätigen kann, wird sich Ende September zeigen. Punkten möchte der 20-Jährige unter anderem mit den Themen Klimagerechtigkeit und Umverteilung. Wie diese aussehen soll, hat er uns im HOMBURG1-Interview verraten.

Nein, wie ein mit allen Wassern gewaschener Politiker wirkt Florian Spaniol auf den ersten Blick nicht gerade. Jugendliches Gesicht, die doch spürbare Nervosität vor dem HOMBURG1-Inerview – Spaniol könnte auch irgendein x-beliebiger Student sein, der gerade zufällig für eine Umfrage beiseite genommen wurde. Doch der Eindruck täuscht. Denn sobald der 20-Jährige über seine Herzensthemen redet, hört man: Hier tritt ein politisches Talent für die Linkspartei im Bundestagswahlkreis Homburg an.

Denn Reden kann Spaniol, der seit zwei Jahren im Homburger Stadtrat sitzt, in jedem Fall. Und auch die Inhalte, mit denen er die Wähler überzeugen will, sind nach einer knappen halben Stunde Gespräch deutlich geworden. Auch wenn natürlich der Feinschliff bei mancher Formulierung fehlt und bei kritischen Nachfragen doch eine gewisse Unsicherheit spürbar wird. „Mir ist vollkommen bewusst, dass es Leute geben wird, die mir mangelnde Erfahrung vorhalten werden. Aber andere werden auch sagen, dass es gut ist, dass jemand Junges kandidiert. Es ist eben ein zweischneidiges Schwert“, so Spaniol. Natürlich unterscheidet sich Spaniol aber nicht nur durch das Alter von seinen Konkurrenten im Wahlkreis. Sondern hörbar auch bei den Inhalten.

Allen voran beim Thema Kapitalismus. Den möchte Spaniol zwar nicht abschaffen. Aber doch fordert der Student einen demokratischen Sozialismus. „Dabei möchten wir staatlich eingreifen und stark regulieren. Außerdem verteilen wir entsprechend um.“ Der Unterschied zu sozialistischen Diktaturen wie der DDR oder Venezuela laut dem Linken-Politiker: Die Wähler könnten dieses Programm auch wieder abwählen.

Soweit die Theorie. Doch wie würde eine solche Umverteilung eigentlich aussehen? Kurz: durch Steuererhöhungen. So soll es nach dem Willen Spaniols und der Linkspartei eine höhere Einkommenssteuer geben. Außerdem fordern die Linken eine Vermögensabgabe. „Wer mehr als 2,5 Millionen Euro besitzt, muss 10% seines Vermögens abgeben. Diese Zahlung kann über 5 Jahre gestreckt werden.“ So würden laut Spaniol mehrere hundert Milliarden Euro zusammenkommen, mit denen man unter anderem in den Klimaschutz investieren könne.

Bleibt natürlich die Frage nach den Auswirkungen für die zahlreichen Familienunternehmen, deren Vermögen meist nicht auf Konten geparkt ist, sondern in Gebäuden und Maschinen steckt. Darauf angesprochen, versucht der 20-Jährige zu beruhigen. „Dadurch soll niemand in den Bankrott getrieben werden, deswegen auch unter anderem die Streckung der Zahlung. Aber die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander und dagegen muss vorgegangen werden.“

Vielleicht ist Spaniol beim Thema Umverteilung auch deshalb so Feuer und Flamme, weil seine eigene politische Prägung genau mit diesem zusammenhängt. „Mich hat die Ungerechtigkeit in dieser modernen Gesellschaft schon immer berührt“, erzählt Spaniol, dessen Mutter Barbara seit vielen Jahren für die Linkspartei im saarländischen Landtag sitzt. „Früher bin ich oft mitgegangen auf Parteiveranstaltungen und so wurde ich auch links geprägt.“

Links sein bedeutet natürlich auch ein gewisses Vertrauen in die Fähigkeiten des Staates mitzubringen. So möchte Spaniol unter anderem Krankenhäuser, aber auch den öffentlichen Nahverkehr, verstaatlichen. Für Spaniol das einzige Mittel, um den ÖPNV auf dem Land zu einer echten Alternative zu machen. „Es muss in kleinere Busse investiert werden, die in häufigeren Takten fahren. Nur so kriegen wir die Leute bewegt.“ Der Linken-Politiker unterstreicht aber auch, dass das Auto auf Sicht nicht so einfach abgelöst werden wird. „Die Menschen fahren ja damit, weil sie darauf angewiesen sind.“

Deswegen brauche es mit Blick auf den Klimaschutz auch den Umstieg auf alternative Antriebsarten wie Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe. Die Industrie solle bei diesem Wandel mit Förderung unterstützt werden. Gerade eine Region wie die Saarpfalz, die maßgeblich vom Verbrennungsmotor abhängt, brauche Strukturhilfen. „Dazu benötigt es einfach auch Planungssicherheit vom Bund.“ Die möchte Spaniol natürlich am liebsten als Bundestagsabgeordneter selbst mitherstellen. Doch sollte die Wahl in diesem Jahr nicht klappen, hat Spaniol zumindest einen Trumpf auf jeden Fall noch in der Hand: sein Alter. Mit Anfang 20 steht ihm schließlich noch eine lange politische Karriere in Aussicht.

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