Im Saarland lassen sich deutlich zu wenige ältere Menschen gegen Gürtelrose impfen. Darauf weist der aktuelle Arzneimittelreport der Krankenkasse BARMER hin, der jetzt in Saarbrücken vorgestellt wurde. Die Auswertung zeigt, dass viele Menschen mit erhöhtem Risiko trotz klarer Empfehlung der Ständigen Impfkommission noch ungeschützt sind.
Nach den Daten des Reports verfügten im Jahr 2023 nur 18,3 Prozent der saarländischen BARMER-Versicherten ab 60 Jahren über eine vollständige Impfung gegen Gürtelrose. Für diese Altersgruppe liegt eine offizielle Impfempfehlung vor, zudem übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Dennoch bleibt die Quote niedrig. „Per Impfung lässt sich das Risiko einer Gürtelrose-Infektion erheblich verringern. Um die Impfquote zu steigern, müssen künftig alle Menschen mit Anspruch auf eine Gürtelrose-Impfung dazu Informationen in ihrer Hausarztpraxis erhalten“, sagte Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Aus ihrer Sicht sollte außerdem die Prüfung des Impfstatus und die Beratung zu empfohlenen Impfungen fest in den Gesundheits-Check-up integriert werden.
Der Report beleuchtet auch, wie schwer Gürtelrose verlaufen kann. Für über 60-jährige BARMER-Versicherte im Saarland wurden für das Jahr 2023 Erkrankungsraten von 10,6 Fällen pro 1.000 Personen ermittelt. Typisch ist ein bandförmiger, sehr schmerzhafter, einseitiger Hautausschlag mit kleinen, flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Besonders schwerwiegend sind Verläufe mit Beteiligung des Auges: 0,4 von 1.000 Versicherten in dieser Altersgruppe waren davon betroffen, verbunden mit der Gefahr einer Erblindung. Bei 1,4 von 1.000 trat eine postherpetische Neuralgie auf, eine Form der Gürtelrose mit wochen- oder monatelang anhaltenden starken Nervenschmerzen. „Eine Schutzimpfung gegen Gürtelrose ist vor allem für Menschen im höheren und hohen Alter wichtig, da das Erkrankungsrisiko mit dem Alter steigt. Die elektronische Patientenakte sollte künftig eine Funktion aufweisen, die in den Arztpraxen an die Empfehlung einer Gürtelrose-Impfung erinnert“, meinte Kleis. Eine Gürtelrose könne im Extremfall auch tödlich verlaufen.
Neben den älteren Versicherten nimmt der Arzneimittelreport auch die 18- bis 59-Jährigen im Saarland in den Blick. In dieser Gruppe tritt Gürtelrose laut Auswertung nur etwa halb so häufig auf wie bei den über 60-Jährigen. Bisher hatten neben den über 60-Jährigen auch Menschen im Alter von 50 bis 59 Jahren mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes Anspruch auf Kostenübernahme der Impfung durch die gesetzliche Krankenversicherung. „Die Ständige Impfkommission hat aber jüngst entschieden, diesen Anspruch auf chronisch Kranke ab 18 Jahren auszuweiten“, erklärte Kleis. Der Gemeinsame Bundesausschuss, der die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen festlegt, hat nun bis Anfang des Jahres 2026 Zeit, über die Umsetzung zu entscheiden. „Die Gürtelrose-Impfung für chronisch Kranke ab 18 Jahren war schon vor Entscheidung der Ständigen Impfkommission Satzungsleistung bei der BARMER und damit kostenfrei für ihre Mitglieder möglich“, betonte Kleis.
Ein weiterer Schwerpunkt des Reports sind die Hausarztpraxen, in denen die meisten Gürtelrose-Impfungen durchgeführt werden. Die Unterschiede zwischen den Praxen fallen deutlich aus. Bei den über 60-jährigen BARMER-Versicherten im Saarland lagen die Impfquoten in den Jahren 2019 bis 2023 je nach Hausarztpraxis zwischen 0 und 55 Prozent. „Die enormen Unterschiede bei den Gürtelrose-Impfquoten zwischen den saarländischen Hausarztpraxen legen den Verdacht nahe, dass nicht alle Praxen gleichermaßen strukturiert ihren Patientinnen und Patienten Impfangebote unterbreiten. Es darf nicht von der Wahl der Hausarztpraxis abhängen, ob Menschen eine für sie empfohlene Impfung erhalten oder nicht“, unterstrich Kleis.
Aus Sicht der BARMER zeigt der Report damit nicht nur den Handlungsbedarf bei den Impfquoten, sondern auch bei der Organisation in den Praxen. Wie sich Impfungen im Alltag der Hausarztpraxen wirksam und systematisch organisieren lassen, solle daher künftig Teil ärztlicher Fortbildungen sein. Die Krankenkasse verbindet mit den neuen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission und den geplanten Anpassungen im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung die Erwartung, dass mehr Menschen mit erhöhtem Risiko frühzeitig vor Gürtelrose geschützt werden.




















