Scheckübergabe inmitten vieler Interessierter, mit Staatssekretär Sebastian Thul (5.v.l.) und Verbandsvorsteher Frank John (6.v.l.). Foto: Pia Schramm

Rund 25.150 Euro fließen in ein Konzept, das die Schlachtung von Nutztieren im Biosphärenreservat Bliesgau grundlegend verändern könnte. Umweltstaatssekretär Sebastian Thul übergab den entsprechenden Förderbescheid am Dienstag auf dem Bliesberger Hof in Kirkel-Limbach an den Biosphärenzweckverband Bliesgau. Das Geld stammt aus dem EU-Förderprogramm LEADER und soll die Grundlage dafür schaffen, die sogenannte teilmobile Schlachtung in der Region einzuführen – ein Verfahren, bei dem Tiere direkt auf dem Hof betäubt und getötet werden, statt sie über weite Strecken zu einem Schlachthof transportieren zu müssen.

Der Ort der Übergabe war bewusst gewählt. Landwirt Roland Lambert gehört zu jenen Betrieben, die seit der Schließung des Schlachthofs in Zweibrücken nach Alternativen suchen. Vor allem kleinere Höfe und Nebenerwerbsbetriebe stehen seitdem vor einem handfesten Problem: Der nächstgelegene Schlachthof befindet sich im saarländischen Perl, was lange Fahrten und erheblichen logistischen Aufwand bedeutet. Lambert und weitere Landwirte hatten deshalb frühzeitig begonnen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen – und stießen dabei auf das Modell der teilmobilen Schlachtung.

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Die Idee dahinter ist so pragmatisch wie ambitioniert. Eine noch zu gründende Schlachtgenossenschaft soll dafür sorgen, dass Tiere künftig in ihrer gewohnten Umgebung geschlachtet und anschließend zur Weiterverarbeitung in nahegelegene Betriebe gebracht werden. Neben mobilen Lösungen wie Schlachtanhängern wird auch geprüft, ob bestehende regionale Infrastruktur reaktiviert werden kann. Konkret steht der ehemalige Schlachtbetrieb auf dem Geistkircher Hof im Raum, der früher von der Landwirtsfamilie Beck geführt wurde. Das nun geförderte Konzept soll beide Wege durchleuchten und konkrete Investitionsbedarfe sowie rechtliche Rahmenbedingungen aufzeigen.

Landrat und Verbandsvorsteher Frank John ordnete den Förderbescheid als wichtigen Startschuss ein. „Wir haben gesehen, dass die Landwirte bei ihrem Vorhaben Unterstützung benötigen“, sagte er. „Mit dem LEADER-Antrag schaffen wir die Grundlage für ein tragfähiges Konzept, das sowohl wirtschaftliche als auch rechtliche Aspekte beleuchtet.“ Auch Staatssekretär Thul machte deutlich, dass die Landesregierung hinter dem Vorhaben steht, zugleich aber Substanz erwartet: „Wir begrüßen innovative Ansätze für mehr Tierwohl ausdrücklich. Für eine weitergehende Förderung ist jedoch ein belastbares Konzept mit konkreten Zahlen ebenso wichtig und notwendig wie das Engagement einer tragfähigen Gruppe aus Landwirten und Metzgern. Ein erfolgreiches Modell kann dabei als Vorbild für weitere Regionen dienen und strukturelle Verbesserungen anstoßen.“

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Dass die teilmobile Schlachtung als besonders tierwohlgerecht gilt, ist kein Zufall. Tiere, die in vertrauter Umgebung bleiben, erleben deutlich weniger Stress – was sich nach Einschätzung von Fachleuten auch positiv auf die Fleischqualität auswirken kann. Für eine Region wie den Bliesgau, die sich als UNESCO-Biosphärenreservat der nachhaltigen Entwicklung verschrieben hat, passt ein solches Modell ins Gesamtbild.

Der Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes, Dr. Gerhard Mörsch, richtete den Blick bereits auf die nächsten Schritte und machte klar, wo die Verantwortung liegt: „Wir stellen die Ergebnisse der Studie zur Verfügung. Die Umsetzung liegt dann in den Händen der Akteure vor Ort. Gleichzeitig unterstützen wir diesen Prozess weiterhin und freuen uns über Interessierte, die sich bei uns in der Geschäftsstelle melden und sich aktiv einbringen möchten.“ Die Finanzierung des Konzepts teilen sich die Europäische Union über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes mit 80 Prozent und das saarländische Umweltministerium mit den verbleibenden 20 Prozent. Ob aus der Studie am Ende tatsächlich eine funktionierende Schlachtgenossenschaft hervorgeht, hängt nun maßgeblich davon ab, wie viele Landwirte und Metzger sich zusammenfinden und das Vorhaben mittragen.

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