„Sieh zu, dass Du glücklich bist. Schaue nicht zurück, wo der Müll liegt, sondern blicke nach vorn.“ Mit diesem Satz brachte Ingrid Peters am Mittwochabend im vollbesetzten Vin!oh am Homburger Marktplatz auf den Punkt, worum es bei der Talk-Reihe „Altersbilder: neu denken“ geht – um eine Haltung zum Älterwerden, die sich nicht von Defiziten bestimmen lässt, sondern von Neugier und Gestaltungswillen. Die Homburger Akademie für Ältere hatte zum Semesterauftakt die saarländische Sängerin als Gesprächspartnerin eingeladen, und das Publikum dankte es mit restlos belegten Plätzen.
Der Beigeordnete Philipp Scheidweiler eröffnete den Abend und machte deutlich, wie sehr die Kreisstadt hinter dem Format steht. „Die Demographie schreitet voran, das Altern hat noch niemand aufgehalten. Daher sind wir stolz darauf, was die Akademie für Ältere auf die Beine gestellt hat und regelmäßig anbietet. Wir unterstützen diese Arbeit als Stadt sehr gern“, sagte er. Scheidweiler würdigte zudem Gastgeber Giuseppe Nardi, der mit seinem Lokal einen zentralen und angenehmen Rahmen für die Reihe ermögliche. Besonders hob er hervor, dass Moderatorin Barbara Wackernagel-Jakobs nicht nur durch die Gespräche führe, sondern das gesamte Konzept als Ideengeberin entwickelt habe.
Patricia Hans, die gemeinsam mit Wilfried Bohn die Akademie für Ältere verantwortet, erklärte den Grundgedanken der Reihe. Alter und Älterwerden würden gesellschaftlich oft negativ bewertet, doch das müsse keineswegs so sein. Die Akademie wolle Beispiele und Impulse liefern, wie die Jahre zwischen 60 und 90 gelingen können. „Die Forschung zeigt, dass wir besser älter werden, wenn wir Aufgaben haben und unsere sozialen Kontakte pflegen“, betonte Hans. Genau solche Menschen, die tradierte Altersbilder infrage stellen, sollen in der Talk-Reihe zu Wort kommen – Scheidweiler nannte das Programm der Akademie deshalb „am Puls der Zeit“.

Foto: Jürgen Kruthoff
Barbara Wackernagel-Jakobs brachte an diesem Abend ihre ganz persönliche Perspektive mit. Als frühere saarländische Sozialministerin habe sie sich bereits ab Mitte 40 intensiv mit sozialen Themen befasst und sei nun mit 75 Jahren gewissermaßen mit dem Thema Älterwerden selbst älter geworden. Früher habe man zu wenig daran gedacht, das Älterwerden auch positiv zu betrachten – „heute gehen wir anders damit um“, sagte sie. Mit dieser Haltung führte sie durch ein Gespräch, das weit mehr wurde als ein Rückblick auf eine Showkarriere.
Ingrid Peters, die bald 72 wird und eigentlich Lehrerin werden wollte, erzählte offen und mit viel Humor von ihrem Weg. Mit 22 Jahren nahm sie ihre erste Platte auf, gewann früh die Goldene Europa, trat mehrfach beim Eurovision Song Contest an, wurde Dritte beim Seoul-Song-Festival in Südkorea, stand 1983 auf Platz eins der ZDF-Hitparade und erhielt 2007 den Saarländischen Verdienstorden. In ihrer Spitzenzeit absolvierte sie bis zu 280 Auftritte im Jahr. „Ich habe immer alles gegeben und hatte keine Tankstelle“, beschrieb sie die Intensität jener Phase, die sie teilweise an ihre Grenzen brachte.
Doch der Abend drehte sich nicht nur um Glanzmomente. Peters sprach ebenso direkt über Auszeiten, über die Verschiebung von Prioritäten im Lauf des Lebens und über den Umgang mit Krankheiten. Besonders bewegend schilderte sie die enorm fordernde Zeit, in der sie ihren Ex-Mann bis an ihre eigenen Grenzen pflegte. Wie es sei, auf offener Bühne älter zu werden, reflektierte sie dabei stets ehrlich und ohne Verklärung.
Wackernagel-Jakobs konfrontierte ihren Gast auch mit einem Zitat aus einem früheren Interview: „Wenn ich nicht kreativ sein kann, ersticke ich.“ Peters bestätigte das eindrücklich und berichtete, dass sie sich vor gut zehn Jahren noch einen Lebenswunsch erfüllt habe – ein Engagement am Saarländischen Staatstheater. Gleichzeitig nehme sie Anforderungen an, wie sie kommen. Manche Menschen hielten einen nur damit auf, auf Probleme zu blicken, doch das helfe nicht weiter, sagte sie. Stattdessen suche sie sich Aufgaben, an denen sie wachsen könne. Immer wieder beschrieb Peters kleine Glücksmomente aus ihrem Alltag, die ihr neue Energie gäben – und machte damit greifbar, was die Talk-Reihe vermitteln will: dass Älterwerden kein Abstieg sein muss, sondern eine Phase, die sich gestalten lässt.




















