Symbolbild
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Zum Jahresbeginn zeichnet sich in der Saarwirtschaft eine leichte Entspannung ab. Die Unternehmen melden eine etwas bessere Stimmung als noch zum Jahresende, auch wenn von einer echten Trendwende keine Rede ist. Vor allem die Industrie sorgt für vorsichtige positive Signale, während viele Dienstleister eher von einer Eintrübung berichten.

Messbar wird die Entwicklung im IHK-Lageindikator, der um 3,5 Punkte auf nun minus 2,1 Zähler gestiegen ist. Ein solches Niveau war zuletzt vor neun Monaten erreicht worden. Treiber sind insbesondere die Stahlerzeugung, Hersteller von Metallerzeugnissen und Teile des Maschinenbaus, wo die Unternehmen ihre aktuelle Lage spürbar besser einschätzen. Im Dienstleistungssektor hingegen setzte sich die bereits im Dezember einsetzende Abschwächung auch im Januar fort.

Parallel dazu haben sich die Erwartungen für die kommenden Monate etwas aufgehellt. Der IHK-Erwartungsindikator legte um 4,0 Punkte auf minus 11,5 Zähler zu. Die Mehrheit der Betriebe bleibt dennoch zurückhaltend, was die Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr angeht. „Die Saarwirtschaft ist robust ins neue Jahr gestartet – ein selbsttragender Aufschwung ist aber weiterhin nicht in Sicht. Denn die entscheidenden Rahmenbedingungen für Investitionen und Konsum sind unverändert schwach“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé. Fehlendes Vertrauen, mangelnde Verlässlichkeit und geringe Planungssicherheit bremsten privates Kapital aus, so Thomé.

Er verwies zudem auf wachsende geoökonomische Spannungen, insbesondere im transatlantischen Verhältnis, und „erratische politische Signale“, die Erwartungen und Entscheidungen zunehmend belasteten. „Das Ergebnis ist absehbar: Unternehmen verschieben Investitionen, Konsum bleibt gedämpft, Wachstum wird ausgebremst“, erklärte Thomé. Nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung entstünden in einem solchen Umfeld nicht durch zusätzliche staatliche Ausgabenprogramme, sondern durch eine starke Angebotsseite. „Subventionen können Zeit kaufen – sie ersetzen aber keine Wettbewerbsfähigkeit.“ Die Bundesregierung müsse „jetzt den Schalter umlegen und konsequent in den Gestaltungs- und Reformmodus wechseln: Wettbewerbsfähigkeit stärken, Bürokratie entschlossen abbauen, Verfahren deutlich beschleunigen sowie Kosten- und Abgabenlasten spürbar senken“. Entscheidend sei nicht die Ankündigung, sondern eine schnelle und verlässliche Umsetzung. Bleibe dieser Kurswechsel aus, verliere der Standort an Substanz und Einfluss, politisch wie ökonomisch. „Wer jetzt weiter zögert, nimmt schleichende Deindustrialisierung und Wohlstandsverluste in Kauf. Angesichts der weltpolitischen Lage und der wachsenden geoökonomischen Spannungen ist weiteres Zaudern keine Option.“ An der Januar-Umfrage der IHK Saarland hatten sich rund 300 Unternehmen mit gut 90.000 Beschäftigten beteiligt.

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Ein Blick in die Branchen zeigt ein Bild der fragilen Stabilisierung. Insgesamt bewerten derzeit 21 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, 56 Prozent als befriedigend und 23 Prozent als schlecht. Im Verarbeitenden Gewerbe bleibt die Lage trotz punktueller Aufhellungen überwiegend nur befriedigend. Von einem durchgreifenden Aufschwung könne keine Rede sein, heißt es. Besonders in der Automobilzulieferindustrie, in den Gießereien und im Stahlbau ist die Situation vielfach weiterhin angespannt, der Anpassungs- und Kostendruck bleibt hoch.

Im Dienstleistungsgewerbe berichten 75 Prozent der Betriebe von guten oder befriedigenden Geschäften. Deutlich dynamischer als andere Bereiche präsentiert sich die IT-Branche. Banken und Versicherungen, unternehmensnahe Dienstleister sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe melden überwiegend eine befriedigende Lage. Im Transportgewerbe schlagen die Schwäche der Industrie und geringere Transportmengen zunehmend durch. Im Handel sorgt die anhaltende Konsumzurückhaltung bei gleichzeitig hohen Kosten für ein uneinheitliches Stimmungsbild.

Auch der Blick nach vorn unterstreicht, wie brüchig die konjunkturelle Erholung ist. Für die kommenden sechs Monate rechnen lediglich 6 Prozent der Unternehmen mit besseren, 17 Prozent mit schlechteren Geschäften. Die große Mehrheit von 77 Prozent erwartet eine stagnierende Entwicklung. Thomé verweist darauf, dass zwar für dieses Jahr wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum prognostiziert werde, dies aber nicht über die Probleme vieler Betriebe hinwegtäusche. „Allerdings darf das niemanden beruhigen, denn viele Unternehmen stehen weiterhin unter massivem Kosten- und Ertragsdruck. Was gesamtwirtschaftlich an Aufschwung sichtbar wird, ist zudem häufig fiskalisch getrieben: Schuldenfinanzierte Programme und temporäre Nachfrageimpulse können ein Strohfeuer erzeugen, aber sicher keine Trendwende.“

Eine dauerhafte Erholung sei aus Sicht der IHK nur mit Strukturreformen auf der Angebotsseite möglich. „Dauerhaftes Wachstum und steigender Wohlstand setzen voraus, dass sich unternehmerisches Risiko wieder lohnt, Investitionen sich rechnen und Innovationen im Wettbewerb durchschlagen“, so Thomé. Dafür brauche es wettbewerbsfähige Steuern, verlässliche und berechenbare Rahmenbedingungen sowie eine spürbare Entlastung bei Bürokratie, Energie- und Standortkosten und bei Abgaben. „Deutschland braucht jetzt eine Wachstums- und Wohlstandsagenda – nicht die nächste Runde kurzfristiger Impulse. Die Bundesregierung muss nun schnell und messbar liefern: starke Anreize für Innovation, Investitionen, Arbeit und Unternehmertum.“

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