Foto: Max Grummel
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„Wir sind nicht am Ende unserer Kräfte. Aber wir sind am Limit. Es ist nicht mehr fünf vor zwölf – es ist zwei vor zwölf.“ Mit diesen Worten brachte Gersheims Bürgermeister Michael Clivot am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ auf den Punkt, was viele Rathäuser derzeit umtreibt. Vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung machte er deutlich, dass die finanzielle und personelle Belastung kommunaler Ebenen längst kritische Dimensionen erreicht hat.

Der Aktionstag, an dem sich auch Gersheim beteiligte, rückt eine wachsende Schieflage in den Mittelpunkt: Bund und Länder übertragen immer mehr Aufgaben auf die Kommunen, doch die Umsetzung muss vor Ort gestemmt werden – in Verwaltungen, Kitas, Bauhöfen und Feuerwehren. Vom Ganztagsausbau über Digitalisierung und Integration bis hin zu Klima- und Katastrophenschutz reicht die Liste der Pflichten, die das tägliche Geschäft prägen.

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Wie angespannt die Lage in Gersheim tatsächlich ist, zeigt ein Blick in die Kasse. Für das laufende Jahr wird die Gemeinde ein Defizit von mehr als zwei Millionen Euro ausweisen. Hauptverantwortlich dafür sind die erneut gestiegene Kreisumlage und rückläufige Landeszuweisungen. Während die Umlage im Jahr 2020 noch bei rund 4,5 Millionen Euro lag, wird sie 2026 voraussichtlich auf etwa sechs Millionen Euro klettern – ein Anstieg, der den Handlungsspielraum spürbar einengt.

„Die finanziellen Spielräume werden immer kleiner. Uns fehlen Mittel für Investitionen ebenso wie für zusätzliches Personal“, erklärte Clivot. Längst stehe die Verwaltung im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft und müsse attraktive Arbeitsplätze bieten, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Eigene Mittel für Investitionen seien praktisch nicht mehr vorhanden – Modernisierung von Schulen, Ausbau von Kindertagesstätten oder Anschaffungen für die Feuerwehr ließen sich nur noch über Förderprogramme und Sonderkredite stemmen.

Genau hier liegt für Clivot ein strukturelles Problem. „Für die Unterstützung durch Förderprogramme sind wir dankbar. Dauerhaft dürfen Fördermittel und Sonderkredite aber nicht die Grundlage kommunaler Entwicklung sein.“ Kommunen müssten wieder in die Lage versetzt werden, eigenständig zu gestalten und zu investieren, statt von Projekt zu Projekt zu denken. Die Botschaft richte sich ausdrücklich nicht gegen die Bürgerinnen und Bürger, betonte er. Im Gegenteil: Es gehe um die Sicherung dessen, was den Alltag trägt – von Schulen und Kitas über Straßen und Spielplätze bis hin zu Feuerwehr, Ehrenamt, Kultur und Vereinsleben.

Einen Dank richtete der Bürgermeister an die eigene Belegschaft. Trotz knapper Ressourcen und stetig wachsender Anforderungen leisteten die Beschäftigten der Gemeinde jeden Tag hervorragende Arbeit. „Ihr Engagement ist die Grundlage dafür, dass unsere Gemeinde funktioniert“, so Clivot. Die Quintessenz des Aktionstages fasste er knapp zusammen: Wer leistungsfähige Verwaltungen und starke Kommunen wolle, müsse diese auch angemessen finanzieren – bevor aus zwei vor zwölf eine Minute zu spät werde.

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