Vier historische Bauwerke laden am 13. September in St. Ingbert zum Erkunden ein. Anlass ist der bundesweite Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ steht. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz rückt damit jene Orte ins Licht, an denen Menschen einst zusammenkamen, Waren tauschten oder gemeinsam arbeiteten.
Gerade die technische Infrastruktur zeigt, wie eng Gesellschaft und Bauwerk in der Vergangenheit verwoben waren. Im Saarland spiegeln die geöffneten Denkmäler diesen Gedanken auf ganz unterschiedliche Weise wider – vom Handelsnetz über Gemeinden bis hin zu Künstler- und Verteidigungsstrukturen. In St. Ingbert lässt sich diese Bandbreite an einem einzigen Tag nachvollziehen.
Ein Höhepunkt ist die katholische Pfarrkirche St. Josef an der Prälat-Goebel-Straße 1. Die neofrühgotische Stufenhalle entstand zwischen 1890 und 1893 nach Plänen des Kirchenbaumeisters Ludwig Becker und gilt als größte Kirche des Bistums Speyer im Saarland. Ein Großbrand hatte das Gotteshaus 2007 schwer beschädigt; bei der Instandsetzung wurde die ursprüngliche Farbigkeit von Altären und Ausstattung wiederhergestellt. Um 11 und 14 Uhr führt Ingo Sehn durch Dachstuhl und Glockenturm, ergänzend erläutert Klaus Daub um 14 Uhr den Wiederaufbau nach dem Brand.
Wer sich für den Wandel eines Gebäudes im laufenden Prozess interessiert, ist bei der Ludwigschule in der Theresienstraße 9 richtig. Das 1910 nach Plänen von Stadtbaumeister Georg Dietmayr fertiggestellte Haus steht wegen seines architektonischen und künstlerischen Werts sowie seiner städtebaulichen Lage unter Denkmalschutz. Derzeit wird der Altbau denkmalgerecht saniert und um einen Neubau für Ganztagsschule und Verwaltung ergänzt. Eine zentrale „Schulische Mitte“ soll künftig Alt- und Neubau verbinden. Die Führung um 10 Uhr dauert rund zwei Stunden, festes Schuhwerk ist wegen der Baustelle Pflicht. Eine Anmeldung unter mschell@st-ingbert.de oder Telefon 06894 13-781 ist erforderlich.
Ein Stück Industriegeschichte erzählt der Beckerturm in der Kaiserstraße 170. Die 1877 von den Gebrüdern Becker gegründete Brauerei erhielt zwischen 1925 und 1927 ihr markantes Sudhochhaus nach Entwürfen von Hans Herkommer. Erhaltene Anlagenteile im Sudhaus und Nebengebäude wie die Schwankhalle geben Einblick in den Betrieb einer der einst modernsten Brauereien der Region. Führungen starten um 11 und 14 Uhr am Eingang des Turms und dauern etwa eine Stunde. Anmeldungen laufen über info@innovationspark.com oder Telefon 06894 1030.
Den Bogen zur Schwerindustrie schlägt schließlich das Eisenwerk mit der Siedlung Alte Schmelz an der Alleestraße. Der 1733 gegründete und ab 1804 im Besitz der Familie Krämer stehende Betrieb zählte zu den bedeutendsten der Westpfalz. Die erhaltenen Werkhallen und Arbeiterhäuser wurden nach historischen Befunden saniert. Nach Jahren kultureller Nutzung unter kommunaler Trägerschaft werfen neue, wirtschaftlich ausgerichtete Konzepte heute Fragen auf. Geöffnet ist von 10 bis 16 Uhr, Dr. Susanne Nimmesgern führt um 11 und 14 Uhr, Treffpunkt ist der MINT-Campus.




















