Wie verändern TikTok, Instagram und Co. die Psyche junger Menschen – und wo muss Politik eingreifen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Fachveranstaltung, zu der das saarländische Sozialministerium gemeinsam mit dem Bildungsministerium am Donnerstag in den Saarrondo geladen hatte. Der Titel ließ keinen Zweifel an der Dringlichkeit: „Digitale Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“.
Seit rund 15 Jahren prägen digitale Medien den Alltag heranwachsender Generationen. Soziale Netzwerke ordnen, wie kommuniziert wird, wie Identität entsteht und wie Zugehörigkeit funktioniert. Längst hat das Thema die Fachkreise verlassen und ist in der gesellschaftlichen Debatte angekommen – ein Anlass, an dem das Saarland nun mit einer eigenen Plattform anknüpfte.
Kinder- und Jugendminister Magnus Jung machte deutlich, dass er wenig von einer reinen Verbotsdebatte hält. „Digitale Medien gehören mittlerweile zum Alltag. Entscheidend ist deshalb nicht ein pauschales Verbot, sondern eine verantwortungsvolle, altersgerechte Nutzung“, sagte er. In der frühen Kindheit brauche es bildschirmfreie Räume, später dann Begleitung und gezielte Medienbildung. Bei sozialen Medien sieht Jung jedoch besonderen Handlungsbedarf: Dort träfen junge Menschen auf kommerzielle Interessen, manipulative Mechanismen und erhebliche Risiken. Notwendig seien daher „klare Regulierungen, wirksame Altersstandards und eine konsequente Umsetzung des europäischen Jugendmedienschutzes“.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot rückte die psychischen Folgen in den Vordergrund. Druck, ständige Vergleiche, permanente Erreichbarkeit – all das hinterlasse Spuren. „Umso wichtiger ist es, jungen Menschen zuzuhören, ihre Erfahrungen ernst zu nehmen und sie an der Gestaltung digitaler Räume zu beteiligen“, betonte sie. Medienkompetenz solle Kinder und Jugendliche befähigen, sich „sicher, kritisch und selbstbestimmt in digitalen Räumen zu bewegen“. Im Saarland werde Medienbildung deshalb von Anfang an verbindlich gefördert.
Fachlichen Tiefgang lieferte ein Impulsvortrag von Prof. Dr. Eva Möhler. Im anschließenden Fachgespräch diskutierten beide Ministerinnen und Minister gemeinsam mit dem Kinderschutzbeauftragten Kai Fisch sowie Hannah Meuler, Vorsitzende des Landesjugendrings, über Wege, Familien und Fachkräfte besser zu unterstützen.
Konkrete Ergebnisse präsentierte das Sozialministerium bereits: Gemeinsam mit der Landesmedienanstalt, dem Kompetenzzentrum Kinderschutz und den Koordinatorinnen und Koordinatoren der Frühen Hilfen wurden neue Informationsmaterialien für Eltern und Fachkräfte entwickelt. Herzstück ist der Flyer „Nähe statt Bildschirm“, der bewusst auf belehrende Töne verzichtet und in einfacher Sprache Orientierung gibt. Er ermutigt Eltern, die Bildschirmzeit im Kleinkindalter gering zu halten – und auch den eigenen Medienkonsum zu hinterfragen.
Im September folgen Schulungen für Fachkräfte, die im täglichen Kontakt mit Familien sicherer beraten sollen. Ziel ist ein altersgerechter Medienumgang, der nicht erst in der Pubertät einsetzt, sondern bereits in den ersten Lebensjahren mitgedacht wird. Die neuen Materialien stehen ab sofort online unter www.saarland.de/bildschirmfrei für Eltern und Fachkräfte bereit.


















