Ein Video aus einem fernen Krisengebiet, ein Screenshot mit angeblicher Politiker-Aussage, eine alarmierende Warnung im Eltern-Chat: Was davon stimmt eigentlich? Die Antwort auf diese Frage fällt einem wachsenden Teil der Bevölkerung zunehmend schwer. Neun von zehn Menschen in Deutschland sind nach eigener Aussage bereits auf Fake News gestoßen – und jeder Zweite hat solche Inhalte sogar selbst weitergegeben, obwohl Zweifel am Wahrheitsgehalt bestanden. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom hervor, für die 1.006 Personen ab 16 Jahren telefonisch interviewt wurden.

Die Zahlen zeichnen das Bild einer verunsicherten Öffentlichkeit. 63 Prozent der Befragten halten es grundsätzlich für schwierig, die Verlässlichkeit von Nachrichten einzuschätzen. 41 Prozent stoßen häufig auf Inhalte, bei denen sie nicht wissen, ob diese stimmen. Besonders auffällig ist der Vergleich mit früheren Erhebungen: Während 2023 noch 21 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer angaben, nie mit Fake News in Berührung gekommen zu sein, sind es heute nur noch zwei Prozent. Selbst unter denjenigen, die das Internet gar nicht nutzen, berichten 72 Prozent von entsprechenden Begegnungen.

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„Desinformationen verzerren den öffentlichen Diskurs, beschädigen unsere Demokratie und verunsichern viele Menschen zutiefst“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Mit KI-generierten Deepfakes sei eine neue Stufe der Täuschung erreicht. Drei Viertel der Befragten kennen den Begriff inzwischen, vor zwei Jahren waren es erst 56 Prozent. 61 Prozent sind solchen manipulierten Inhalten nach eigener Wahrnehmung schon begegnet – meist als Video, häufig auch als Bild. 89 Prozent halten Deepfakes für gefährlich, doch nur 34 Prozent trauen sich zu, sie zuverlässig zu erkennen.

Welche Themen besonders anfällig sind, zeigt die Befragung ebenfalls deutlich. An der Spitze stehen die USA und die amerikanische Politik mit 74 Prozent, gefolgt von Kriegen und internationalen Konflikten mit 63 Prozent sowie Wirtschaft und Preisen mit 58 Prozent. Doch Falschinformationen beschränken sich längst nicht auf die große Politik. 51 Prozent registrieren sie im Bereich Prominente und Unterhaltung, 41 Prozent bei Migration, 40 Prozent bei Kriminalität. Auch Gesundheit, Klima sowie der Themenkomplex Kinder und Schule tauchen regelmäßig auf – also genau jene Inhalte, die in Eltern- und Familiengruppen rasch die Runde machen.

Entsprechend deutlich fällt der Ruf nach Konsequenzen aus. 87 Prozent derjenigen, die mit Fake News konfrontiert sind, wollen die wissentliche Verbreitung unter Strafe gestellt sehen, 84 Prozent fordern dies auch für die Urheber. Noch breiter ist die Zustimmung zur Aufklärung: 85 Prozent plädieren dafür, dass Kinder in der Schule lernen, Desinformation zu erkennen, 71 Prozent möchten gezielte Angebote für ältere Menschen ohne digitale Vorbildung. „Medienbildung gehört auf den Lehrplan, und das nicht nur in der Schule“, betont Rohleder. Lifelong Learning sei gerade in diesem Bereich unverzichtbar.

Dass die Herausforderung wachsen dürfte, hängt auch mit den veränderten Nachrichtengewohnheiten zusammen. 89 Prozent der Internetnutzerinnen und Internetnutzer sind auf Social-Media-Plattformen aktiv, bei den 16- bis 29-Jährigen sogar 98 Prozent. Facebook bleibt mit 74 Prozent Spitzenreiter, gefolgt von Instagram, TikTok und Pinterest. Knapp zwei Drittel können sich ein Leben ohne soziale Medien nicht mehr vorstellen. Gleichzeitig empfinden 25 Prozent die Nutzung als belastend, und 60 Prozent beklagen das Streitklima in den Netzwerken.

Gerade die Jüngeren steigen über diese Kanäle in die Nachrichtenwelt ein: 47 Prozent der unter 30-Jährigen kommen über Social Media erstmals mit aktuellen Informationen in Kontakt, 38 Prozent über Messenger. Bei den über 65-Jährigen dominiert dagegen weiterhin das Fernsehen mit 91 Prozent. Die Hälfte aller Social-Media-Nutzer räumt ein, manchmal nicht zu wissen, wer eigentlich hinter einer Information steht. Für Bitkom ist die Schlussfolgerung klar: Politik, Plattformen und Zivilgesellschaft müssten gemeinsam handeln – mit verpflichtender Medienbildung, technischen Prüfwerkzeugen, digitalen Herkunftsnachweisen wie dem C2PA-Standard und praktikablen Regeln, die Echtes von Unechtem unterscheidbar machen.

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