Die Bundeswehr hat im ersten Quartal 2026 insgesamt 2.020 Auftritte an Schulen und Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland absolviert – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Gesamtjahr 2025, in dem die Streitkräfte noch 5.617 solcher Veranstaltungen durchführten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Nicole Gohlke hervor, die am 25. März 2026 eingereicht wurde.
Bayern sticht in der Statistik mit Abstand heraus. Allein dort fanden zwischen Januar und März 562 Schulbesuche statt, mehr als ein Viertel aller bundesweiten Auftritte. Davon entfielen 206 auf Schulen der Sekundarstufe I, 179 auf die Sekundarstufe II und 176 auf Berufsschulen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es in Bayern 1.094 Termine. Hochgerechnet auf vier Quartale könnte der Freistaat dieses Niveau also erneut erreichen oder sogar übertreffen.
Auf Platz zwei folgt Nordrhein-Westfalen mit 291 Auftritten, dicht gefolgt von Niedersachsen mit 269 und Baden-Württemberg mit 219. In diesen vier bevölkerungsreichsten Bundesländern konzentriert sich damit der Großteil der Aktivitäten. Auffällig ist, dass in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die Besuche an Schulen der Sekundarstufe II besonders stark vertreten sind – mit 128 beziehungsweise 133 Terminen liegen sie dort jeweils deutlich über den Zahlen für die Sekundarstufe I.
Der Landesvorsitzende Florian Spaniol kritisiert diese Entwicklung scharf: „Die Bundeswehr intensiviert ihre Werbung gezielt bei jungen Menschen. Das ist kein Zufall, sondern Teil strategischer Nachwuchsgewinnung. Die Bundeswehr hat an Schulen aber nichts verloren. Minderjährige werden von der Bundeswehr nicht neutral informiert, es wird faktisch für den Dienst an der Waffe geworben. Einsätze der Bundeswehr an Schulen widersprechen unserer Auffassung nach dem Überwältigungsverbot nach dem Beutelsbacher Konsens. “
Besonders problematisch ist aus Sicht der Linken Saar die verstärkte Präsenz in der Sekundarstufe II, also genau dort, wo junge Menschen wichtige Entscheidungen über ihre berufliche Zukunft treffen. „Bildungseinrichtungen dürfen nicht zu Rekrutierungsorten der Bundeswehr werden“, so Spaniol weiter. „Gerade in diesen sensiblen Lebensphasen braucht es unabhängige Orientierung, keine einseitige Einflussnahme durch militärische Akteure. Die Linke Saar fordert daher ein klares Werbeverbot für die Bundeswehr an saarländischen Schulen. Stattdessen muss die politische Bildung gestärkt und zivile Perspektiven in den Vordergrund gestellt werden.“
In den ostdeutschen Bundesländern zeigt sich ein differenziertes Bild. Während Sachsen-Anhalt und Thüringen mit jeweils 59 Auftritten auf vergleichbarem Niveau liegen, kommt Brandenburg auf 55 und Sachsen lediglich auf 35. Besonders markant ist der Rückgang in Sachsen: Dort hatte die Bundeswehr 2025 noch 354 Schulbesuche verzeichnet. Ob sich die Zahlen im Jahresverlauf noch angleichen oder ob hier ein struktureller Trend sichtbar wird, bleibt abzuwarten. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete 37 Auftritte, wobei dort drei davon in die Kategorie sonstiger Bildungseinrichtungen fielen – darunter etwa Volkshochschulen, kirchliche Bildungszentren oder Förderschulen.
Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen spielen in der Gesamtstatistik eine untergeordnete Rolle. Berlin kommt auf 63 Termine, Hamburg auf 39 und Bremen auf gerade einmal fünf. Auch das Saarland bleibt mit 15 Auftritten am unteren Ende der Skala. In Hessen wurden 110 Besuche gezählt, in Rheinland-Pfalz 137 und in Schleswig-Holstein 60.
Die Anfrage der Linken-Politikerin Gohlke zielt auf Transparenz über die Präsenz der Bundeswehr im Bildungsbereich. Die Streitkräfte nutzen Schulbesuche seit Jahren als Instrument der politischen Bildung und der Nachwuchsgewinnung. Jugendoffiziere informieren dabei über sicherheitspolitische Themen, Karriereberater werben für den Dienst bei der Truppe. Kritiker sehen darin eine problematische Vermischung von Bildungsauftrag und Rekrutierung, Befürworter verweisen auf das Recht junger Menschen, sich umfassend über staatliche Institutionen zu informieren.
Ob die Quartalszahlen auf ein gleichbleibendes, steigendes oder sinkendes Jahresniveau hindeuten, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilen. Die Erfahrung vergangener Jahre zeigt, dass die Zahl der Schulbesuche im zweiten Halbjahr regelmäßig höher ausfällt als in den ersten Monaten. Die Antwort auf Gohlkes Anfrage dürfte die politische Debatte über Bundeswehrauftritte an Schulen gleichwohl erneut befeuern.





















