Drei Vollzeitstellen für zwei Jahre, finanziert aus Spendengeldern, die Mitarbeitende buchstäblich erradelt haben – mit dieser ungewöhnlichen Förderung stärkt die Globus-Stiftung die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. Das Geld fließt in drei Präventionsprojekte, die psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen helfen sollen, bevor eine stationäre Aufnahme überhaupt nötig wird. „Junge Menschen sind die Zukunft unserer Gesellschaft, jeder investierte Cent wird sich um ein Vielfaches zurückzahlen“, sagte Graciela Bruch, Vorstandsvorsitzende der Globus-Stiftung, bei einem Besuch der Klinik Mitte April.
Die in St. Wendel ansässige Stiftung engagiert sich seit mehr als 20 Jahren für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen. Ihre Satzung stellt dabei ausdrücklich Innovation und regionale Wirkung in den Mittelpunkt. Genau dort setzt die Homburger Klinik unter der Leitung von Prof. Dr. Eva Möhler an: Ihr Team entwickelt und erforscht Programme, die vulnerable junge Menschen gezielt erreichen – nicht nur innerhalb der Klinikmauern, sondern auch in Kinderheimen, Jugendwohngruppen und vergleichbaren Einrichtungen. Dass Stiftungsziel und klinische Arbeit so eng zusammenpassen, machte die Kooperation möglich. „Wir sehen das große Engagement und möchten diese wichtige Initiative mit finanzieller Unterstützung stärken“, erklärte Bruch.
Gemeinsam mit Vorstandskollege Michael Ipfling verschaffte sie sich vor Ort einen Eindruck von der Projektarbeit. Die Mittel stammen aus der jährlichen Aktion „Globus radelt“, bei der jeder von Beschäftigten der Globus Markthallen, Baumärkte, der Logistik und der Koordinationen gefahrene Kilometer einen Euro in den Spendentopf bringt. Konkret werden zwei psychotherapeutische und eine sporttherapeutische Stelle über 24 Monate finanziert. Das Personal wird vor allem aufsuchend arbeiten – also direkt dorthin gehen, wo die Kinder und Jugendlichen leben.
Drei Projekte profitieren von der Förderung. Das Programm Move-it setzt auf niedrigschwellige Bewegungsangebote, die sich mit minimalem Material in den Alltag integrieren lassen. Zahlreiche Studien belegen, dass Sport bei Kindern und Jugendlichen mindestens ebenso antidepressiv wirkt wie medikamentöse Behandlung. Zudem regt Bewegung im kindlichen Gehirn die Ausschüttung eines Stoffes an, der die neuronale Entwicklung fördert. Was sich im klinischen Rahmen bereits bewährt hat, soll nun auch Jugendlichen in kooperierenden Jugendhilfe-Einrichtungen zugutekommen.
Das zweite Projekt, Emo-Teens, baut auf dem seit 2016 im Saarland entwickelten Programm START auf. Diese Kurzintervention zur Stärkung von Stressresilienz und Emotionsregulation wird inzwischen europaweit in zahlreichen Kliniken eingesetzt. Sie gilt als schnell wirksam und spielerisch angelegt, was sie besonders geeignet für die aufsuchende Arbeit macht. Emo-Teens richtet sich speziell an Bewohnerinnen und Bewohner von Jugendwohngruppen und kann im besten Fall verhindern, dass eine psychiatrische Aufnahme erforderlich wird.
Mit CalmKids kommt ein drittes Projekt hinzu, das ebenfalls auf START basiert – in der Version START-Kids, zugeschnitten auf Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Dank der Stiftungsgelder erreicht es nun auch Kinder mit Gewalterfahrungen oder dem Verlust von Bezugspersonen in externen Einrichtungen. Auch hier steht das Ziel im Vordergrund, stationäre Behandlungen durch frühzeitige Prävention zu vermeiden.
Sämtliche geförderten Projekte werden wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Mittelfristig strebt die Klinik eine Bundesfinanzierung an – ein Anliegen, das angesichts des erheblichen kinderpsychiatrischen Versorgungsengpasses in ganz Deutschland Gewicht hat. „Wir danken der Globus-Stiftung sehr dafür, dass der entscheidende Grundstein dazu gelegt wurde, indem der Beginn und der Wirksamkeitsnachweis ermöglicht werden“, betonte Möhler. Die präventive Bedeutung spielerischer und resilienzfördernder Ansätze für die Ressourcenstärkung bei vulnerablen Kindern sei groß – und diese Ansätze sollten dringend genutzt werden.
















