Hamburg verteidigt seinen Titel als digitalstes Bundesland Deutschlands – und das mit deutlichem Vorsprung. Der Bitkom Länderindex 2026, den der Digitalverband am 6. Mai in Berlin vorstellte, zeichnet allerdings ein weit differenzierteres Bild als eine bloße Rangliste: Die digitalen Stärken verteilen sich regional höchst unterschiedlich, und ausgerechnet das kleinste Flächenland sorgt für die größte Überraschung.
Mit 70,3 von 100 möglichen Punkten setzt sich die Hansestadt erneut klar an die Spitze. Dahinter folgen Berlin mit 63,8 und Hessen mit 63,7 Punkten. Bayern landet auf Rang vier (62,6 Punkte), Baden-Württemberg komplettiert die Top fünf mit 61,8 Punkten. Für die Erhebung wurden alle 16 Landesregierungen befragt, amtliche Statistiken und Drittstudien ausgewertet sowie mehr als 5.600 Bürgerinnen und Bürger repräsentativ befragt. 30 Indikatoren in vier Kategorien – Governance und Verwaltung, Digitale Infrastruktur, Digitale Wirtschaft sowie Digitale Gesellschaft – bilden das Fundament des Rankings.
Der eigentliche Hingucker des Jahrgangs 2026 ist das Saarland. Von Platz zwölf im Index 2024 katapultierte sich das Land auf Rang sechs und erreicht in der Kategorie Digitale Gesellschaft sogar den ersten Platz bundesweit. Der Schlüssel dazu liegt im Klassenzimmer: In allen Schulformen sind mindestens sechs Pflichtstunden Informatik verankert, fünf Prozent der Lehrkräfte unterrichten das Fach – gegenüber drei Prozent im Bundesdurchschnitt. Hinzu kommt der Spitzenwert bei der Gigabitversorgung an Schulen. „Das Saarland zeigt beispielhaft, dass digitale Fortschritte nicht allein von Größe und Geldbeutel abhängen. Wer gezielt in digitale Bildung investiert und politische Prioritäten setzt, kann die Digitalisierung schnell nach vorne bringen“, sagte Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Hamburg verdankt seine Spitzenposition vor allem der starken digitalen Wirtschaft und Infrastruktur. Glasfaser- und Gigabitversorgung sind überdurchschnittlich ausgebaut, der Anteil an IT-Unternehmen und IT-Fachkräften liegt weit über dem Bundesschnitt. Berlin behauptet Platz zwei dank seiner lebendigen Startup-Szene und der hohen Dichte an IT-Firmen. Hessen wiederum kletterte von Rang fünf auf drei und führt die Kategorie Governance und Verwaltung an. Bei der digitalen Infrastruktur profitiert das Land massiv von der Rechenzentrumsleistung im Raum Frankfurt am Main.
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die regionalen Muster. Im Norden dominieren Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen bei der digitalen Infrastruktur – Glasfaser- und Gigabitnetze sind dort besonders weit ausgebaut. Der Süden punktet dagegen bei der digitalen Wirtschaft und wird nur von Hamburg und Berlin übertroffen. Die ostdeutschen Länder wiederum setzen bei digitaler Teilhabe und Bildung Akzente, die im Gesamtranking noch nicht voll durchschlagen. Mecklenburg-Vorpommern erreicht in der Kategorie Digitale Gesellschaft Platz zwei, Sachsen Platz drei, Thüringen Platz vier – obwohl alle drei im Gesamtklassement auf den hinteren Rängen stehen. In Sachsen unterrichten neun Prozent der Lehrkräfte Informatik, in Mecklenburg-Vorpommern sind sechs Pflichtstunden an allen Schulformen Standard. „Der Osten legt mit seinen Aktivitäten zur digitalen Bildung die Grundlagen für eine künftig stärkere digitale Wirtschaft in der Region“, betonte Wintergerst.
Am Ende des Rankings finden sich Sachsen-Anhalt mit 52,4 Punkten sowie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern, die sich mit jeweils 51,1 Punkten den 15. Platz teilen. Der Abstand zur Spitze beträgt damit fast 20 Punkte – ein Beleg dafür, wie weit die digitale Schere innerhalb Deutschlands noch auseinanderklafft.
Was die Vorreiter gemeinsam haben, lässt sich laut Bitkom klar benennen: überdurchschnittliche Wirtschaftsleistung, hohe Bevölkerungsdichte, eine starke Hochschullandschaft und gezielte politisch-institutionelle Weichenstellungen. Eigenständige Digitalministerien, Digitalkabinette, ein Digitalcheck für neue Gesetze oder Digitalstrategien mit öffentlichem Fortschrittsbericht gehören zum Werkzeugkasten erfolgreicher Länder. Der Verband empfiehlt unter anderem, Informatik als Pflichtfach ab der Sekundarstufe I einzuführen, Lehrkräfte gezielt weiterzubilden und digitale Kompetenzangebote etwa in Bibliotheken und Volkshochschulen auszubauen. In der Verwaltung brauche es ein Beschleunigungsbudget für digitale Maßnahmen und mehr Tempo beim Online-Zugangsgesetz.
Wintergerst richtete zudem einen deutlichen Appell an die föderale Zusammenarbeit: „Damit die Verwaltung in Deutschland digital besser funktioniert, müssen Bund und Länder auch technisch enger zusammenarbeiten. Vor allem sollten die Länder mehr voneinander lernen. Wenn jedes Land sein eigenes System baut, wird es kompliziert, teuer und langsam.“ Der sogenannte Deutschland-Stack, zu dem sich die Länder bekannt haben, könne der digitalen Verwaltung den nötigen Schub verleihen und ein gemeinsames, modernes Fundament schaffen. Gleichzeitig verwies er auf bestehende Spielräume: Im Rahmen der föderalen Modernisierungsagenda hätten sich Bund und Länder bereits auf den Abbau von Berichtspflichten für Unternehmen geeinigt. Beim Mobilfunkausbau habe der Bund die Voraussetzungen für eine schnellere Errichtung neuer Masten geschaffen – nun seien die Länder am Zug. „Die Ergebnisse des Länderindex zeigen: Digitalisierung lässt sich gestalten. Wo Prioritäten gesetzt, Zuständigkeiten gebündelt und Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, kommt digitale Bewegung ins Land“, so sein Fazit.




















