Symbolbild
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Es ist eine der größten Investitionen, die je in die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit auf einem einzelnen Areal geflossen sind: Bund, Freistaat Bayern und Stadt Nürnberg stemmen gemeinsam rund 128 Millionen Euro, um das ehemalige Reichsparteitagsgelände als historischen Lernort und kulturellen Begegnungsraum zu sichern. Symbolische Förderbescheide über 127,5 Millionen Euro übergaben Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie Wissenschaftsminister Markus Blume am Freitag an Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König.

Der Bund steuert aus seinem Kulturetat 90,6 Millionen Euro bei, bereitgestellt über das parlamentarisch initiierte Verfahren KulturInvest. Bayern beteiligt sich mit rund 37 Millionen Euro. Das Geld fließt in zwei zentrale Bausteine: in den Erhalt und die kulturelle Neunutzung der gewaltigen Kongresshalle und in die Weiterentwicklung von Zeppelintribüne und Zeppelinfeld zu einem Lern- und Begegnungsort.

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„Wo einst Ausgrenzung und Gleichschaltung geplant waren, entstehen nun Räume für freie Kunst, kritisches Denken und demokratischen Dialog“, erklärte Weimer. Kulturbauten seien weit mehr als Architektur, sie seien Bausteine der gesellschaftlichen Identität. Geschichte werde an diesem Ort nicht überdeckt, sondern sichtbar gemacht. Sein ausdrücklicher Dank galt dem Bundestag, der die Mittel regelmäßig bewillige.

Für Oberbürgermeister König ist die Förderung ein politisches Signal weit über die fränkische Metropole hinaus. Die baulichen Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus seien „steingewordene Inszenierungen der NS-Diktatur“, aus denen eine dauerhafte Verantwortung erwachse. Dort, wo die Nationalsozialisten Macht demonstrieren wollten, entstünden heute Räume für Bildung, Kunst und kritischen Dialog. Die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte sei „keine lokale Aufgabe, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung von nationaler Bedeutung“.

Söder ordnete das Vorhaben als Bekenntnis gegen das Vergessen ein. Kaum ein anderer Ort in Deutschland stehe so unmittelbar für die architektonisch inszenierte Macht des NS-Regimes. Gerade Hass und Propaganda in der Gegenwart zeigten, wie fragil Freiheit sei. Für die Sanierung von Zeppelintribüne, Zeppelinfeld und dem Bahnhof Dutzendteich sei eine hälftige Bundesbeteiligung entscheidend gewesen – zusammen tragen Bund und Freistaat damit drei Viertel der förderfähigen Kosten.

Die Kongresshalle, einer der größten erhaltenen Monumentalbauten aus der NS-Zeit, blieb nach Kriegsbeginn 1939 ein unvollendeter Rohbau. Künftig soll sie zu einem Ort des Gedenkens und Weiterdenkens werden. Auf mehr als 7.000 Quadratmetern entstehen sogenannte Ermöglichungsräume sowie eine neue Spielstätte des Staatstheaters. Der Bund unterstützt Substanzerhalt und Nutzbarmachung mit 29,5 Millionen Euro von insgesamt 59 Millionen Euro, Bayern steuert 14,75 Millionen Euro bei. Für die Ermöglichungsräume kommen weitere 20 Millionen Euro vom Bund, ergänzt um eine Million Euro aus dem Kulturfonds Bayern sowie 675.000 Euro aus einer Fraktionsinitiative der CSU im Landtag.

Wissenschaftsminister Blume sprach von einem der wichtigsten Erinnerungsprojekte der Nachkriegsgeschichte. Nürnberg setze der historischen Wucht des Ortes „bewusst die freiheitlich-demokratische Kraft von Kunst und Kultur entgegen“. Die Kongresshalle berge ein einzigartiges Potential, neue Wege der Erinnerungskultur zu eröffnen.

Parallel werden Zeppelinfeld und Zeppelintribüne baulich gesichert – die einzigen Anlagen des Geländes, die in der NS-Zeit fertiggestellt und genutzt wurden. Der „Goldene Saal“ im Inneren und die Wallanlage bleiben als begehbare Exponate erhalten, im Mittelbau entsteht eine Ausstellung, der Bahnhof Dutzendteich wird zum Ankunfts- und Informationsort. Mehr als eine Million Menschen besuchen das Areal jährlich. Die Gesamtkosten dieses Projekts liegen bei 88,3 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für 2030 geplant.

Kultusministerin Anna Stolz betonte, mit der Übernahme dieses belasteten Erbes habe Nürnberg die Chance, einstige Propagandabauten in Orte der Begegnung zu verwandeln. Ziel sei es, fundiertes Wissen zu vermitteln, Diskussionen zu ermöglichen und den Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft zu stärken.

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