Bei der Ausstellungseröffnung (v. l.): Landrat Frank John, Direktor des Deutschen Polen-Instituts Prof. Dr. Peter Oliver Loew, Projektleiterin bei der DPI Julia Röttjer, Europabeauftragte Dr. Violetta Frys und Konsul Bartlomiej Ksiazek. -Foto: Sandra Brettar
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In der Kreisverwaltung in Homburg ist es still, nur gedämpfte Schritte und leises Murmeln sind zu hören. Zwischen den Stellwänden mit Dokumenten, Fotos und kurzen Lebensgeschichten stehen Besucher und lesen sich fest. Die neue Ausstellung „SPURLOS VERSCHWUNDEN? Auf der Suche nach polnischen Lebenszeichen aus dem Zweiten Weltkrieg“ macht eine Geschichte sichtbar, die im Saarpfalz-Kreis lange kaum im öffentlichen Bewusstsein war.

Seit kurzem ist die vom Deutschen Polen-Institut (DPI) konzipierte Schau in den Fluren der Kreisverwaltung des Saarpfalz-Kreises zu sehen. Sie geht den Spuren von fast drei Millionen Menschen aus Polen nach, die sich während des Zweiten Weltkriegs kriegsbedingt auf dem Gebiet des Deutschen Reiches aufhielten. Im Mittelpunkt stehen Lebenswege von Polinnen und Polen, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden. Die Ausstellung zeigt, wo ihre „Lebenszeichen“ bis heute auffindbar sind – auch an Orten im Saarland wie Homburg, Völklingen oder Lebach. Zugleich dokumentiert sie Fälle, in denen Deutsche, die menschlich auf Polen zugingen, vom NS-Regime hart verfolgt und bestraft wurden.

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Ein Schwerpunkt liegt auf dem Saarland und Rheinland-Pfalz, wo zahlreiche Zwangsarbeiter eingesetzt waren. Auch im Saarpfalz-Kreis sind Spuren dieser Zeit vorhanden, oft nur noch in Archiven, auf Friedhöfen oder in Ortschroniken. Die Ausstellung erinnert an die vielen Menschen aus Polen, der Ukraine und anderen Teilen der damaligen Sowjetunion, die hier zur Arbeit gezwungen wurden. Ein Beispiel ist ein Lager der Reichsbahn in Homburg-Beeden. Männer, Frauen und sogar Kinder aus der ehemaligen Sowjetunion waren dort in einer Turnhalle untergebracht und mussten für die Reichsbahn arbeiten. In Homburg, Bexbach und St. Ingbert waren Zwangsarbeiter zudem in Industriebetrieben, Eisenwerken und weiteren lokalen Unternehmen unter schwierigsten Bedingungen im Einsatz. Viele überlebten diese Zeit nicht. In Homburg sind mehr als 60 Todesfälle dokumentiert, doch die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, weil zahlreiche Opfer später umgebettet wurden oder nie offiziell erfasst sind. Die Ausstellung macht deutlich, dass diese Orte heute häufig nicht mehr erkennbar sind, die Auseinandersetzung mit den Schicksalen jedoch weiter notwendig bleibt.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 21. November 2025 in Homburg kamen zahlreiche Gäste. Unter ihnen waren der Konsul für Wirtschaftsfragen und Kulturangelegenheiten aus dem Generalkonsulat der Republik Polen in Köln, Bartlomiej Ksiazek, sowie der Direktor des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt, Prof. Dr. Peter Oliver Loew. Auch Vertreterinnen und Vertreter des Saarpfalz-Kreises und der europäischen Partnerschaften nutzten den Rahmen, um den Stellenwert der Ausstellung für die Region und für den deutsch-polnischen Austausch zu unterstreichen.

Landrat Frank John hob in seiner Rede die Bedeutung der Schau für den Saarpfalz-Kreis und für den europäischen Dialog hervor. „Die Aufarbeitung dieser schmerzhaften Geschichte ist für uns eine europäische Pflicht. Der Saarpfalz-Kreis steht für Dialog und dafür, dass die Schicksale der Menschen, die Europa in dieser Zeit prägten, nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Nur durch das ehrliche Sichtbarmachen der Vergangenheit können wir die notwendigen Brücken des Verständnisses und der Freundschaft in die europäische Zukunft bauen“, betonte der Landrat. Die Ausstellung verstehe sich damit nicht nur als historisches Projekt, sondern auch als Beitrag zur Verständigung in Europa.

Konsul Bartlomiej Ksiazek dankte in seiner Ansprache den Verantwortlichen im Saarpfalz-Kreis und den Partnern des Deutschen Polen-Instituts für die sorgfältige Vorbereitung und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema. Er sagte: „Wir leben in Zeiten, in denen historische Erinnerung politisiert wird und Desinformation die Stimmen von Zeuginnen, Zeugen und Forschenden übertönen kann. Umso wertvoller sind Initiativen, die dafür sorgen, dass Erinnerung auf Fakten, Empathie und gegenseitigem Respekt basiert.“ Nach seinen Worten leistet die Ausstellung genau diesen Beitrag, indem sie Einzelschicksale dokumentiert und zugleich auf historische Hintergründe verweist.

Die Europabeauftragte des Saarpfalz-Kreises, Dr. Violetta Frys, stellte den Zusammenhang zu den bestehenden Partnerschaften mit polnischen Kreisen her. „Unsere engen Beziehungen mit unseren polnischen Partnerkreisen sind ein lebendiges Zeugnis dafür, dass wir aus der Geschichte gelernt haben. Diese Ausstellung ist nicht nur ein Blick zurück, sondern die Basis, auf der wir unsere deutsch-polnische Freundschaft weiter vertiefen. Wir wollen mit weiteren Projekten den Menschen aus dem Saarpfalz-Kreis mehr Möglichkeiten zum Austausch mit unseren polnischen Partnerkreisen geben“, sagte Frys. Die Ausstellung verstehe sie daher auch als Ausgangspunkt für künftige Projekte im Bildungs- und Begegnungsbereich.

Wie eng persönliche Geschichten und historische Ereignisse verwoben sind, machte Prof. Dr. Peter Oliver Loew mit einem Beispiel deutlich. Der Direktor des Deutschen Polen-Instituts berichtete von einer Liebesbeziehung zwischen einer Deutschen und einem Polen im Jahr 1942 in Beckingen, aus der ein Kind hervorging. Beziehungen dieser Art waren in der NS-Zeit streng verboten. Die deutsche Frau starb kurz vor Kriegsende im Konzentrationslager Ravensbrück, der polnische Zwangsarbeiter nahm sich aus Verzweiflung das Leben und warf sich vor einen Zug. Diese Geschichte steht exemplarisch für zahlreiche Schicksale, in denen Menschlichkeit in einer von Gewalt und Zwang geprägten Zeit schwer bestraft wurde.

Solche Beispiele haben die Projektleiterin Julia Röttjer und ihr Kollege Christof Schimsheimer vom Deutschen Polen-Institut aufgegriffen und in der Ausstellung aufbereitet. In ihrem einführenden Vortrag zur Eröffnung schilderten sie unterschiedliche Lebenswege von Polinnen und Polen sowie von Deutschen, die trotz des Verbots Mitmenschlichkeit zeigten und dafür Konsequenzen tragen mussten. Die Ergebnisse dieser Recherchen finden sich auf insgesamt 23 Tafeln, die im Homburger Forum aufgebaut sind. Dort können Besucher die dokumentierten Geschichten, historischen Hintergründe und Fotos nachlesen.

Die Ausstellung „SPURLOS VERSCHWUNDEN? Auf der Suche nach polnischen Lebenszeichen aus dem Zweiten Weltkrieg“ ist bis zum 9. Januar 2026 in der Kreisverwaltung Homburg, Am Forum 1, zu sehen. Sie richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger in der Region und besonders an Schulen und Bildungseinrichtungen, die das Thema in ihren Unterricht einbinden möchten. Aufgrund der Zugangsbeschränkungen zur Kreisverwaltung mit Sicherheitsdienst ist eine vorherige Terminvereinbarung erforderlich. Anmeldungen sind per E-Mail an natascha.power@saarpfalz-kreis.de oder telefonisch unter (06841) 104-8587 möglich. Der Eintritt ist frei.

Geöffnet ist die Ausstellung während der regulären Öffnungszeiten der Kreisverwaltung: montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 15.30 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 15 Uhr. Ein Foto von der Eröffnung zeigt Landrat Frank John, DPI-Direktor Prof. Dr. Peter Oliver Loew, Projektleiterin Julia Röttjer, Europabeauftragte Dr. Violetta Frys und Konsul Bartlomiej Ksiazek gemeinsam vor den Tafeln der Ausstellung.

Bei der Ausstellungseröffnung (v. l.): Landrat Frank John, Direktor des Deutschen Polen-Instituts Prof. Dr. Peter Oliver Loew, Projektleiterin bei der DPI Julia Röttjer, Europabeauftragte Dr. Violetta Frys und Konsul Bartlomiej Ksiazek. -Foto: Sandra Brettar

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