Deutsche Unternehmen wollen ihre Daten im eigenen Land wissen. Nach einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom achten praktisch alle Firmen darauf, wo die Server ihrer Cloud-Dienstleister tatsächlich stehen: 97 Prozent messen dem Standort bei der Wahl eines Anbieters Bedeutung bei. Und ausnahmslos jedes befragte Unternehmen würde Deutschland als Standort bevorzugen.
Grundlage dieser Zahlen ist eine Umfrage unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die im Auftrag des Bitkom durchgeführt wurde. Das Ergebnis ist deutlich: Der Wunsch nach heimischer Datenverarbeitung ist quer durch die deutsche Wirtschaft ausgeprägt. Wo die Cloud-Anwendungen laufen und wo die Informationen liegen, ist für viele Betriebe längst kein Randthema mehr.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sieht darin einen klaren Auftrag an die Politik. „Die Unternehmen wollen, dass ihre Daten in Deutschland liegen und die Cloud-Anwendungen in Deutschland ausgeführt werden“, sagt er. Damit die dafür nötigen Rechenzentren überhaupt entstehen könnten, brauche es „international wettbewerbsfähige Strompreise, einen raschen Anschluss an das Stromnetz und schnellere Genehmigungsverfahren bei Neubauprojekten“.
Wintergerst verweist zugleich auf europäische und nationale Vorhaben, die aus seiner Sicht zügig Realität werden müssten. „Die geplanten KI-Gigafactories und auch der EU Cloud & AI Development Act müssen deshalb rasch in die Praxis umgesetzt werden“, betont der Verbandschef. Die Botschaft dahinter: Ohne passende Rahmenbedingungen droht der Bedarf an heimischen Kapazitäten ins Leere zu laufen.
Jenseits von Deutschland zeigt die Umfrage ein klar abgestuftes Bild. Ein Standort in einem der übrigen EU-Staaten kommt für 68 Prozent in Frage, nur ein Prozent lehnt ihn ab. Frankreich präferieren 23 Prozent, während es für 17 Prozent nicht in Betracht kommt. Großbritannien erreicht 14 Prozent Zustimmung, stößt aber bei 32 Prozent auf Ablehnung.
Deutlich zurückhaltender bewerten die Unternehmen Standorte außerhalb Europas. Rechenzentren in den USA würden zwölf Prozent bevorzugen, für 51 Prozent kommen sie nicht in Frage. Ähnlich fallen die Werte für Japan aus, das neun Prozent Zustimmung und 60 Prozent Ablehnung verbucht. Indien landet bei fünf Prozent gegenüber 73 Prozent Ablehnung, und China schneidet mit gerade einem Prozent Zustimmung am schlechtesten ab: 94 Prozent schließen das Land als Standort aus.
Weitere Erkenntnisse zur Cloud-Nutzung in Deutschland hat der Bitkom im „Cloud Report 2026“ zusammengefasst, der kostenlos zum Download bereitsteht. Für die aktuelle Erhebung wurden die Unternehmen zwischen der 14. und der 20. Kalenderwoche 2026 telefonisch befragt; die Umfrage gilt als repräsentativ.

















