Viel Aufwand, viel Einsatz – aber am Ende kein Ertrag: Der FC 08 Homburg hat sein Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers vor 1.670 Zuschauern mit 0:1 verloren. Über weite Strecken begegneten sich beide Mannschaften auf Augenhöhe. Homburg hatte vor allem in der ersten Halbzeit mehr Zug nach vorne, Stuttgart nach der Pause Vorteile. Den Unterschied machte schließlich eine einzige konsequent ausgespielte Situation. Besonders bitter: In der Nachspielzeit hatte Birkan Çelik per Elfmeter noch die große Chance auf den Ausgleich.

Die Partie begann für den FCH mit einem Schreckmoment. Bereits nach sechs Minuten brachte Philipp Steinhart Bastian Müller im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Fabian Reuter zeigte folgerichtig auf den Punkt. Bozic trat an, setzte den Strafstoß aber schwach. Michael Gelt blieb stehen und parierte. Danach fand Homburg immer besser ins Spiel. Die Mannschaft von Roland Seitz war griffig in den Zweikämpfen, suchte nach Ballgewinnen schnell den Weg nach vorne und hatte deutlich mehr Zug in Richtung Stuttgarter Strafraum.

Çelik prüfte Felix Dornebusch aus der Distanz und setzte wenig später einen weiteren Versuch knapp vorbei, auch Armend Qenaj kam über außen immer wieder in gute Räume. Was fehlte, war die Konsequenz in der letzten Aktion. Typisch dafür eine Szene mit Emir Kuhinja: Der Angreifer wurde im Strafraum gut angespielt, hatte eigentlich Zeit und Platz, schloss aber unter Druck aus der Drehung ab und setzte den Ball über das Tor. Kein Vorwurf an Kuhinja, der insgesamt ein ordentliches Spiel machte.

Die Szene stand vielmehr exemplarisch für den Homburger Auftritt. Bis zum Strafraum sah vieles gut aus, dort wurde es zu oft hektisch oder unsauber. Seitz sprach später von „vier, fünf Umschaltmomenten“ in der ersten Halbzeit, die seine Mannschaft „entweder schlecht ausgespielt“ habe oder bei denen sie im Eins-gegen-Eins Richtung Strafraum nicht zu Torgefahr gekommen sei. Sein knappes Urteil: „Das war nicht okay.“

Nach gut 20 Minuten folgte der nächste Rückschlag. Frederik Schumann blieb nach einem Zweikampf verletzt liegen und musste ausgewechselt werden, Jan-Erik Eichhorn kam für ihn. Bei Schumann besteht der Verdacht auf eine schwere Knieverletzung. Eine genaue Diagnose stand nach der Partie noch aus, aber aktuell steht ein Kreuzbandriss im Raum, was eine lange Ausfallzeit mit sich bringen würde. Der FCH blieb dennoch bis zur Pause das aktivere Team. Die Kickers verteidigten allerdings aufmerksam und ließen kaum klare Möglichkeiten zu. Auf der anderen Seite lag der Ball in der 37. Minute zwar im Homburger Tor, der Treffer wurde wegen eines vorherigen Offensivfouls aber nicht anerkannt. Mit dem 0:0 zur Pause konnten beide Mannschaften leben.

Nach dem Seitenwechsel bekam Stuttgart mehr Ballbesitz und drängte den FCH häufiger in die eigene Hälfte. Große Torgefahr entstand daraus zunächst ebenfalls kaum. Yannick Glessing kam nach einem Freistoß gefährlich zum Kopfball, scheiterte aber an Gelt. Homburg dagegen verlor nun häufiger früh den Ball und fand weniger Entlastung. „Mitte zweite Halbzeit war dann schon relativ viel, wo wir viele Ballverluste hatten, gar keine Ruhe ins Spiel bekommen haben“, beschrieb Eichhorn diese Phase.

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In der 67. Minute rächte sich das. Die Kickers kombinierten sich mit mehreren direkten Pässen bis an den Homburger Strafraum. Vier, fünf Stationen lang bekam der FCH keinen entscheidenden Zugriff, ehe David Stojak Maximilian Zaiser bediente. Der nahm Maß und traf platziert zum 0:1. Eine sauber herausgespielte Aktion der Gäste – aber aus Homburger Sicht auch ein vermeidbares Gegentor. „Gar keine Frage, dass wir es besser verteidigen müssen“, sagte Eichhorn. Es sei letztlich eine „Aneinanderreihung von Fehlern“ gewesen.

Auch Seitz sah in der zweiten Hälfte leichte Vorteile für Stuttgart, ohne eine große Dominanz der Gäste zu erkennen. „Bis auf das Tor war halt null Torgefahr. Das Tor spielen sie gut, aber das war dann die einzige Chance. Die nützen sie auch.“ Genau darin lag an diesem Nachmittag der Unterschied. Homburg brauchte einige Minuten, um den Rückstand abzuschütteln, suchte danach aber wieder konsequenter den Weg nach vorne. Qenaj setzte einen Versuch knapp neben das Tor, Eichhorn zielte über den Kasten, Aaron Manu kam ebenfalls noch einmal in eine gefährliche Situation. Wieder legte sich der FCH den Gegner teilweise zurecht, wieder fehlte bei Hereingaben und Abschlüssen die letzte Präzision.

In der Nachspielzeit bekam Homburg trotzdem noch die große Gelegenheit zum verdienten Ausgleich. Nach einer Hereingabe sprang Frauendorf der Ball an den Arm, Reuter zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Çelik, beim Saisonauftakt gegen Mainz noch zweimal sicher vom Punkt, übernahm die Verantwortung. Doch Dornebusch ahnte die Ecke, parierte den Strafstoß und war auch beim Nachschuss zur Stelle. Ein Vorwurf an Çelik wäre fehl am Platz. Nicolas Andermatt stellte sich ausdrücklich vor seinen Mitspieler: „Hut ab, dass man in der Minute die Verantwortung übernimmt. Ich glaube, das würde auch nicht jeder machen.“ Viel bitterer sei, dass Homburg zuvor keinen Treffer erzielt habe: „Möglichkeiten wären da gewesen, am Ende das Ding ein bisschen besser auszuspielen.“

Damit war eine Partie verloren, die eigentlich keinen Sieger gebraucht hätte. Beide Mannschaften investierten viel, beide verteidigten über weite Strecken gut und klare Torchancen blieben selten. Stuttgart nutzte seinen besten Moment, Homburg seinen nicht. Seitz hätte ein Remis deshalb für gerecht gehalten: „Unterm Strich, glaube ich, hätte man es irgendwo schon verdient gehabt. Aber so ist es halt. Wir haben es nicht gemacht. Und dann müssen wir damit leben.“

Trotz der Niederlage war der Auftritt kein Rückfall in Freiberg-Zeiten. Wille, Einsatz und Leidenschaft stimmten bis zur letzten Minute – und genau das honorierte auch ein großer Teil des Publikums. „Wir sind als Team aufgetreten, waren griffig, hatten gute Aktionen“, sagte Andermatt. Gegen ein Top-Team wie die Kickers habe Homburg gezeigt: „Wir müssen uns vor keinem verstecken.“ Das mindert nicht den Frust über die Niederlage oder die folgerichtige Kritik an den Dingen, die schlecht liefen – zeigt aber auch, das die Mannschaft von Trainer Roland Seitz den Anspruch hat, solche Spiele zu ziehen.

Zur Wahrheit gehört aber ebenso: Im gefährlichen Raum muss mehr kommen. Gut bis an den Sechzehner zu spielen bringt keine Punkte, wenn die letzte Hereingabe zu ungenau, der letzte Pass zu hektisch oder der Abschluss nicht konsequent genug ist. Das betrifft nicht einzelne Spieler, sondern die gesamte Offensive. Mehr Ruhe, mehr Konzentration und auch mehr Mut in der entscheidenden Aktion werden notwendig sein.

Hinzu kommt, dass der FCH inzwischen spürbar an die Grenzen seines Kaders kommt. Jacob Roden fällt mit einem Syndesmosebandriss länger aus, Nico Jörg ist nach langer Pause zwar wieder im Mannschaftstraining, benötigt aber noch Zeit. Michael Guthörl und Justin Petermann fehlten gegen Stuttgart mit muskulären Problemen. Sollte sich bei Schumann eine schwere Knieverletzung bestätigen, würde Seitz eine weitere wichtige Option verlieren. Gerade auf den Außenbahnen fehlte gegen die Kickers nach 70 oder 75 Minuten die Möglichkeit, mit einem frischen Spieler und vielleicht einem anderen Spielertyp noch einmal neue Impulse auf den Außen zu setzen.

Nach vier Spieltagen steht der FC Homburg mit sechs Punkten auf Rang sechs. Zwei Siege und zwei Niederlagen lassen Ende August noch keine großen Schlüsse zu. Gegen Stuttgart wäre ein Punkt gemessen am Spielverlauf durchaus verdient gewesen. Dass daraus nichts wurde, lag weniger an fehlendem Einsatz als daran, dass im letzten Drittel zu wenig aus den vorhandenen Möglichkeiten gemacht wurde.

Am kommenden Sonntag wartet die nächste Gelegenheit. Dann gastiert der FCH beim Aufsteiger VfR Mannheim. Anstoß im Rhein-Neckar-Stadion ist um 14 Uhr.

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