Wie gelingt der Sprung von der Kita in die Grundschule, ohne dass Kinder ins Straucheln geraten? Diese Frage stand im Zentrum eines Fachtags, zu dem sich kurz vor den Sommerferien 46 pädagogische Fachkräfte im Großen Sitzungssaal des St. Ingberter Rathauses versammelten. Erzieherinnen und Lehrkräfte aus sämtlichen Kitas und Grundschulen der Stadt saßen dabei erstmals gemeinsam an einem Tisch.
Organisiert wurde das Treffen unter dem Titel „Kita und Grundschule in einem Boot – Für die Kinder in St. Ingbert“ vom Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung (ILF) Saarbrücken in Zusammenarbeit mit der Stadt. Den Auftakt bildete ein Podiumsgespräch, das ILF-Direktor Thomas Mann moderierte und das unter der Leitfrage „Was wäre anders, wenn es ideal wäre?“ stand. Auf dem Podium diskutierten Bürgermeisterin und erste Beigeordnete Nadine Backes sowie Elaine Maas, Pädagogische Gesamtleitung der städtischen Kitas.

Ein eindringliches Bild lieferte Karolina Engel vom ILF Saarbrücken in ihrem Impulsvortrag. Sie erinnerte daran, dass Bildungsungleichheit oft lange vor dem Kita-Eintritt entstehe und ein früher, hochwertiger Zugang zu frühkindlicher Bildung deshalb umso entscheidender sei. Mit einem Vergleich des Bildungsforschers Wassilios E. Fthenakis brachte sie das Kernproblem auf den Punkt: „So vergleicht Prof. Wassilios E. Fthenakis unser Bildungssystem mit einem Hochhaus, bei dem in jedem Stockwerk ein anderer Architekt beschäftigt wurde, jedoch vergessen wurde, die Verbindungstreppen zu bauen. Wir wollen heute mit diesem Fachtag die Treppen in das Hochhaus einbauen.“
Diese Treppen nahmen im Laufe des Tages konkrete Formen an. Herzstück war ein mehrstündiges World Café, in dem die Fachkräfte an sechs thematischen Tischen Ideen für gemeinsame Projekte entwickelten. Die Themen orientierten sich am saarländischen Bildungsprogramm und spannten den Bogen von Körper, Bewegung und Gesundheit über Sprache und Medien bis hin zu mathematischen und naturwissenschaftlichen Grunderfahrungen sowie dem Weg zum Schulkind.
Die Ergebnisse blieben nicht im Abstrakten. Vorgeschlagen wurden unter anderem gemeinsame Sportstunden, Lesepaten aus den dritten und vierten Klassen, die Kita-Kindern vorlesen, Waldtage, Theaterprojekte und gemeinsame Ausflüge etwa zum Dynamikum oder zum MINT-Campus Alte Schmelz. Die Spannweite reichte von schnell umsetzbaren Maßnahmen bis zu dauerhaften Kooperationsformaten für ein ganzes Jahr.
Auf struktureller Ebene füllten die Teilnehmenden zudem einen Ideenspeicher. Dazu zählen ein Organigramm aller Kooperationspartner samt Kontaktdaten zu jedem Schuljahresbeginn, eine gemeinsame Austauschplattform und regelmäßige Treffen der Kooperationsbeauftragten aus Schule und Kita, jeweils zu Beginn und zum Ende des Jahres. Am Nachmittag ging es in die konkrete Planung für das Kooperationsjahr 2026/27: Arbeitstreffen, Hospitationen, Elternabende und gemeinsame Projekte wurden besprochen und in erste Vereinbarungen überführt.
Dass die Zusammenarbeit zwischen frühkindlichen Einrichtungen und Grundschulen politisches Gewicht hat, machten die Grußworte von Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer und der Landtagsabgeordneten Jutta Schmitt-Lang deutlich. Beide betonten den Stellenwert einer gelingenden Kooperation für die Zukunft der Kinder in St. Ingbert.

















