Christine Maurer und Hans-Joachim Kellner. - Foto: Bill Titze

Ortsvertrauensleute stehen nicht unbedingt im Mittelpunkt des Interesses. Die meisten Menschen dürften noch nicht einmal wissen, welcher für ihren Ort zuständig ist. Aber im Gemeinwesen erfüllen sie eine durchaus wichtige Funktion: Sie fungieren als Mittler zwischen Verwaltung und dem einfachen Bürger. Das kann anstrengend sein. Aber auch von Erfolg gekrönt, wie der Besuch bei den beiden Homburger Ortsvertrauensleuten zeigt.

Wer kennt sie nicht? Baustellen, die quasi nicht verschwinden wollen. Schlaglöcher, die den Weg zum Supermarkt zu einer Achterbahnfahrt werden lassen. Oder Verkehrsschilder, die nicht für Ordnung sorgen, sondern nur Verwirrung stiften. Alles keine weltbewegenden Probleme, klar. Aber sie nerven eben. Nicht zuletzt, weil sich der einfache Bürger mitunter recht machtlos fühlt und nicht weiß, an wen er sich bei so etwas eigentlich wenden soll.

Wer an diesem Punkt ist, kann sich natürlich selbst durch den Behördendschungel schlagen. Oder man konsultiert die zuständigen Ortsvertrauensleute. In Homburg sind das Christine Maurer und Hans-Joachim Kellner von den Grünen. Maurer ist für den Westen der Stadt, unter anderem die Birkensiedlung, verantwortlich. Kellner übernimmt den östlichen Teil, rund um Altstadt und Talstraße. Vor zweieinhalb Jahren haben sie die Tätigkeit übernommen.

„Eigentlich habe ich damit gar nicht gerechnet“, erzählt die 56-jährige Maurer. Denn sie und ihr Kollege wurden nicht etwa von der Verwaltung zur Ortsvertrauensperson bestimmt, sondern zumindest indirekt durch die Bürger gewählt. Denn die bei der Kommunalwahl stärkste Partei im jeweiligen Stadtteil bestimmt die dortige Ortsvertrauensperson. Das waren in Homburg-West und Homburg-Ost zum ersten Mal die Grünen.

Diese entschieden sich für Maurer und den 73-jährigen gebürtigen Westfalen Kellner, obwohl beide zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Parteimitglied waren. Letztlich hat sie zivilgesellschaftliches Engagement ins Amt geführt. Kellner ist Mitglied des Presbyteriums der Evangelischen Stadtkirche in Homburg und wurde dort von einem Freund gefragt, ob er sich das Amt vorstellen könnte. Bei Maurer wurde der Kontakt über einen Grünen-Stammtisch hergestellt, den sie besucht hatte. Zwar sind beide mittlerweile den Grünen beigetreten. „Parteisoldaten sind wir aber nicht“, unterstreicht Kellner. „Beispielsweise stehen wir dem Hochhausprojekt am Zweibrücker Tor kritisch gegenüber, auch wenn unsere Fraktion im Stadtrat dieses unterstützt.“

Ungefähr 10 Stunden investieren beide wöchentlich in die Arbeit. Und das ehrenamtlich. Da stellt sich die Frage nach dem Warum. Die Motivation sei das „Grundinteresse an der Stadt, in der wir leben“, sagt Maurer. Es gehe schließlich nicht nur darum, das was da ist, infrage zu stellen, sondern auch neue Prozesse mitzugestalten. „Der Idealentwurf wäre es, in einer Gemeinschaft zu leben, die ausgewogen und harmonisch ist.“

Ausgewogen scheint auch die Rollenverteilung bei den beiden zu sein. Während sich die Diplom-Sozialpädagogin verstärkt um die Jungen kümmern will, legt der pensionierte Verwaltungsfachwirt sein Augenmerk eher auf die ältere Generation. Ziel der beiden ist es, als Bindeglied zwischen Bewohnern und Verwaltung zu fungieren.

Konkret bedeutet das, dass sie Probleme, die ihnen von Bürgern geschildert werden, an die Stadtverwaltung weitergeben. Um gut erreichbar zu sein, haben sich die beiden einiges einfallen lassen. So haben sie nicht nur eine eigene Website eingerichtet, sondern auch Flyer gestaltet, auf denen unter anderem Mail- und Telefonadresse zu finden sind. Darüber hinaus bieten beide normalerweise regelmäßig eine Bürgersprechstunde im Rathaus an. „Derzeit müssen wir das wegen der Pandemie aber leider per Telefon machen. Das wird leider nicht so gut angenommen wie die persönlichen Termine, bei denen schon viele Leute mit ihren Problemen und Anregungen zu uns kommen“, berichtet Maurer.

Ob die Stadtverwaltung sich um diese kümmert, steht dabei jedoch auf einem anderen Blatt. „Gerade am Anfang hat man uns von Seiten der Stadt gar nicht wahrgenommen“, verrät Maurer. „Aber mittlerweile haben wir die richtigen Ansprechpartner gefunden und deshalb läuft es jetzt auch besser.“  Das heißt natürlich nicht, dass immer für jedes Problem eine Lösung gefunden wird. Aber manchmal eben doch.

So wie im Warburgring, wo ein Fußweg längere Zeit durch eine Baustelle unpassierbar war. Für ältere Menschen ein echtes Hindernis. „Wir haben uns dann mit dem Bürgerberater Klaus Frank in Verbindung gesetzt und der hat dafür gesorgt, dass der Fußweg schnell wieder begehbar war“, freut sich Maurer. Allgemein seien es gerade Verkehrsprobleme, die oft nachgefragt würden.

Ein neuralgischer Punkt: die Untere Allee. Dort wechseln sich 30er- und 50er-Zonen munter ab. Das sorgt für Unmut. Nicht nur bei zahlreichen Bürgern, sondern auch bei beiden Ortsvertrauensleuten. „Das ist dort nicht gut gelöst“, findet Maurer. „Hier wäre eine einheitliche Lösung mit Tempo-30-Zone besser.“ Doch diesbezüglich sind sie bei der Stadt noch nicht durchgedrungen.

Doch die beiden reagieren nicht nur auf Bürgeranfragen. Sie werden auch selbst aktiv und treiben eigene Projekte voran. So möchte Maurer beispielsweise eine Grünfläche in der Innenstadt anlegen, die als Begegnungsstätte für die Menschen dienen soll. Dahinter steht der Grundgedanke Maurers, dass Mensch und Natur sich nicht ausschließen. „Ich habe an einen Kräutergarten gedacht.“ Vorläufig hat diesem Projekt jedoch Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber die beiden Ortsvertrauenspersonen machen ohnehin nicht den Eindruck, als würden sie die Flinte allzu schnell ins Korn werfen. „Wir sind hartnäckig“, sagt Hans-Joachim Kellner mit einem Lachen.

 

 

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