Mit einem festlichen Galaabend hat die Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in Homburg-Erbach ihr 55-jähriges Bestehen gefeiert. Zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft, Ehemalige, Eltern, Lehrkräfte und natürlich die Schülerinnen und Schüler selbst verwandelten die Schule an diesem Abend in einen Ort voller Erinnerungen, Emotionen und echtem Gemeinschaftsgefühl – bevor am darauffolgenden Tag das Schulfest die Feierlichkeiten fortsetzte.

Der Galaabend begann, wie es sich für eine Schule mit lebendiger Schulgemeinschaft gehört: nicht mit einer trockenen Begrüßungsrede, sondern mit einem beeindruckenden Bühnenprogramm der Schülerinnen und Schüler. Akrobatik, sportliche Darbietungen, Gesang, Musik, Kunst und Theater – die Vielfalt der Darbietungen spiegelte wider, was diese Schule im Alltag ausmacht. Ortsvorsteher Markus Uhl brachte es auf den Punkt: „Das Programm, was wir heute Abend hier schon erleben konnten, spricht wirklich für die Schule Neue Sandrennbahn.“

Schulleiter Podevin eröffnete den offiziellen Teil des Abends mit einem Blick in die Schulgeschichte – und machte deutlich: Diese Geschichte ist keine geradlinige Erfolgsgeschichte, sondern eine mit Höhen, Tiefen und einem bemerkenswerten Willen zum Weitermachen. Seit ihrer Einweihung am 1. September 1970 hat die Schule am Standort Erbach nicht nur mehrere Namen getragen – Sandrennbahnschule, Hauptschule, Erweiterte Realschule 2 (ERS 2), schließlich Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn –, sondern auch eine bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit bewiesen.

Podevin blätterte an diesem Abend weit zurück: Noch vor der Gründung des heutigen Schulstandorts gab es in Erbach eine sogenannte „Urschule“, deren Gründung am 6. September 1947 urkundlich belegt ist. Besonders interessant: Als erster Lehrer dieser Urschule ist in der Original-Schulchronik kein anderer als Arthur Roschel verzeichnet – derselbe Mann, der später der erste Schulleiter am heutigen Standort werden sollte. Eine Fußnote der Geschichte, die an diesem Abend für sichtliche Überraschung sorgte.

Unter den insgesamt fünf Schulleitern, die den Standort seit 1970 geprägt haben – Arthur Roschel, Wilfried Kopp, Karl-Peter Ranker, Sabine Bleier und der aktuelle Schulleiter Podevin – war es vor allem Sabine Bleier, die in einer der schwierigsten Phasen der Schulgeschichte die Weichen neu stellte. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre stand die Schule ernsthaft vor dem Aus. Die Saarbrücker Zeitung titelte damals unmissverständlich: „Aus für Hauptschule Neue Sandrennbahn.“ Der Fortbestand der Schulform schien nicht mehr gesichert. Dass es anders kam, ist dem Engagement aller Beteiligten zu verdanken – und dem Eingreifen des Saarpfalzkreises, der die Trägerschaft übernahm und in der Folge massiv investierte: ein neuer Pavillon im Jahr 2000, eine neue Cafeteria, ein Multifeld, eine neue Sporthalle sowie neue Fach- und Werkräume.

Der Abend war reich an hochrangigen Gästen – und an persönlichen Momenten. Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot war eigens angereist und eröffnete ihre Rede mit einem anerkennenden Blick auf die künstlerische Stärke der Schule: „Wir haben heute schon gemerkt, wie stark die künstlerische und vor allem musische Bildung dieser Schule ist.“ Sie erinnerte auch an das Jahr 2021, als die Schule ihr 50-jähriges Jubiläum unter Pandemiebedingungen – mit Masken und Abstandsregeln – beging. Umso schöner sei die heutige Feier.

Neu im Amt und sichtlich engagiert präsentierte sich Landrat Frank John, der von Schulleiter Podevin herzlich auf der Bühne begrüßt wurde. John betonte die Bedeutung der Schule für den gesamten Stadtteil und würdigte die Arbeit all jener, die die Schule über Jahrzehnte zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Gleichzeitig brachten sich mit Dr. Theophil Gallo und Clemens Lindemann zwei ehemalige Landräte ins Gespräch, denen die Schule nach Worten Podevins außerordentlich viel zu verdanken hat.

Bürgermeister Manfred Rippel überbrachte die Grüße von Oberbürgermeister Michael Forster und unterstrich die Bedeutung der Schule für den Wirtschafts- und Lebensstandort Homburg. Er erzählte auch eine persönliche Anekdote: Als ehemaliger Sachbearbeiter im Kreisbereich Finanzen hatte er früher selbst mit der Schule zu tun – und begegnet heute ehemaligen Schülerinnen und Schülern als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter seiner Führung. „So hat sich das geändert“, sagte er mit einem Schmunzeln.

Ortsvorsteher Markus Uhl sprach für den erst seit kurzem bestehenden Erbacher Ortsrat und machte deutlich, wie sehr die Schule als Flaggschiff eines gewachsenen Bildungsstandorts wahrgenommen wird. Erbach, Homburgs größter Stadtteil mit knapp 15.000 Einwohnern, verfüge über Grundschulen, eine städtische Musikschule und Förderschulen – das Herzstück aber sei und bleibe die Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn. „Das Flaggschiff, sozusagen“, so Uhl.

Schülervertretung und Schulverein: Gemeinschaft als Fundament

Besonders bewegend war der Auftritt der Schülervertretung. Sie sprachen über das, was Schule jenseits von Unterricht bedeutet. Klassenfahrten, Pausen, AGs, gemeinsame Feste: „Genau dort entstehen Erinnerungen, die man nie vergisst.“ Die SV gestalte das Schulleben aktiv mit – von Weihnachtsrosen über Fasching- und Halloweenfeiern für die 5. und 6. Klassen bis hin zu Besuchen auf der Palliativstation in Homburg. Zusammenhalt und Respekt: Das seien die Werte, die diese Schule ausmachten.

Der neu gewählte Vorstand des Schulvereins nutzte den Abend, um seine Ziele vorzustellen. Neben der bewährten Unterstützung bei Klassenfahrten und Schulveranstaltungen soll künftig die politische Bildung stärker in den Fokus rücken. Ein besonderer Dank galt den Gründern des Schulvereins, Bernd Jähn und Ann-Kathrin Gerber, deren Engagement den Grundstein für die enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternschaft gelegt hat.

Eine Schule, die mehr ist als Unterricht

Was dieser Abend deutlich machte: Die Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn ist längst mehr als eine Bildungseinrichtung. Mit bis zu 30 Nationen unter einem Dach, einem ausgeprägten Verständnis von Integration und dem gelebten Leitbild „Lernen mit Herz, Hand und Verstand“ hat sie sich als unverzichtbarer Teil des Stadtteils etabliert. Frank John, der neue Landrat, fasste es so zusammen: „Es war mal auf der Kippe – aber ich bin froh, dass ihr wieder da seid und den Kindern im Stadtteil Erbach eine Schulheimat gebt.“

55 Jahre, eine bewegte Geschichte und ein Abend, der Lust auf die nächsten 55 macht. Die Neue Sandrennbahn feiert – und Erbach feiert mit.

Alle Bilder: Friedel Simon

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