Die Verbraucherzentrale des Saarlandes bietet in Homburg und Kirkel Beratungstermine an

Kostenlose Rechtsberatung direkt im Wohnviertel – was nach einer Selbstverständlichkeit klingt, ist für viele Menschen im Saarland alles andere als alltäglich. Ab Mai bringt die Verbraucherzentrale Saarland ihr Beratungsangebot dorthin, wo finanzielle Sorgen besonders drücken: in die drei sogenannten Perspektivquartiere Neunkirchen, Saarbrücken-Burbach und Völklingen.

Das Projekt ist Teil der quartiersbezogenen Armutsbekämpfungsstrategie des Landes und trägt den programmatischen Titel „Wir machen Beratung möglich“. Sozialminister Magnus Jung betonte, wie wichtig der aufsuchende Ansatz sei: „Die aufsuchende Arbeit in den Quartieren ist ein zentraler Ansatz, um Menschen durch persönliche Ansprache den Zugang zu Beratung zu erleichtern und das Angebot der Verbraucherzentrale bekannter zu machen.“ Es gehe darum, Betroffene bei der Sicherung ihres Lebensunterhalts zu begleiten und das Risiko einer Verschuldung zu senken. Das Vorhaben sei damit ein wichtiger präventiver Beitrag gegen Armut.

Konkret stehen ab Mai wöchentliche Sprechstunden auf dem Programm, jeweils von 9 bis 13 Uhr. Dienstags öffnet die Beratung in der GWA Caritas am Burbacher Markt 1 in Saarbrücken, mittwochs bei Via Plus der Diakonie an der Bliespromenade 1 in Neunkirchen und donnerstags im Haus der Diakonie in der Gatterstraße 13 in Völklingen. Für die Ratsuchenden entstehen keine Kosten.

Das Themenspektrum reicht weit über klassische Vertragsstreitigkeiten hinaus. Untergeschobene Telekommunikationsverträge, betrügerische Geldanlagen und Fakeshops gehören ebenso zum Beratungsfokus wie drohende Energiesperren oder Fragen rund um Finanzen und Versicherungen. Bei komplexeren rechtlichen Problemen ziehen die Beraterinnen und Berater die Juristinnen und Juristen der Verbraucherzentrale hinzu. Ergänzend plant das Team Informations- und Bildungsangebote, etwa zu kostengünstiger und gleichzeitig gesunder Ernährung oder zum Umgang mit Energiearmut.

Martin Nicolay, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Saarland, sieht das Projekt als sinnvolle Ergänzung zu den bereits bestehenden Strukturen vor Ort: „In den Quartieren wird schon gute Arbeit geleistet. Mit unserem Knowhow können wir die Menschen zudem bei untergeschobenen Verträgen, überhöhten Rechnungen oder gegen Abzocke unterstützen.“ Gerade dort, wo finanzielle Spielräume eng sind, könne eine einzige fehlerhafte Rechnung oder ein ungewollter Vertrag eine Abwärtsspirale auslösen.

Der Grundgedanke hinter dem Angebot ist simpel, aber wirkungsvoll: Wer nicht den Weg in eine Beratungsstelle findet – sei es aus Scham, Unwissen oder schlicht wegen fehlender Mobilität –, soll trotzdem Hilfe bekommen. Minister Jung fasste den Anspruch so zusammen: „Mit dem neuen Angebot zeigen wir gemeinsam mit der Verbraucherzentrale, dass wir nah an den Menschen sind und dort Hilfe leisten, wo sie gebraucht wird. Unser Anspruch ist es, Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu informieren und vor finanziellen Risiken zu schützen.“ Ob sich dieser Anspruch in der Praxis bewährt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – die Voraussetzungen dafür sind mit den festen Anlaufstellen und dem breiten Themenspektrum jedenfalls geschaffen.

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