Kostenfreie Kita-Plätze allein machen noch keine gute frühkindliche Bildung. Auf diesen Punkt lenken Arbeitskammer, GEW und ver.di gemeinsam die Aufmerksamkeit, während der Bildungsausschuss des saarländischen Landtags über die Novelle des Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsgesetzes berät. Ihr Vorwurf: Der Gesetzentwurf bleibe bei der eigentlich entscheidenden Frage der Qualität weitgehend auf halbem Weg stehen.

An der geplanten vollständigen Beitragsfreiheit ab 2027 lassen die drei Organisationen dabei ausdrücklich kein schlechtes Haar. Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer des Saarlandes, spricht von einem wichtigen sozialpolitischen Schritt hin zu mehr Chancengerechtigkeit. Doch er zieht eine klare Grenze: Die Beitragsfreiheit allein verbessere weder die pädagogische Arbeit noch schaffe sie zusätzliche Plätze.

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Entscheidend sei vielmehr, dass Kinder in den Einrichtungen gute Bildungs- und Entwicklungsbedingungen vorfänden und die Beschäftigten dafür ausreichend Zeit und Ressourcen hätten. Zugleich müsse jede Familie ein wohnortnahes Angebot in Reichweite haben. Ohne diese Grundlagen, so der Tenor, verpuffe die soziale Wirkung der Reform.

Besonders kritisch bewerten die drei Akteure, wie der Entwurf mit dem chronischen Fachkräftemangel umgehen will. Statt an den Ursachen anzusetzen, werde vor allem der Fachkräftebegriff ausgeweitet. Liliane Rosar-Ickler, Landesvorsitzende der GEW Saarland, räumt zwar ein, dass dies kurzfristig mehr Personal ermöglichen könne. Doch sie warnt vor den Folgen: Pädagogische Qualitätsstandards dürften darunter nicht leiden. Nötig seien bessere Rahmenbedingungen, die Fachkräfte im Beruf hielten und die pädagogische Arbeit stärkten.

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Auch die vorgesehene Reduzierung der Schließtage steht auf dem Prüfstand. Mehr Verlässlichkeit für Familien sei begrüßenswert, dürfe aber nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. „Mehr Verlässlichkeit für Familien darf nicht durch mehr Arbeitsverdichtung für die Beschäftigten erkauft werden. Qualität braucht Zeit, qualifiziertes Personal und gute Arbeitsbedingungen“, betont Andreas Thiel, Gewerkschaftssekretär bei ver.di im Bezirk Region Saar-Trier.

Für das weitere Gesetzgebungsverfahren formulieren Arbeitskammer, GEW und ver.di deshalb eine gemeinsame Forderung: Die qualitative Weiterentwicklung müsse zum eigentlichen Maßstab werden. Dazu zählten eine ausreichende und qualifikationsgerechte Personalausstattung, gute Arbeitsbedingungen und verlässliche Ressourcen für die pädagogische Arbeit. Man brauche eine Reform, die nicht bloß verwalte, wie man mit dem bestehenden Mangel umgehe, sondern die Voraussetzungen für gute frühkindliche Bildung tatsächlich verbessere.

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