
Künstliche Intelligenz gehört längst zum Alltag junger Menschen – und soll nun auch systematisch in saarländischen Klassenzimmern ankommen. Am 2. März 2026 fiel an der Universität des Saarlandes der Startschuss für die diesjährige „Woche der digitalen Bildung“, die unter dem Motto „Potenzial digital – im Zeitalter von KI“ bis zum 6. März in einem hybriden Format Lehrkräften praxisnahe Impulse für den Unterricht mit digitalen Werkzeugen liefern will.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot machte bei der Auftaktveranstaltung deutlich, warum das Thema keinen Aufschub duldet: „Unsere Schülerinnen und Schüler wachsen in einer Welt auf, in der Informationen in Sekunden verfügbar sind, in der Algorithmen Meinungen verstärken und in der Künstliche Intelligenz längst Texte schreibt und Bilder erzeugt. Wenn wir Schule ernst nehmen, dann müssen wir auch diese Realität ernst nehmen.“ Digitale Mündigkeit sei heute eine Grundaufgabe des Bildungssystems, betonte die Ministerin. Junge Menschen hätten ein Recht darauf, ihre Lebenswelt nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv mitzugestalten. Der Anspruch im Saarland laute deshalb, digitale Bildung so zu verankern, dass sie Bildungsgerechtigkeit stärke und allen Kindern unabhängig von Schule, Region oder Herkunft die gleichen Chancen eröffne.
Das Saarland hat dafür in den vergangenen Jahren ein dichtes Netz an Strukturen aufgebaut. Medienkompetenz wird bereits ab Klassenstufe eins vermittelt und über ein Basiscurriculum für die Klassenstufen eins bis zehn fachübergreifend verankert. Seit dem Schuljahr 2023/24 ist Informatik ab Klasse sieben Pflichtfach, die nötigen Lehrkräfte wurden am Bildungscampus des Saarlandes qualifiziert. Alle 327 Schulen im Land verfügen mittlerweile über eine flächendeckende digitale Ausstattung – mehr als 100.000 mobile Endgeräte stehen Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern ab Klassenstufe drei zur Verfügung. Mit dem Gesetz zur Digitalen Bildung, kurz DiBiG, hat das Saarland zudem als erstes Bundesland einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen geschaffen, der digitale Bildung strukturell, pädagogisch und sozial gerecht absichert.
Besonders konkret wird der Einsatz von KI durch den neu eingeführten Chatbot „telli“. Das Werkzeug ermöglicht es Lehrkräften, Unterrichtsmaterialien an unterschiedliche Lernstände anzupassen, strukturierte Erklärungen oder Arbeitsaufträge zu erstellen und organisatorische Aufgaben zu vereinfachen. Darüber hinaus lassen sich über zeitlich begrenzte QR-Codes sogenannte Lernszenarien oder Dialogpartner anlegen, mit denen Schülerinnen und Schüler etwa historische Persönlichkeiten befragen oder thematische Gesprächssituationen durchspielen können. Der Zugang zu solchen geprüften, datenschutzkonformen KI-Werkzeugen erfolgt landesweit über die bestehende Bildungsinfrastruktur, zu der auch die Online-Schule Saarland und die Landesweite Systematische Medienausleihe gehören.
Pilotprojekte haben bereits gezeigt, dass KI im Unterricht fächerübergreifend funktioniert – etwa wenn in Deutsch, Ethik oder Kunst KI-generierte Texte und Bilder analysiert werden. Dabei gelten klare Regeln: Der seit dem Schuljahr 2023/24 geltende Leistungsbewertungserlass erlaubt KI-unterstützte Arbeitsprozesse, solange die eigenständige Leistung erkennbar bleibt. KI darf beim Strukturieren von Gedanken oder als Sprachanregung helfen, vollständige Aufgaben übernehmen oder Bewertungen ersetzen darf sie hingegen nicht. Entscheidend bleibt stets die reflektierte Auseinandersetzung mit dem, was die Maschine liefert. Sämtliche Anwendungen müssen sich zudem im Rahmen des EU-AI-Acts und des saarländischen Schulwesen-Datenschutzgesetzes bewegen.
Auch auf der Verwaltungsebene tut sich etwas. Der seit September laufende schrittweise Roll-Out der Schulverwaltungssoftware DESC an allen saarländischen Grundschulen bündelt Verwaltungsprozesse in einem einheitlichen digitalen System, reduziert Papierarbeit und sorgt für eine rechtssichere Datenverwaltung. Zusammen mit den pädagogischen Maßnahmen bildet das den Unterbau einer Schullandschaft, die den digitalen Wandel nicht nur begleitet, sondern aktiv gestaltet.
Die Veranstaltungswoche selbst bringt wissenschaftliche Expertise und schulische Praxis zusammen. Kooperationspartner sind neben dem Bildungscampus Saar die Universität des Saarlandes, die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, das East Side Fab, die Landesmedienanstalt Saarland sowie das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit. Streichert-Clivot unterstrich, dass es für den Erfolg digitaler Bildung „kontinuierliche Qualifizierung, professionelle Unterstützung und verlässliche Fortbildungsangebote für Lehrkräfte“ brauche. Genau diesen Raum wolle die Woche der digitalen Bildung schaffen – mit Orientierung, konkreten Werkzeugen und dem Ziel, Schule im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung strategisch weiterzuentwickeln.




















